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16.12.1994

Projekte bei Sun, IBM, HP und DEC Hersteller auf der Suche nach offenem System-Management

MUENCHEN (gfh) - Offene und verteilte Systeme sind weit schwieriger zu verwalten als Mainframe-Umgebungen mit dummen Terminals. Doch das Wettrennen um Anteile in diesem Riesenmarkt hat erst begonnen. Im kommenden Jahr sollen Projekte von Sunsoft ("Solstice" und "Encompass"), IBM ("Karat") und HP ("Tornado" und "Synergy") abgeschlossen werden. Am schnellsten scheint jedoch Digital Equipment mit der Windows-NT-Umgebung "Polycenter Asset Works" reagiert zu haben.

Noch in diesem Jahr will DEC mit Asset Works auf den Markt kommen. Dabei faehrt das Unternehmen voll auf Microsoft-Kurs. Die Management-Umgebung beruht auf dem Systems Management Server (SMS) der Gates-Company und laeuft auf Windows-NT-Workstations mit Intel oder Alpha-Architektur. Verwaltet werden neben Microsoft- und DEC- Systemplattformen aber auch die Unix-Derivate von Sunsoft, IBM und HP.

Das DEC-Produkt unterstuetzt den SMS vor allem bei der Erstellung von vordefinierten Reports ueber den Softwarebestand und den Status von Betriebssystem-Jobs. Konsolidiert werden die Daten in einer SQL-Datenbank. Als SMS-Clients kommen DOS, Windows, NT, OS/2 und das Mac-Betriebssystem in Frage.

Ergaenzt wird Asset Works um den "Polycenter Manager on Netview", einer Gemeinschaftsentwicklung von IBM und DEC. Beide Produkte sollen im Peer-to-peer-Verfahren kooperieren. Das Entwickler-Kit fuer dieses Netzwerk-Management-System steht laut Hersteller unmittelbar vor der Auslieferung. Eingebunden wird das System- Management-Angebot von Digital Equipment in das Mitte November vorgestellte Dienstleistungskonzept "Software Utility", das den Anwendern vor allem helfen soll, die richtigen Werkzeuge fuer ihren Bedarf zu finden.

Sunsoft: Solstice und Encompass

Bei Solstice von Sunsoft handelt es sich nach Informationen der CW-Schwesterpublikation "Network World" um ein integriertes Netz- und System-Management-Werkzeug, das bereits Anfang 1995 vorgestellt werden soll. Es ist ein Rahmenwerk, das bereits vorhandene und noch im Entstehen befindliche Techniken integriert. So soll es mit Hilfe von Solstice moeglich sein, unter der abteilungsorientierten Netz-Manager-Software "Sunnet" und der im Rahmen des Encompass-Projekts entstehenden unternehmensweiten und objektorientierten Management-Plattform sowohl Tools zur Verwaltung verteilter Anwendungen als auch Netz-Tools einzusetzen.

Sowohl Encompass als auch Sunnet holen sich die fuer das System- Management noetigen Information von einem gemeinsamen verteilten Daten-Repository, dem Management Information Server (MIS). Dieses wie Encompass urspruenglich von der Net Labs Inc. stammende Produkt ist laut Sunsoft die Schluesselkomponente von Encompass. Es enthaelt C++-Objekte, die die zu verwaltenden Ressourcen repraesentieren. Muessen diese manipuliert werden, so reicht es, die Objekte zu aktivieren.

Das Repository-Konzept gilt laut "Network World" allerdings nur als Uebergangsloesung, bis der Informationsfluss ueber das objektorientierte Messaging-System Common Object Request Broker Architecture (Corba) abgewikkelt werden kann.

Ueber Encompass geht Soltice insofern hinaus, als auch die Plattformen anderer Hersteller, darunter Microsofts NT, einbezogen werden.

Analysten zweifeln, ob Sunsoft mit seinem Konzept den Vorsprung aufholen kann, den sich die IBM und HP mit aehnlich gelagerten Projekten herausgearbeitet haben.

Big Blues Karat-Projekt

Zur Zeit bietet die IBM mit "Systemview" einzelne System- Management-Loesungen fuer verschiedene Plattformen an. Unter der Codebezeichnung Karat wird jedoch fieberhaft an einem einheitlichen Toolset gearbeitet.

Als Schluesseltechnologie nennt ein IBM-White-Paper das System Object Model (SOM), die IBM-eigene Implementation des objektorientierten Messaging-Standards Corba. SOM* soll vor allem die Zusammenarbeit zwischen Anwendungen verschiedener Hersteller gewaehrleisten. Allerdings schraenkt die IBM ihr Bekenntnis zur Unterstuetzung von Fremdsystemen immer wieder durch das Attribut "moeglicherweise" ein. Wichtigste Bedingung ist, dass der Drittanbieter die Version 2 von Corba implementiert hat, die das Messaging-System herstellerunabhaengig macht.

