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30.05.1980

Projekt-Teams: DV-Spezialisten nur noch zweite Garnitur?

Das derzeitige Unbehagen in der Datenverarbeitung ist nach Ansicht von DV-Chef Klaus Wenke weniger die "vielzitierte Softwarekrise", sondern vielmehr eine Organisationskrise. Bezogen auf die Zusammensetzung eines DV-Projekt-Teams bedeutet dies, so Walter Gaile von der Cannstatter Volksbank in Stuttgart, daß künftig verstärkt Mitarbeiter "mit Durchblick in allen Unternehmensbereichen" dominieren. Mit Kompetenzverlusten könnten vor allem DV-Spezialisten rechnen, die nicht bereit sind, umzudenken. Gaile weiß, daß er inzwischen von nahezu jedem DV-Anbieter die für ein Projekt erforderliche Spezialisten-Power kaufen kann. Damit vermeide er vor allem, die heute mit "hauseigenen Spezialisten" verbundenen finanziellen wie personellen Risiken. Der Stuttgarter ketzert: "Die Bedeutung der DV-Spezialisten innerhalb eines Projekt-Teams ist genauso rückläufig wie die Abhängigkeit der Unternehmen von diesen Spezialisten." ha

Walter Gaile Leiter Organisation und Rechnungswesen, Cannstatter Volksbank AG, Stuttgart (Siemens 7.722, BS1000)

Gehen wir davon aus, daß die EDV eines Unternehmens niemals Selbstzweck sein kann, sondern einzig dazu da ist, das Unternehmen bei der Errichtung seines Unternehmensziels zu unterstützen, so muß sich dies in der installierten Hardware, der zum Einsatz kommenden Software und in der Zusammensetzung des EDV-Teams niederschlagen. Die zeitweise auch heute noch vorhandenen Schwierigkeiten zwischen Fachabteilungen und EDV kommen größtenteils durch Verständigungsschwierigkeiten dieser beiden Betriebsteile untereinander und durch das Unverständnis für die Probleme der anderen Gruppe zustande. Bei Installationen in kleineren Unternehmen, bei denen in einer Person Buchhalter, Organisator, Programmierer und Operator vereint sind, kommen diese Schwierigkeiten nur in sehr geringem Maße vor. Trotzdem oder aus diesem Grund haben die EDV-Installationen gerade in kleineren Betrieben einen hohen und organisatorischen Stand und Durchdringungsgrad.

Bei einem EDV-Team gilt es, den großen Vorteil einer Einmann-Organisation auf die Gruppe zu übertragen. Dies bedeutet, daß in dem EDV-Team mindestens eine Person vorhanden sein muß, die in der Lage ist, beide Seiten des Unternehmens im jeweiligen Bereich (Fachabteilung oder EDV) vertreten und Entscheidungen durchsetzen zu können. Diese Person wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, denn:

1. Der Wettbewerb der EDV-Hersteller verlagert sich von der Hardware auf die Software. Diese Verlagerung wird darin zum Ausdruck kommen, daß der Hersteller (wie ein Unternehmensberater) dem Kunden bei Bedarf das Wissen seiner EDV-Spezialisten gegen Bezahlung für den benötigten Zeitraum oder zur Lösung der anstehenden Aufgabe zur Verfügung stellt. Der Kunde kann also die benötigte Kapazität an Spezialistentum ohne das finanzielle und personelle Risiko, das in hauseigenen Spezialisten liegt, beim Hersteller einkaufen.

2. Die Hersteller werden in Zukunft immer mehr gezwungen sein, beim Verkauf einer EDV-Anlage Standard-Software mitzuliefern.

3. Die Hersteller müssen künftig verstärkt problemorientierte Programmsprachen anbieten, die es dem Anwender ermöglichen, sich einfach und schnell neuen betrieblichen oder marktbezogenen Anforderungen anzupassen.

Diese für den Betrieb veränderten Voraussetzungen müssen sich in der Zusammensetzung des EDV-Teams niederschlagen. Der Programmierer, der vor Jahren noch seine Programme nach Vorgabe programmieren konnte, muß sich heute bereits in die Organisation des Betriebes einarbeiten. Er muß den Programmeinsatz und in vielen Fällen auch die Programmeinführung vorbereiten. Dabei kann er sich nicht mehr allein auf sein Spezialistentum zurückziehen. Dieses Öffnen der Spezialisten des EDV-Bereiches hin zur Organisation und hiermit zum Betrieb, ist um so größer, je kleiner der Betrieb ist. Im gleichen Rahmen wird auch die Dominanz der EDV-Spezialisten im EDV-Team abnehmen und zwar zugunsten von Mitarbeitern, die nicht so hoch spezialisiert sind, aber dafür den Überblick über beide Seiten haben. Dies gilt auch für große EDV-Installationen. Hier können sich zwar die reinen EDV-Spezialisten halten. Wichtiger aber für den Betrieb werden die Verbindungsleute sein.

