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08.01.1999 - 

Jahresrückblick, Teil 2/Kommen und Gehen nicht immer ganz geräuschlos

Prominenz 1998: Sag beim Abschied leise servus

Selbst Unternehmensgründer sind vor unrühmlichen Abgängen nicht gefeit: 1998 traf es Jan Baan vom niederländischen SAP- Rivalen Baan. Auf eigenen Wunsch und ohne Not gab dagegen Dietmar Hopp beim Walldorfer Softwareriesen das Ruder aus der Hand. Freiwillig ging auch Intel-CEO Andrew Grove. Mehr als zufrieden - dank fürstlicher Abfindung - verabschiedete sich DEC-Chef Robert Palmer nach der Übernahme durch Compaq. Beate Kneuse wirft einige Spotlights auf die Aus-, Ab- und Aufsteiger der Branche.

Erst brachen die Gewinne ein, dann die Aktienkurse, und schließlich machte die US-amerikanische Börsenaufsicht wegen zwielichtiger Bilanzierungspraktiken aufgrund des undurchsichtigen Firmengeflechts mobil: Das alles war zuviel für Baan-Gründer Jan Baan. Im Juli warf der 52jährige Pietist auf Druck der Anleger das Handtuch und zog sich in den Aufsichtsrat zurück. Seinen Platz als Chairman, Chief Executive Officer und President nahm Tom Tinsley ein, der Baan seit 1995 als Vorstandsmitglied unterstützt hatte. Für Baan, der das Unternehmen 1978 zusammen mit seinem Bruder Klaus gegründet hatte, ging damit eine glanzvolle Karriere zu Ende. Gerade in den vergangenen Jahren war sein Unternehmen einer der Börsenlieblinge gewesen, hatte zum Teil 70prozentige Wachstumsraten eingefahren und für manche Nervosität bei SAP, der unbestrittenen Nummer eins im Weltmarkt für betriebswirtschaftliche Standardsoftware, gesorgt. Denn auf seine Programme greift gerade der Mittelstand aufgrund der kürzeren Implementierungszeit und einfacheren Bedienbarkeit gern zurück.

Doch Jan Baan unterlag letztlich der Versuchung, dem Marktführer das Wasser abgraben zu wollen. Von diesem tückischen Virus wurden auch schon so prominente Leute wie Borland-Macher Philippe Kahn - er wollte unbedingt Microsoft ausstechen - befallen, was ihn den Job und sein Unternehmen, das sich heute Inprise nennt, fast die Existenz kostete. Auch Baan kaufte an Unternehmen und Produkten zusammen, was nur machbar war - und hat sich damit tüchtig verzettelt. Das Unternehmen gleicht einem Gemischtwarenladen; die Produkte sowie Service und Support, so monieren zunehmend verärgerte Kunden und Geschäftspartner, verlören an Qualität.

Die Quittung erhielten die Niederländer, denen zuletzt noch die abflauende Konjunktur und die Krisen an den Aktienmärkten in die Quere kamen, schließlich Ende September: Das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahrs schlossen sie mit einem Verlust von rund 30 Millionen Dollar ab; für die ersten neun Monate beläuft sich das Minus auf 12,5 Millionen Dollar. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte der ERP-(Enterprise Resource Planning- )Spezialist noch einen Gewinn von 48 Millionen Dollar präsentiert. Zudem hat der einstige Highflyer seit April drei Viertel seines Börsenwerts eingebüßt. Last, but not least zogen amerikanische Aktionäre mit der Klage vor Gericht, Baan habe nicht rechtzeitig über die finanzielle Situation informiert.

Für Baan-Chef Tinsley wird es ein hartes Stück Arbeit, den SAP- Rivalen wieder auf Kurs zu bringen - und das in Zeiten, da nach Ansicht der Analysten die glorreichen Jahre für die gesamte ERP- Anbieterschar vorbei sind. Zunächst soll eine umfassende Reorganisation, für die 110 Millionen Dollar bereitgestellt werden, die Wende hin zum Guten bringen. Und natürlich Entlassungen: Jeder fünfte Mitarbeiter der derzeit 6000 Beschäftigten steht zur Disposition. Glücklich über diese Entwicklung dürfte auch Jürgen Richter nicht sein. Der 40jährige übernahm im Mai in Hannover die Geschäftsleitung von Baan Deutschland und hat seinen Teil zur Schadensbegrenzung beizutragen.

Den 25. Geburtstag seiner SAP im vergangenen Jahr hatte er als Vorstandschef unbedingt noch mitnehmen wollen. Schließlich war es Anfang der 70er Jahre Dietmar Hopp gewesen, der den sicheren Job bei IBM mit dem Abenteuer der Selbständigkeit tauschte und ein paar Kollegen dazu überreden konnte, es ihm gleichzutun - und mit diesen die Systemanalyse Programmentwicklung aus der Taufe hob. Das Ergebnis ist bekannt: Heute ist die SAP AG eine Sechs- Milliarden-Company und Weltmarktführer bei betriebswirtschaftlicher Standardsoftware.