Den Kern von Karat bildet ein Buendel von uebergreifenden System- Management-Services, die - wie es heisst - auf anerkannten Industriestandards beruhen. Das White Paper nennt "Topologie Services" e la Netview, "Problem Services", mit denen Anwendungen in die Lage versetzt werden sollen, auf Fehlermeldungen zu reagieren, sowie "Configuration Services". Alle diese Funktionen sollen bei Karat in Form von Objektklassen vorliegen.

In die Services integriert werden Management-Anwendungen, die auf jedem System des unternehmensweiten Netzes in gleicher Weise funktionieren sollen. Hierbei denkt die IBM an das gesamte Spektrum der Funktionen vom Sicherheits- und Daten-Management ueber Softwaredistribution, Monitoring und Auslastungsplanung bis zu Konfigurationsaufgaben und Fehlerbeseitigung.

Ausserdem entsteht derzeit eine einheitliche Benutzerschnittstelle fuer Karat. Erste Produkte fuer das IBM-Unix AIX sind noch fuer dieses Jahr geplant. 1995 sollen die OS/2-Varianten folgen.

Fuer die anschliessende Phase zwei, die im Laufe des naechsten Jahres beendet werden soll, ist die Einfuehrung der objektorientierten Architektur und der Anwendungsobjekte vorgesehen. Deren Aufgabe ist es, Funktionen und Daten zu integrieren. Herkoemmliche prozedurale Programme sollen zwar weiterhin einsetzbar bleiben, jedoch bis 1996 ersetzt oder durch Einkapselung in grosse Objekte verwandelt werden.

HP: Tornado und Synergy

Auch HP arbeitet derzeit an einem umfassenden System Management- Projekt, dessen erster Teil mit der Codebezeichnung Tornado im naechsten Jahr abgeschlossen sein soll. Soviel vom Hersteller zu erfahren war, geht es dabei um eine Management-Umgebung auf Basis des Distributed Computing Environment (DCE) vom Open-Systems- Konsortium OSF.

Tornado ist Teil von HPs Openview-Konzept und arbeitet mit sogenannten Smart Agents, die sich dadurch auszeichnen, dass sie erst aktiv werden, wenn tatsaechlich Probleme auftauchen. Dadurch belasten sie das System weniger, als es bei herkoemmlichen Monitoring-Verfahren der Fall ist.

Ein weiterer Bestandteil von Tornado ist das "Nerve-Center" von Netlabs. Diese regelbasierte Technik ermoeglicht es, Fehlermeldungen verschiedener Anwendungen so miteinander in Beziehung zu setzen und zu filtern, dass dem Netz-Manager aufbereitete Informationen zur Entscheidungsfindung vorgelegt werden koennen.

Objektorientiertes System-Management ist bei Tornado noch nicht vorgesehen. Deren Einfuehrung ist Gegenstand des Synergy-Projekts. Wie von HP zu erfahren war, soll es wie IBMs Karat dem Corba-2- Spezifikationen entsprechen.

*Die IBM-Sprachregelung schliesst in SOM auch die verteilte Variante Distributed System Object Model (DSOM) ein.

System-Management

Beim System-Management geht es im Kern darum, eine DV-Umgebung moeglichst vollstaendig zu ueberwachen, um bei Problemen oder zu Optimierungszwecken eingreifen zu koennen. Dabei wird haeufig das Netz- vom System-Management unterschieden. Im ersten Fall werden vor allem physikalische Netzkomponenten wie Server, Knoten, Endgeraete und Kabel verwaltet, waehrend das System-Management in der Regel beim Betriebssystem und systemnaher Software wie Datenbanken ansetzt und bis zu PC-Anwendungen reicht. Schluesseltechniken fuer beide Varianten sind heute sogenannte Smart Agents, Softwaremodule, die durch eine vordefinierte Situation (Fehlfunktionen, Ueberlast etc.) aktiviert werden, um dann entweder eine Meldung an den Systemverantwortlichen zu senden oder selbst aktiv zu werden. Von zentraler Bedeutung sind auch Uebertragungs- beziehungsweise Messaging-Techniken das Distributed Computing Environment (DCE) oder die Common Object Request Broker Architecture (Corba), die in der Grauzone zwischen Netz- und System-Management anzusiedeln sind. Mit Hilfe dieser Techniken soll sowohl der operative Betrieb als auch die Verwaltung von heterogenen Systemen durch einheitliche Konventionen vereinfacht werden.