Wie sollte sich aber nunmehr das optimale EDV-Team zusammensetzen? Diese Frage muß generell von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich beantwortet werden. Ein Faktum gilt jedoch für jedes Unternehmen: Die Bedeutung der DV-Spezialisten innerhalb eines DV-Teams ist genauso rückläufig wie die Abhängigkeit der Unternehmen zu den DV-Spezialisten.

Den reinen DV-Spezialisten kann man für die Zukunft nur zur Flexibilität raten. Sie dürfen sich nicht mehr auf ihr Spezialistentum zurückziehen, sondern müssen sich vor allem verstärkt um die betrieblichen Zusammenhänge kümmern. Dieses Rezept gilt besonders für Leute, die innerhalb der betrieblichen Hierarchie weiter aufsteigen wollen.

Harald Warmers Bereichsleiter EDV, Dr. Carl Hahn GmbH, Düsseldorf

Generell läßt sich die Frage nach der optimalen Zusammensetzung eines DV-Teams mit einem Satz beantworten: Man benötigt eine ausreichende Anzahl sehr guter Fachleute, die sowohl in ihrem, als auch in anderen Bereichen zur Zusammenarbeit bereit sind.

Außerdem spielen einige äußere Faktoren wie Größe und Art des Unternehmens, Größe der eingesetzten EDV-Anlage(n) und nicht zuletzt Art und Umfang der EDV-Anwendungen eine bedeutende Rolle. Betrachten wir im folgenden das DV-Team eines mittleren Unternehmens, das eine EDV-Anlage mittlerer Größe einsetzt und im wesentlichen kaufmännische Probleme löst .

Der EDV-Bereich, der für Produktion und Systementwicklung (nur) eine Leitung haben sollte muß in der Unternehmensstruktur sehr hoch aufgehängt sein, damit er nicht zwischen den Fachabteilungen aufgerieben wird.

Es ist viel darüber diskutiert worden, wem vor allem die Programmierung zugeordnet werden soll, der DV-Organisation oder dem Rechenzentrum - oder ob man sie als selbständige Gruppe behandeln muß. Generell wird man hierfür nicht den Stein der Weisen finden. Unter der Prämisse meines Eingangssatzes sehe ich sie jedoch als selbständige Gruppe im EDV-Bereich, die zwar einen Pool darstellt, aber bei der Entwicklung neuer Projekte schon in einer frühen Phase Mitarbeiter für die Entwicklungszeit in das Projektteam abstellt.

Da in den meisten Firmen der Änderungsumfang an bestehenden Systemen mehr als 50 Prozent beträgt, sehe ich es als optimal an, wenn neben der reinen Anwendungsprogrammierung eine Gruppe von Organisationsprogrammierern besteht, die nur für die Wartung der Systeme zuständig ist. Dadurch erreicht man zweierlei: Die Neuentwicklung von Systemen wird nicht durch ständige Änderungen gestört. Sie bekommt somit keine Terminprobleme, und es werden weniger Änderungen durchgeführt, denn anderenfalls besteht leicht die Gefahr, daß der EDV-Organisator oder Systemanalytiker (vor allem um "Lorbeeren zu ernten") der Fachabteilung zu weit entgegenkommt. Die Arbeit wird dann auf seinen "Erfüllungsgehilfen", dem Programmierer, abgewälzt.

Daß der Systemanalytiker nicht nur sein Fach, sondern auch die Programmierung beherrscht, sei vorausgesetzt. Er muß weiterhin aber auch große Teile der Arbeiten der Fachbereiche kennen. Hier beginnen die eigentlichen Schwierigkeiten: Wenige DV-Spezialisten stehen vielen Fachabteilungen gegenüber. Optimal wäre es, für jeden Fachbereich, zwei Systemanalytiker zur Verfügung zu haben, damit wenigstens der eine. einspringen kann, wenn der andere ausfällt.

Doch dies ist in den meisten Fällen nur Theorie. Deswegen müssen wir neben dem Spezialisten im EDV-Bereich auch in der Fachabteilung einen Gesprächspartner mit guten EDV-Kenntnissen haben, der zwar nicht full-time mit und für die EDV arbeitet, jedoch als kompetenter Gesprächspartner bei Bedarf zur Verfügung steht.

