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21.04.1995

Projektergebnisse entsprachen nicht den Vereinbarungen US-Ingenieurfirma UOP verklagt die Andersen Consulting Corp.

FRAMINGHAM (IDG) - Die UOP, die hauptsaechlich Technologie fuer Oelraffinerien entwickelt, hat den US-Berater Andersen Consulting Corp. wegen Nichteinhaltung eines Vertrages verklagt. Das Ergebnis der geleisteten Arbeit stehe in keinem Verhaeltnis zu den anfangs gemachten Versprechen der Berater, moniert das Anwenderunternehmen.

Gegenstand der gerichtlichen Auseinandersetzung - Streitwert 100 Millionen Dollar - ist ein Projekt, in dem sich Andersen um die Optimierung der technischen Beschreibung und der Kosteneinschaetzung kuemmern sollte. Ausserdem war eine Reihe von Client-Server-Applikationen zu entwickeln. "Der Unterschied zwischen dem, was Andersen uns am Anfang versprochen hat, und dem, was tatsaechlich geliefert wurde, ist schwindelerregend", beschwert sich UOP-President und Chief Executive Officer Michael Winfield nach drei Jahren Projektlaufzeit.

Die Unternehmensberater erklaerten, kurz nachdem die Klage eingereicht worden war, die Vorwuerfe fuer "voellig gegenstandslos". Auf Anfrage der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" weigerte sich Andersen USA jedoch, zu Einzelheiten Stellung zu beziehen. Gegenueber der COMPUTERWOCHE bestaetigte eine Sprecherin der deutschen Niederlassung den gerichtsnotorischen Streit. Die 1991 begonnene Zusammenarbeit sei 1993 auf Betreiben der UOP beendet worden, bevor das Projekt abgeschlossen werden konnte. Die Motive fuer die Klage seien unklar, zumal UOP saemtliche bis zum Ende der Beziehung aufgelaufenen Honorarforderungen - immerhin "mehrere Millionen Dollar" - beglichen habe.

Bei aussenstehenden Beobachtern muss der Bericht der UOP ueber die Arbeit mit Andersen diverse Warnsignale aufleuchten lassen. "Von Anfang an waren wir nicht an dem Entwicklungsprozess beteiligt", erklaert beispielsweise Eugene Schmelzer, Director Support Systems der Ingenieurfirma. "Andersen hielt uns auf Abstand und bestand darauf, fuer die Konzeption und Software-Entwicklung eigene Mitarbeiter einzusetzen." Ebenfalls problematisch war, dass der Berater unerfahrene Leute mit dem Projekt betraute, die, so die Klageschrift der UOP, schliesslich unvollstaendige, fehlerhafte und weitgehend unbrauchbare Systeme ablieferten. "Viele der Softwaremodule, die sie an uns uebergaben, waren so unvollstaendig, dass wir sie nicht einmal testen konnten", erlaeutert Schmelzer. Die Art der Codierung machte es unmoeglich, die Software langfristig zu warten." Trotzdem soll Andersen in seinen Statusmeldungen berichtet haben, dass alles nach Plan verlaufe, beschwert sich die UOP.

Einige der ebenfalls kontaktierten ehemaligen Klienten des Beratungshauses zeigten sich ueber die Klagepunkte nicht sonderlich ueberrascht - das gilt laut "Computerworld" insbesondere fuer den Vorwurf, unerfahrene Berater eingesetzt zu haben. "Berater und Dienstleister leben zu 100 Prozent von der Qualitaet ihrer Mitarbeiter. Das gleiche Haus kann mit einer Mannschaft in New York sehr erfolgreich sein, aber mit einem anderen Team in Los Angeles ein absolutes Desaster anrichten", meinte der leitende Angestellte eines Andersen-Konkurrenten, der ungenannt bleiben will. "Im Prinzip unterschreibt Andersen einen Vertrag und bringt dann viele Greenhorns in das Projekt, so dass man nicht unbedingt die Qualifikation und das Fachwissen bekommt, das man erwartet", erklaert der Manager einer Gesundheitsorganisation, die unter Andersen-Beteiligung ein grosses Re-Engineering-Projekt durchgefuehrt hat. Auch dieser Mann wollte sich nicht namentlich zitieren lassen.

Andere Kunden gaben an, dass ungeplante Projektverlaengerungen bei den verklagten Beratern gang und gaebe seien.

Auch die US-Bank First Union Corp. in Charlotte, North Carolina, hatte Schwierigkeiten mit Andersen. Im September 1994 wurden die Consultants beauftragt, die Federfuehrung fuer den Aufbau eines Call-Centers zu uebernehmen. Die Bank beendete das auf sechs Millionen Dollar veranschlagte Projekt bereits nach der ersten Phase im Maerz dieses Jahres, weil "es ein Kampf gewesen waere, die Arbeit abzuschliessen", berichtet Judge Fowler, Senior Vice- President des Geldinstituts und Director Systems Development. Laut Fowler hat Andersen die Initiative nicht "mit der notwendigen Projektdisziplin" gemanagt. Allerdings raeumt er ein, dass auch die First Union einen Teil der Schuld fuer den schwachen Projektstart traegt. Ausserdem sei eine Re-Engineering-Aufgabe in einem anderen Bereich der First Union von Andersen zufriedenstellend geloest worden. "Wir haben gelernt, dass Projekte dann danebengehen, wenn man sie von Dritten managen laesst", resuemiert Fowler.