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24.05.1991 - 

Kommerzielle Anwender schreckt der militärische Ruf von Ada

Programmiersprache Ada auf den RISC-Systemen von Sun und Mips

24.05.1991

MÜNCHEN (CW) -"Die Vorurteile gegen Ada als vorgeblich rein militärische Programmiersprache sind kaum totzukriegen", klagt Gerd Winterstein, Geschäftsführer der Alsys GmbH & Co. KG, Karlsruhe. Dabei werde die Sprache längst kommerziell eingesetzt, außerdem biete Alsys jetzt Implementierungen auf der Basis der RISC-Architekturen von Mips und Sun Microsystems.

"Auch Cobol wurde für das US-Verteidigungsministerium entwickelt, doch niemand käme heute auf die Idee, der Sprache vorzuwerfen, sie eigne sich nur für militärische Anwendungen", argumentiert Winterstein. Für ihn ist Ada vor allem ein herstellerunabhängiges Programmierwerkzeug, das zum Beispiel C in puncto Leistung und Qualität hinter sich lasse. Der Alsys-Chef zitiert einen Artikel aus der "Business Week" vom Mai 1988, in dem anhand von drei kommerziellen Projekten nachgewiesen wurde, daß sich durch den Einsatz von Ada der Aufwand bei der Codierungs- und Debugging-Phase um 50 Prozent und bei der Wartung um knapp 60 Prozent reduzieren ließ.

Angesichts dieser Qualitäten ist Winterstein zuversichtlich, daß sich Ada in den kommenden Jahren auch im kommerziellen Sektor durchsetzen werde. Sein Argument: In einer Zeit der politischen Entspannung bauen immer mehr Rüstungsunternehmen - die klassischen Ada-Anwender - auf zivile Produkte. Die Erfahrungen der Wehrtechnik-Experten werden seiner Ansicht nach auf den kommerziellen Markt ausstrahlen. Hinzu komme, daß die Sprache zur Zeit technologisch ausgesprochen aktuell sei.

Alsys setzt hier vor allem auf die RISC-Technologie. So bietet das Unternehmen jetzt seine Ada-Entwicklungsumgebung für die Sparc-Architektur von Sun Microsystems, für die RISC-Unix-Rechner Decstation von Digital Equipment und sämtliche Mips-Plattformen an. Eine Implementierung für den Power-Chip der RS/6000 ist in Vorbereitung. Besonders große Erwartungen hegt Winterstein in bezug auf die Mips-Architektur, die von der kürzlich gegründeten ACE-Gruppe als einheitliche Hardwareplattform für Workstations propagiert wird.

Zwar bildet der deutsche Ada-Markt im internationalen Vergleich das Schlußlicht, doch inzwischen gibt es auch hier kommerzielle Anwender. So hat die Berliner Siemens-Tochter Sietec auf Ada-Basis ein neues System für Elektronenstrahl-Lithographie erstellt. Dort hat sich Alsys-Angaben zufolge erwiesen, daß das Argument, wonach die Komplexität der Programmiersprache eine rasche Entwicklung verhindere, nicht haltbar sei. Täglich sind dort von jedem Programmierer 30 bis 40 Ada-Quellzeilen erstellt worden. Üblicherweise liegt die Richtzahl für vergleichbare Projekte bei nur etwa zehn Zeilen.

Für den kommerziellen Einsatz von Ada spricht auch, daß die Schweizer Software-Entwickler von Datura seit mehr als sechs Jahren kommerzielle Programme wie Finanzbuchhaltungen in Ada erstellen. "Ihren Kunden sagen sie jedoch meist nicht, mit welcher Sprache sie arbeiten", so Winterstein mit einem Seitenhieb auf die Ada-Vorurteile auch in eidgenössischen Unternehmen. Weitere Beispiele für kommerzielle Anwender in Europa sind die skandinavische Nokia Bank, die Schweizer Bankgesellschaft und der Informationsdienst Reuter.

Ada-Kenner berichten allerdings, daß sich die Eignung der Sprache auf umfangreiche Programme beschränkt. Winterstein räumt ein, daß die Qualitäten der Programmiersprache hinsichtlich der Entwicklungsproduktivität erst ab etwa 100 000 Lines of Code voll zum Tragen kommen. Bei sicherheitskritischen Anwendungen sei sie allerdings gegenüber C oder Fortran immer vorzuziehen. Damit bleibe als einziges Argument gegen den Einsatz der Sprache der bislang chronische Mangel an Ada-Programmierern.