Klaus Wenke Prokurist und Leiter der Datenverarbeitung, Martin Brinkmann AG, Bremen (IBM 3032, MVS)

Die Frage nach der idealen Zusammensetzung eines Projektteams zeigt, daß sich offenbar nicht alle Probleme durch Softwaretechnologie lösen lassen. Sie deutet darauf hin, daß das Unbehagen an der Datenverarbeitung vielleicht doch nicht die viel zitierte Softwarekrise, sondern eine Organisationskrise ist.

Das Verhältnis der Fachabteilung zur Datenverarbeitung ist geprägt durch eine fortgesetzte Überforderung der Datenverarbeitung. Mit anderen Worten, von dem ständigen Sieg der Hoffnung über die Erfahrung.

Wenn wir diesen Zustand beenden wollen, dann ist das nur möglich, wenn gläubige Hoffnung durch Vernunft ersetzt wird. Vernünftiges Handeln setzt Wissen voraus - nicht nur das Fachwissen über ein Anwendungsgebiet, sondern auch organisatorisches und informationstechnisches Wissen.

Viele Unternehmen stehen vor einem revolutionären Wandel aller informationsbezogenen Tätigkeiten. Fast jeder Büroarbeitsplatz ist betroffen. Geschlossene Warenwirtschaftssysteme und neue Kommunikationstechnologien werden im Vertrieb Umwälzungen verursachen. Die Gewerkschaften beginnen die gesellschaftlichen Auswirkungen der Informationstechnologie zu erkennen und neue Arbeitszeitmodelle zu entwickeln. Der Staat versucht angesichts der Informatisierung der Gesellschaft der Herausforderung durch Ansätze eines neuen Informationsrechts, einer Medienpolitik und gezielter Förderungsmaßnahmen zu begegnen. In den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen herrscht wie in den alten betriebswirtschaftlichen Lehrbüchern dennoch die klassische Ressortaufteilung vor. Informatikkenntnisse bezieht man aus zweiter Hand wenn man es nicht vorzieht, der Problemen ganz aus dem Wege zu gehen.

Was hat das alles mit der idealen Besetzung eines Projektteams zu tun? Es hat zunächst nur etwas mit der Frage zu tun, mit welchen Projekten wir es in nächster Zeit zu tun haben. In den 50er Jahren ging es vorwiegend darum, aus ein paar Lochkarten für einen Sachbearbeiter eine Liste zu produzieren.

In den 70er Jahren ging es um Informationssysteme einer Fachabteilung, die ohne Fachkönner und Promotoren des Fachbereiches nicht gediehen. In den 80er Jahren wird es um die informationstechnische Infrastruktur der Unternehmen als Ganzes gehen. Informationsverarbeitung und Kommunikation jeder Art verschmelzen miteinander, Daten- und Textverarbeitung werden mit den gleichen Apparaten abgewickelt, öffentliche Netze werden mit betriebsinternen Leitungssystemen verkoppelt. Sprache, Bild und Gedrucktes rücken in enge Nachbarschaft. All das dient einer größeren Effizienz der Organisation. Eine effiziente Organisation soll dem Unternehmen mehr Handlungsspielraum schaffen, um auf Veränderungen in seiner Umwelt reagieren zu können. Effizienz einer Organisation bedeutet also Verbesserung der Reaktionsfähigkeit auf äußere Ereignisse.

Rechtzeitige Information und ausreichende Kommunikation werden in Zukunft das halbe Geschäft ausmachen. Für derartige Aufgaben wünsche ich mir Organisatoren und Datenverarbeiter mit hervorragenden Kenntnissen, viel Herz, Phantasie und Elan, einen weitschauenden unabhängigen Betriebsrat und einen engagierten Unternehmer, der sowohl Fach- als auch Machtpromotor in einer Person ist.

Die Rolle der Fachabteilungen? Sie müssen sicher in Detailfragen konsultiert werden. Man vergesse aber nie, daß sie das Unternehmen immer nur in einem sehr verengten Blickwinkel sehen und daß bei ihnen eigene Wünsche vor denen des Gesamtunternehmens rangieren, die in den nächsten Jahren im Vordergrund stehen sollten. Und schließlich nützen alles Können und alle Kenntnisse nichts, wenn ausreichende Mittel fehlen und es so zugeht, wie in der Apostelgeschichte 19,32 beschrieben: "Etliche schrien so, etliche ein anderes, und die Gemeinde war irre, und die meisten wußten nicht, warum sie zusammengekommen waren."