Spätestens nach Abschluß aller Gratulationen, Festreden und Feierlichkeiten dürfte sich der 57jährige über die weitere Entwicklung seines Unternehmens Gedanken gemacht haben. Bei seiner Bekanntgabe Anfang des Jahres, er werde den Vorstandssitz im Mai räumen und in den Aufsichtsrat gehen, erklärte Hopp nämlich: "Unternehmenskrisen werden nicht selten durch einen verspäteten oder schlecht gemanagten Führungswechsel ausgelöst." Und auch auf SAP warten in den kommenden Jahren nicht wenige Herausforderungen, wenn die Nachfrage für ERP-Software tatsächlich weiter schrumpft, wie es die Auguren prophezeien. Dazu braucht es frische Leute mit Mut zur Veränderung.

In der Tat erfolgte der Wechsel an der SAP-Spitze, dem sich auch Mitbegründer und Vorstandsmitglied Klaus Tschira anschloß und ebenfalls einen Platz im Aufsichtsrat einnahm, geräuschlos. Ganz so, wie es sich Hopp gewünscht hatte. Dafür aber war das Feld zuvor auch gut bestellt worden. Denn neben Hopps Vorstandspendant und Mitbegründer Hasso Plattner war in den vergangenen Jahren zunehmend Henning Kagermann ins Rampenlicht getreten. Der 50jährige war 1991 in die SAP-Führungsriege aufgestiegen und zuletzt für die Produkte Finanz- und Rechnungs- wesen zuständig gewesen. Komplettiert wird die Vorstandschaft nunmehr durch Claus Heinrich, Gerhard Oswald und Peter Zenke. Ihnen allen schaut Rechenkünstler Hopp wiederum als Aufsichtsratsvorsitzender in puncto Kostenentwicklung auf die Finger.

Nicht ganz so geräuschlos und fast schon überstürzt kam dagegen Mitte September der Ausstieg von Paul Wahl, der als US-Chef ebenfalls dem SAP-Vorstand angehört hatte. Er ging unmittelbar vor der Sapphire in Los Angeles, der weltweit wichtigsten Hausmesse, zu der der CEO selbst noch eingeladen hatte. Die Gerüchteküche kochte über. Wahl, so wurde spekuliert, sei in Insidergeschäfte verwickelt und von US-Gerichten zu Bußgeldzahlungen verdonnert worden. Gleichwohl wurde sein überraschender Abgang mit der Pleite des amerikanischen SAP-Kunden Fox Meyer in Zusammenhang gebracht. Der Konkursverwalter des Pharmahändlers hatte gegen SAP USA aufgrund eines gescheiterten Projekts Klage wegen Fahrlässigkeit und Vertragsbruch eingereicht.

Wahl wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Vorwürfe. Er sei weder in den Insiderskandal verwickelt gewesen, noch habe sein Weggang etwas mit der Fox-Meyer-Affäre zu tun. Die Klage gegen SAP USA entbehre jeder Grundlage. Vielmehr habe er sich bereits Anfang September entschieden, als CEO zu Tristrata Security im kalifornischen Reedwood City zu wechseln. Die Versuchung, bei einer Start-up-Company mitzumischen, die ein enormes Potential habe, sei zu groß gewesen. Tristrata Security ist laut Wahl das erste Unternehmen, das eine "absolut nicht" zu entschlüsselnde Kryptografiesoftware entwickelt hat. Damit soll in den kommenden Monaten weltweit der Durchbruch geschafft werden. Zu seinem Nachfolger als Chef bei SAP USA avancierte Kevin McKay, der dort bislang als Finanzchef und Chief Operating Officer fungiert hatte.

Fast lautlos vollzog sich auch in Santa Clara eine Wachablösung der besonderen Art. Andy Grove, CEO des weltweit größten Mikroprozessorproduzenten Intel, gab im Mai das Ruder an Craig Barrett ab. Überraschend kam die Berufung des 58jährigen nicht. Barrett war bereits im vergangenen Jahr zusätzlich zu seiner Funktion als Chief Operating Officer zum President ernannt worden und galt in Insiderkreisen seither als erster Anwärter auf den CEO-Posten.

Grove, der Intel als Chairman weiterhin zur Seite steht, hat eine herausragende Bilanz vorzuweisen. Als er 1987 den Vorstandsvorsitz übernahm, war Intel eine (knapp) Zwei-Milliarden-Dollar-Company ohne besonderen Glanz, die wie alle amerikanischen Produzenten noch immer unter den Nachwehen des durch die japanische Großoffensive ausgelösten Speicherchip-Debakels Mitte der 80er Jahre litt. Unter der Ägide von Grove konzentrierten sich die Kalifornier schließlich ganz auf die Entwicklung immer leistungsfähigerer Mikroprozessoren und setzten damit - unterstützt durch die Firma Microsoft - zu einem sagenhaften Siegeszug an.

