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27.11.1974

Programmierung nach DIN: Die Normierte Sackgasse

MÜNCHEN - Der Arbeitsausschuß "Programmierung" im Fachnormenausschluß Informationsverarbeitung innerhalb des Deutschen Normenausschusses hat einen Norm-Entwurf DIN 66220 erarbeitet. Titel des Dokuments: "Programmablauf für die Verarbeitung von Dateien nach Satzgruppen." Dieser Entwurf wird aller Voraussicht nach einigen Wirbel unter Deutschlands Software-Anbietern verursachen. Stellt er doch nichts anderes dar, als einen ersten Schritt zur Normierung der Normierten Programmierung. Also eine Standardisierung der Standardisierung? Wie konnte es zu dieser grotesk anmutenden Entwicklung kommen.

400 Systeme in der Praxis

Der erste Schritt zur Rationalisierung der Software-Entwicklung war die Einführung problemorientierter Programmiersprachen. Es fehlte nicht an Bemühungen, weitere methodische und programmtechnische Hilfsmittel zu schaffen. Normierte Programmierung und Entscheidungstabellentechnik waren die erfolgreichsten methodischen Verbesserungen.

Bemerkenswert ist, daß wesentliche Impulse zur Entwicklung und Einführung der Normierten Programmierung und vergleichbarer Verfahren mit anderen Namen von deutschen Software-Häusern ausgingen. Es dauerte recht lange, bis die ersten Preiscompiler und bald auch Generatoren für die Normierte oder Standardisierte Programmierung zur Verfügung standen. Vier Jahre sind derartige Systeme nun im Handel. Zirka 400 dürften in Deutschland installiert sein. Ein beachtlicher Markterfolg gemessen an den Verkaufsziffern anderer Standard-Software. Die Ausbreitung des Normierungs- und Standardisierungsgedankens schien sich nach epidemischen Gesetzen zu vollziehen. Und ein jeder wollte daran teilhaben. Gemäß ihrem schon weiland praktizierten Management by Imitation erfanden andere Software-Produzenten Jahr für Jahr neue Bezeichnungen für die gleiche Sache. Fast jedes größere Software-Haus kann seinem Klienten heute ein eigenes System der Normierten Programmierung samt Generator anbieten. Und jedes neuangekündigte System will als Erweiterung und Verbesserung des bis dato erhältlichen Angebotes verstanden werden. Wozu das alles?

Kann man denn etwa von einer wachsenden Nachfrage für Normierte Programmier-Generatoren sprechen?

Eher das Gegenteil ist der Fall.

Nutzungsgrad: 20 Prozent?

Nur 20 Prozent der installierten Generatoren werden überhaupt verwendet, wenn man einer entsprechenden Untersuchung bei Anwendern Glauben schenken kann. Doch selbst wenn die Nutzungsintensität höher ist, läßt sich ein zunehmendes Unbehagen bei den Anwendern nicht leugnen. Anfängliche Euphorie mußte der ernüchternden Erkenntnis weichen, daß Normierung nicht zwingend Flexibilität bedeutet. Enttäuschend ist vor allem die Unfruchtbarkeit dieser Logiken bei komplexen DV-Anwendungen.

Standardisierung bedeutet im wesentlichen Beschränkung. Grundprinzip sind Verbot im Strukturellen und Gebot im Nominalen. Verbote und Gebote können jedoch nie so angelegt werden, daß sie allen Bedürfnissen dienen können.

Es erscheint heute sehr zweifelhaft, daß eine restriktive Standardisierungsphilosophie der Problematik komplexer Programmstrukturen gerecht wird.

Normierte Sprachverwirrung

Ein großes Übel ist sicherlich die Sprachenvielfalt unter den Normierern. Es kann nicht sinnvoll sein, daß fast jedes System eine eigene Nomenklatur vorschreibt. Langfristig muß dieser Sprachenwirrwarr zu Kommunikationsschwierigkeiten führen.

Wünschenswert wären Systeme, die nicht eine eigene Nomenklatur zwingend vorschreiben, sondern beliebige, zum Beispiel die bei Anwendern vorhandenen und bewährten Nomenklaturen akzeptieren.

Denn es ist kaum zu erwarten, daß sich eine bestimmte Sprache im Markt durchsetzen wird. Daran werden wohl auch DIN-Normen nichts ändern.