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14.02.1975

Projektmanagement-Rechnerverbundsystme- Facilities Management Gegen den Kostendruck mit neuen Dienstleistungen

Exklusiv für CW von Heinz Weiler

MÜNCHEN - Die gegenwärtige Wirtschaftslage in der Bundesrepublik Deutschland stellt eigentlich eine Herausforderung für die Software-Branche in bezug auf neue Produkte und Dienstleistungen dar. Denn erschwerte wirtschaftliche Bedingungen und erhöhter Kostendruck haben schon immer leistungssteigernde und kostenreduzierende Dienstleistungen leichter auf dem Markt durchsetzbar gemacht. Immer häufiger ist zu hören, daß Anwender mit Hardware ausreichend eingedeckt sind und nun daran denken, die verfügbaren Anlagen gezielter und effektiver einzusetzen. Die erforderliche sorgfältige Planung und die Software sind auch heute noch Engpässe in der Datenverarbeitung.

Zur Begegnung dieser Herausforderung gehört die Kenntnis und die Verwendung des letzten Standes der Technik auf dem EDV-Sektor, das heißt die Nutzung erprobter und bekannter internationaler Technologien unter Prüfung ihrer Eignung und notwendiger Anpassungsmaßnahmen für die spezifischen Bedürfnisse deutscher Anwender. Solche Kosten-/Nutzenbetrachtungen sollten mit positiver Einstellung vorgenommen werden. Denn eine unkritische Übernahme kann ebenso schädlich sein wie blindes Ablehnen.

Die EDV-Technologie ist nun einmal international und die meisten technischen Bereiche sind international und national anwendbar.

Dies gilt beispielsweise auch für die relativ neuen Dienstleistungsbereiche Projektmanagement, Rechnerverbundsysteme und Facilities Management.

Projektmanagement spart Zeit und Kosten

Neben den technischen Qualifikationen und Kapazitäten ist die Anwendung von erprobten und angepaßten (branchen- und kundenspezifisch) Projektmanagement-Methoden (manuell, automatisiert oder kombiniert) eine gleichwertige Voraussetzung, um EDV-Systeme richtig planen und realisieren zu können. Noch 1970 wurde vielfach die Meinung vertreten, daß dieses Instrument zwar gut aber nicht unbedingt erforderlich sei. Argumente wie "nicht einführbar... Einschränkung der Kreativität. . . überzogene Overheads . . . psychologische Gründe etc." waren an der Tagesordnung, obwohl anhand mehrerer Projekte und der dabei entstandenen Kosten bereits zu diesem Zeitpunkt das Gegenteil bewiesen war - auch in Europa. Heute ist Projektmanagement ein allgemein anerkannter, vielversprechender Service, mit dem Systeme termin-, kosten- und leistungsgerecht geplant, überwacht, gewartet und erweitert werden können. Die Einschwingungszeit für diese Technik mit Euphorie und Ernüchterung ist jedoch sicherlich noch nicht abgeschlossen.

Trotz erheblicher emotioneller Hindernisse wurde in Deutschland nur eine Verzogerung bewirkt. Bei kritischer Betrachtung und richtiger Anpassung wäre ein stärkerer Einsatz des Projektmanagement auch in der Bundesrepublik schon froher möglich gewesen.

Internationales Know-how nutzen

Rechnerverbundsysteme wurden erstmals etwa 1966 in die Praxis umgesetzt. Heute kann man auf eine breite Erfahrungsbasis zurückgreifen, wenn auch Standard-Problemlösungen noch nicht vorliegen.

Jedes einzelne zu planende Verbundsystem bringt spefische Anforderungen und Probleme mit sich. Jedoch sind diese oft komplexen Systeme bereits geübte Praxis, und umfangreiche Erfahrungen sind international verfügbar. Leider scheinen entsprechende Vorhaben nicht immer davon profitieren zu wollen und versuchen, mit bereits gehabter Argumentation eine "Neuerfindung" nachzuvollziehen. Das Thema wird überwiegend sehr akademisch behandelt. In der Regel muß die Bundespost mit ihren Gebühren als Begründung herhalten, warum Rechnerverbundsysteme in Deutschland nicht oder nur schwierig einzuführen seien. Hauptargument der potentiellen Auftraggeber: "bei uns ist alles anders". Selbstverständlich ist es anders, aber in keinem Land sind ideale oder insgesamt bessere Voraussetzungen gegeben. Meistens werden hierzulande ausgerechnet die Kriterien genannt, die in Deutschland nicht zutreffen.

