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09.11.2001 - 

Gute Noten für Acos-Produkt

Projekt-Management-Tools im Vergleich

MÜNCHEN (CW) - Der Markt für Projekt-Management-Werkzeuge umfasst derzeit rund 90 Produkte. Bei komplexen Vorhaben reduziert sich dieses Spektrum jedoch schnell auf wenige Lösungen. Der Düsseldorfer Projekt-Management-Experte Heinz Wulffen hat sich fünf gängige Systeme unter den Bedingungen aufwändiger Umwelt-Sanierungsmaßnamen angesehen.

Das zur Tool-Auswahl benötigte Anforderungsprofil leitet der Autor aus dem bislang größten deutschen Tagebau-Sanierungsprojekt mit einem Volumen von rund 13,2 Milliarden Mark und über 100 Teilprojekten ab. Typische Aufgaben, die ein Produkt im Bereich zentrales Projekt-Management abdecken sollte, sind demnach unter anderem die Definition von Standard-Ablaufplänen, zeitabhängige Leistungsvergleiche, die revisionssichere Berichterstattung auch über Terminabweichungen sowie die Möglichkeit, Mittel zu planen und aktuell abzurufen. Verglichen wurden die Projekt-Management-Programme "Acos Plus.1 8.2" (Acos PM GmbH, Kamp Linfort), "MS-Project 2000" (Microsoft, Unterschleißheim), "Primavera P3" (Intec GmbH, Landshut), "CA Superproject 5.0" (Computer Associates, Darmstadt) und "Artemis Views" (Artemis GmbH, Ismaning).

Bei seiner Bewertung kommt der Autor zu folgendem Ergebnis:

Acos Plus.1Von allen Produkten ist Acos Plus für die Planung von Sanierungsmaßnahmen am besten geeignet. Auch für andere Einsatzbereiche fällt besonders der interaktive grafische Netzplan positiv auf, der auch in Teilnetzen komplexe Logikprobleme lösen hilft. Die Oberfläche ist sehr gut strukturiert, so dass alle angebotenen Funktionen schnell erreichbar sind. Variable Netzplankästchen und diverse Optionsschalter bei der Platzierung gehören zu den Besonderheiten des Programms.

Alle Ausgaben sind skalierbar, es werden beliebige Formate unterstützt. Die Listenausgabe ist sehr variabel und enthält Rechenfunktionen zur Summierung und Differenzbildung von Kosten und Terminen. Die Darstellung des auch mehrzeilig möglichen Listenteils erlaubt die Gestaltung von zweizeiligen Soll-Ist-Balkenplänen. Es lassen sich beliebig viele voneinander auch unabhängige Verdichtungsebenen darstellen. Für die Zuweisung zeitabhängiger Kosten bieten sich Begleitvorgänge mit dynamischer Dauer an.

Für Anwender, die die umfangreichen Funktionen des Programms nicht benötigen, reicht das einfachere Planungs-Tool "Acos Compact". Für dieses Produkt spricht auch der sehr günstige Preis. Da die Basis zur Plus-Variante kompatibel ist, können Projektdaten leicht mit dem großen Programm zentral zusammengefasst und weiterbearbeitet werden.

Interessant für die Integration in Betriebsdatenmodelle ist der vorhandene ODBC-Treiber zur direkten Einbindung in SQL-Datenbanken. Damit ist auch die Voraussetzung für Web-basiertes Arbeiten in ortsunabhängigen Projektgruppen gegeben.

Acos Plus.1 ist ein Profi-Werkzeug, das auch in komplexen Planungssituationen übersichtlich bleibt und Entscheider darin unterstützt, Kapazitäten und Kosten präzise vorauszuschätzen sowie flexibel und schnell auf Änderungen zu reagieren. Das Produkt bietet spezielle Funktionen für die Multiprojektplanung (Multiprojekt-Ressourcenpool mit automatischer Addition kompletter Netze, projektübergreifende Glättungsrechnung und projektübergreifende Auswertungen).

MS-Project 2000Als Microsoft-Produkt besitzt MS-Project eine ausgereifte Windows-Oberfläche und hat ein grafisch ansprechendes Balkenplan-Layout. Auch die Ressourcenauswertung ist gut; Gang- und Summenlinien können einzeln und als Ressourcengruppen ausgegeben werden. Für die Planer im Projekt-Management weist die Software allerdings funktional wesentliche Schwächen auf. So sind beim Eintragen von Ressourcen nur Raten möglich. Damit ergeben sich immer zeitabhängige Kapazitäten.