"Bei uns ist alles anders"

Es wird übersehen, daß es einige, wenn auch zu wenige Ansätze und Planungen für Rechnerverbundsysteme bereits gibt. Leider werden untereinander kaum Erfahrungen ausgetauscht.ln drei bis vier Jahren werden solche Systeme ein für jedermann akzeptables Thema sein und das Problem wird sich auf die wesentlichen Fragen konzentrieren, wie zum Beispiel

- Erfassung der Anforderungskriterien der Benutzer

- Prozentsatz der gemeinsam erforderlichen Übereinstimmung für einen erfolgreichen Projektbeginn

- Finanzlerungsvorleistungen

- erforderlicher Planungsaufwand

- zu realisierende Teilbereiche

- Änderungsdienst

- psychologische Momente

- Verwendbarkeit von Standard-Software

- Kosten/Nutzen-Fragen und vieles mehr.

Es sei noch darauf hingewiesen, daß durch eine ausgewogene Systemauslegung eine Senkung der Leitungskostenanteile erreicht werden kann (Simulation). Bestehende Systeme beweisen das. Trotzdem scheint man bei vielen Vorhaben vorhandene Erfahrungen und bekannte Techniken nicht auszuschöpfen. Teilweise wird der Planungsaufwand negiert oder aus Kostengründen reduziert und abgelehnt, werden Gerätebeschaffungen dennoch und zu früh vorgenommen. Anwenderprofile werden ohne stichhaltigen Grund nicht erstellt, woraus bekanntlich die grundsätzlichen Systemauslegungskriterien abzuleiten sind. Ohne diese, unabhängig vom Detaillierungsgrad, sind Rechnerverbundsysteme nicht realisierbar.

Aus Fehlern lernen

Bekannte Fehlplanungen in den USA scheinen wiederholt zu werden, - vergleiche das Projekt WWMCCS des US-Militärs, dessen Vereinheitlichung und Koppelung Kosten in Höhe von Neuentwicklungen verursacht. Der Vollständigkeit halber sei in diesem Zusammenhang noch auf die möglichen Funktionen sogenannter Vermittlungsrechner hingewiesen. Auch diese Aufgaben und die dafür erforderliche System-Software sind in der Praxis schon weitgehend erprobt. Einige EWG-Staaten bemühen sich gegenwärtig mit Erfolg, das Problem "Rechnerverbundsysteme" in den Griff zu bekommen und, dem internationalen Stand der Technik entsprechend, den eigenen Verhältnissen anzupassen.

Facilities Management

Angsesichts der heutigen Kosten und Personal-Situation wäre es für Anwender überlegenswert, ihr Rechenzentrum als Dienstleistungsbetrieb durch ein Software-Unternehmen betreiben zu lassen, statt in eine eigene kostspielige EDV-Abteilung mit Rechenzentrum zu investieren. Die NASA führte das sogenannte Facilities Management schon 1965/66 mit Erfolg ein. Diese Dienstleistung kommt sicher nur für eine kleinere Zahl von Anwendern in Frage. Den Durchsatz des Facilities Management verhindern in erster Linie psychologische und arbeitssoziale Probleme. Erfahrungen zeigen jedoch, daß diese Schwierigkeiten sich nach der Umstellung bei richtiger und transparenter Vorbereitung schnell von selbst beseitigt haben. In Deutschland fehlen noch geeignete Pilot-Anwendungen. In den USA allerdings sind inzwischen sogar Behörden für das Facilities Management gewonnen worden.

Geförderte "Nacherfindungen"

Die EDV-Technologie ist International. Sorgfältige Überprüfung und Anpassung anwendbarer Technologien, sowie die Bereitschaft, den neuesten Stand der Technik zu verfolgen, sind das Gebot einer wirtschaftlichen Weiterentwicklung.

Es wäre auch eine Aufgabe des staatlichen DV-Förder programms, auf neue Technologien einzugehen und nicht international Bekanntes und Bewährtes mit Fördergeldern "nacherfinden" zu lassen. Außerdem sollte geprüft werden, inwieweit ein Konsortium mit Zugriff zu diesen internationalen Techniken nicht erfolgreicher und wirtschaftlicher eingesetzt werden könnte. Erfolgreiche Projekte in England und Frankreich beweisen die Richtigkeit solcher Maßnahmen. Der Aussage "sometimes it pays not to be the first" kann noch immer zugestimmt werden. Jedoch handelt es sich bei den aufgeführten Dienstleistungen nicht um Pionieranwendungen, sondern um Bereiche, über die seit Jahren Erfahrungen vorliegen.

Es könnte teuer werden, wenn das Know-how zu spät und nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprechend auf dem deutschen Markt eingeführt würde.

Heinz Weiler ist Vertriebsleiter eines internationalen Software-Hauses.