Auch das Datenhandling ist sehr schwach ausgeprägt, weshalb professionelle Anwender in der Regel Excel für die Datenbearbeitung verwenden. Treten Konflikte zwischen Kapazitäten und Terminen auf, hat dies einen hohen Suchaufwand nach den Fehlerstellen zur Folge, da die Widersprüche an einer beliebigen Stelle angezeigt werden und nur iterativ durch eine Verfolgung der Ressourcen und Netzplanketten aufgefunden werden können. Dazu bietet Project keine Hilfsmittel an.

Außerdem speichert das Programm nur einen Basisplan mit mehreren Zwischenständen. Der nicht variable Soll-Ist-Vergleich reicht für ein Projekt-Management-System nicht aus. Hinzu kommt, dass es keine Projektstrukturpläne gibt.

Unternehmen, die eine außerordentlich benutzerfreundliche Projektplanungs-Software suchen, mit der sie überwiegend Termine planen sowie die entsprechenden Informationen grafisch aufbereiten möchten, finden in MS-Project das richtige Werkzeug. Eine differenzierende Kosten- und Ressourcenplanung ist mit diesem Programm allerdings nicht zu verwirklichen.

Primavera P3Ein Produkt, das neben Acos zu den professionellen Projekt-Management-Tools zählt, ist Primavera P3. Es erlaubt eine sehr gute Gliederung der Daten nach voneinander unabhängigen Kriterien und kann für die Aufgaben des Multiprojekt-Managements eingesetzt werden. Über ODBC-Treiber ist die Verbindung zu externen Datenbanken möglich. Balkenplanattribute lassen sich beliebig zuordnen, auch die Datensicherheit ist gewährleistet. Eine echte Strukturplandarstellung ist allerdings mit dem Programm nicht möglich. Stattdessen erhält man hierarchisch eingerückte Listen und Balkenpläne.

Primavera gestattet es, bis zu vier Projekte gleichzeitig zu öffnen, falls die Hauptspeichergröße dies zulässt. Sehr praktisch ist die Möglichkeit, mit mehreren gleichzeitig geöffneten Projektfenstern zu arbeiten, in gewohnter Windows-Manier, überlappend oder nebeneinander. Vorgänge lassen sich in einer Tabelle erfassen und bearbeiten, können aber auch direkt erstellt und verändert werden.

Kapazitäten, deren Verfügbarkeit und Preise legt das System in einem speziellen Verzeichnis ab. Neben der für die Kapazitätsnivellierung erforderlichen Festlegung von üblichen und maximalen Verfügbarkeiten einer Ressource lassen sich hier auch Kapazitätsgrenzen in Abhängigkeit von der Arbeitsschicht eingeben. Zudem besteht die Möglichkeit, Kostenzunahmen und -änderungen für maximal sechs aufeinander folgende Zeitintervalle hinweg festzusetzen.

Um den Projektfortschritt zu verfolgen, kann man mit Primavera beliebig viele Basispläne erstellen. Allerdings lässt sich der aktuelle Projektstand mit höchstens zwei anderen Basisplänen gleichzeitig vergleichen. Das System unterstützt bis zu sieben verknüpfbare Auswahlkriterien, die auf vier Ebenen vergeben werden und wie ein immer enger werdendes Sieb wirken: Jede nachfolgende Ebene wählt nur noch aus den Vorgängen aus, die die vorhergehende Ebene passieren durften.

Ein schwerwiegender Nachteil ist die fehlende interaktive Netzplanbearbeitung und die nicht DIN-gerechte Behandlung der Netzplantechnik im Allgemeinen. Auffällig ist auch die sehr langsame Bearbeitungsgeschwindigkeit bei den Ausgaben, die durch die Übergabe der Daten an das Programm-Modul Primavera View bedingt ist. Aus diesem Grund beschränken sich die interaktiven Möglichkeiten in dem wohl programmintern vernetzten Balkenplan. Bestechend sind dagegen die ansprechenden grafischen Ausgaben des Balkenplanes. Insgesamt erscheint die Programmoberfläche jedoch etwas veraltet.

CA Superproject 5.0Die CA-Software ist besonders durch ihre hohe Arbeitsgeschwindigkeit aufgefallen sowie durch den Umstand, dass sich die Funktionen relativ schnell über die Programmoberfläche erschließen. In der Kalenderdefinition, der Eingabe und Rückmeldung von Ressourcenwerten bleiben keine Wünsche offen.

Je nach Kenntnisstand und Aufgabe des Benutzers läuft Superproject in einem Basismodus oder in einem von vier abgestuften Expertenmodi. Im Basismodus werden Felder zur Grundplanung und verkürzte Menüs angezeigt, bestimmte fortgeschrittene Optionen wie beispielsweise das Kostenstellenprofil stehen erst in einem der Expertenmodi zur Verfügung.

Durch die freie Definition von Feldnamen und Feldlängen lassen sich Projekte bedarfsgerecht bearbeiten. Ressourcenkonflikte werden projektübergreifend sichtbar und können durch automatischen Ressourcenausgleich beseitigt werden. Die Möglichkeit, Ressourcen automatisch zu splitten, optimiert die Auslastung und berechnet realitätsnahe Projektdaten.

Superproject erlaubt die Planung, Kontrolle und Auswertung von Fixkosten, variablen sowie Gemein- und Gesamtkosten. Im Profil ist es möglich, Projektzuweisungen nach Kostenstellencodes des Unternehmens zu gruppieren, um bei Bedarf entsprechende Auswertungen vorzunehmen. Daneben wird eine umfassende "Earned-Value-Analyse" unterstützt.

Zur Oberfläche ist anzumerken, dass es sich nicht um eine originäre Windows-Entwicklung handelt. Trotzdem ist eine sehr übersichtliche Balkenplandarstellung möglich. Leider ist das Programm wegen des fehlenden variablen Soll-Ist-Vergleichs nicht für eine fortgesetzte Projektsteuerung geeignet.

Artemis ViewsBei Artemis Views handelt es sich um ein schnelles Planungs-Tool, das auch ein hohes Maß an Anpassungsmöglichkeiten über die zugehörigen INI-Dateien bietet. Leider ist die Programmoberfläche relativ unübersichtlich organisiert, so dass sich dem Anwender die Funktionen nur schwer erschließen. In den grafischen Oberflächen - Netzplan und Balkenplan - zeigte sich, dass die Datensicherheit durch fehlende Abfragen beim Löschen oder Neuerzeugen von Datensätzen nicht gewährleistet ist.

Ein besonderes Merkmal ist die Fähigkeit zur grafischen Selektion, mit der interaktiv Datenmengen markiert und zum Beispiel mit einer bestimmten Ressource versehen werden können. Die Netzplandarstellung selbst ist sehr gewöhnungsbedürftig. Allerdings werden die Typen der Anordnungsbeziehungen - mit absoluten oder prozentualen Zeitabständen - auf den Pfeilen mit dargestellt.

Im Arbeitskalender der Ressourcen sind nur einfache Arbeitsschichten erfassbar; Mehrfachschichten können nicht zugewiesen werden. Neben Personalressourcen werden aber auch verbrauchbare und produzierende Ressourcen unterstützt. Allgemeine Kostensteigerungen lassen sich durch zeitraumbezogene Ressourcen berücksichtigen. Über mathematische Gleichungen, die sich etwa auf unterschiedliche Kostenebenen und Einsatzmitteltabellen beziehen, lassen sich unter anderem Kalkulationszuschläge realisieren.

Obwohl das Programm gute Funktionen für die Projektstrukturierung bietet, fehlt die Möglichkeit der Darstellung oder interaktiven Eingabe im Projektstrukturplan. Dazu müsste zusätzlich die Grafiksoftware "Graneda" angehängt werden. Eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem Reportgenerator hätte sicher auch eine ansprechendere optische Darstellung der grafischen Ausgaben zur Folge. (ue)

MS-Project für komplexe Vorhaben nicht geeignet

Bewertungskriterien / Acos Plus.1 Version 8.2 / MS-Project Version 2000 / Primavera P3 / CA Superproject Version 5.0 / Artemis Views

Windows-Oberfläche / sehr gut / sehr gut / befriedigend / gut / gut

Übernahme von Standardnetzplänen / sehr gut und einfach / gut und einfach / sehr gut und einfach / gut und einfach / gut und einfach

Neuverknüpfung / sehr komfortabel / einfach / einfach / einfach / einfach

Bearbeitungsgeschwindigkeit / sehr gut / gut / befriedigend / sehr gut / sehr gut

Auswertungen (z. B. Balkenplan, Netzplan, Kostendiagramm, Strukturplan) / gut / befriedigend / gut / sehr gut / gut

Variabler Soll-Ist-Vergleich / sehr gut / mangelhaft / sehr gut / mangelhaft / sehr gut

Strukturierungsmöglichkeiten / sehr gut / befriedigend / sehr gut / befriedigend / befriedigend

Grafische Funktionalität (Balkenplan und Netzplan) / sehr gut / gut / befriedigend / gut / gut

QuelleDie hier unter allgemeinen Projekt-Management-Aspekten zusammengefasste Produktbewertung basiert auf Angaben, die Diplomkaufmann Heinz A. Wulffen in seinem Buch "Liegenschaften professionell verwerten" veröffentlicht hat. Der Titel ist jetzt im Luchterhand Verlag erschienen und befasst sich auf rund 700 Seiten ausführlich mit der Planung und Vermarktung von Immobilien, Flächen und Sanierungsobjekten.