Darüber hinaus baute der gebürtige Ungar, der 1997 in seinem letzten Geschäftsjahr als CEO einen Umsatz von 35 Milliarden Dollar und einen Profit von 6,9 Milliarden vermelden konnte, Intels Portfolio über den Mikrochip hinaus konsequent aus. Ob Videokonferenzsysteme, Netzwerkkomponenten oder System- und Inventar-Management-Systeme - überall mischen die Kalifornier mit. Darüber hinaus sichert sich Intel über immer neue Finanzbeteiligungen an jungen High-Tech-Schmieden fortlaufend den Zugriff auf Zukunftstechnologien, ohne zu große Risiken dabei einzugehen. Kein Wunder, daß das "Time Magazine" im März Andy Grove zum "Mann des Jahres 1997" kürte.

Ruhig in seinem Chairman-Sessel zurücklehnen kann sich der 61jährige indes nicht. Denn daß auch Weltmarktführer nicht vor Krisen gefeit sind, hat der Verlauf dieses Jahres gezeigt. Überproduktion, der Preisdruck durch die steigende Nachfrage nach Billigrechnern und schließlich die anhaltende Asienkrise sorgten vor allem Mitte 1998 für drastische Einbrüche im weltweiten Chipmarkt. Quer durch die Branche wiesen die Anbieter schlechte Ergebnisse aus und entledigten sich reihenweise Teile ihrer Belegschaft. Davon blieb auch der Branchenprimus nicht verschont. Nachdem das Unternehmen auf den bislang ungewohnten Umsatz- und Gewinnrückgang im ersten Quartal bereits mit der Entlassung von rund 3000 Mitarbeitern reagiert hatte, folgten im Sommer gleich zwei temporäre Werkschließungen. Doch in der zweiten Jahreshälfte präsentierte sich Intel wieder in glänzender Form. Im dritten Quartal stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Nur der Gewinn blieb aufgrund des heftigen Preiswettbewerbs mit 1,56 Milliarden knapp unter der Vorjahresquartalsmarke.

Der neue CEO, Barrett, hat aber nicht nur mit dem momentan unberechenbaren Chipmarkt zu kämpfen. Nach monatelangen Untersuchungen reichte die amerikanische Federal Trade Commission Mitte Juni eine Monopolklage gegen Intel ein. Die wurde zwar von den Kaliforniern einen Monat später schriftlich zurückgewiesen, dennoch kommt es im Januar 1999 zum Prozeß.

Neue Besen kehren nicht immer gut

Endlich selbst das Zepter schwingen, dachte sich Richard Beluzzo, als durch den Rückzug von Edward McCracken Ende 1997 die Position des CEO bei Silicon Graphics (SGI) vakant wurde. Bislang hatte der 45jährige das gesamte Computergeschäft von Hewlett-Packard verantwortet und als zweiter Mann hinter HP-Chef Lewis Platt gegolten. Da der aber nur elf Jahre älter ist, hätte sich Beluzzo wohl noch einige Zeit gedulden müssen, bis es zur Amtsübergabe gekommen wäre.

Ob er heute allerdings noch einmal zu SGI überlaufen würde, ist zu bezweifeln. Denn auch Beluzzo ist es bislang nicht gelungen, das Ruder des 1997 in Not geratenen Spezialisten von Grafik- Workstations und Animationssoftware-Werkzeugen herumzureißen. Im Gegenteil: Die Verluste mehren sich von Quartal zu Quartal, und umfangreiche Umstrukturierungen wie beispielsweise der Schwenk hin zu Intel-Prozessoren und die damit verbundene Trennung der 1992 zugekauften Mips Technologies haben noch nicht gegriffen. Zu allem Überfluß mußte die Workstation-Schmiede, die so lange auf Unix gesetzt hatte, jetzt die lang erwartete Auslieferung der eigenentwickelten NT-Rechner auf kommenden Januar verschieben. So gerät Beluzzo zunehmend unter Erfolgsdruck. Und die kalifornische Company zählt im kommenden Jahr sicher zu den heißesten Übernahmekandidaten.

Nach Übernahmen wackeln immer viele Stühle

Wenn sich große IT-Player zusammenschließen, so wie im Fall Compaq und Digital, kommt es in aller Regel zu einem Management-Shake- out. Die einen ergreifen selbst die Flucht, die anderen werden gegangen. Anfang Januar kehrte aber zunächst einmal Ex-Tandem-Boß Roel Pieper dem texanischen PC-Giganten den Rücken. Seit der Übernahme von Tandem durch Compaq im Sommer 1997 hatte er als Senior Vice-President und General Manager in Houston für die reibungslose Zusammenführung der beiden Unternehmen gesorgt.

Diese Aufgabe sei nunmehr beendet, begründete Pieper sein plötzliches Ausscheiden, das in Insiderkreisen für Überraschung sorgte. Doch als zwei Wochen später der Compaq-Digital-Deal publik wurde, wunderte sich niemand mehr. Pieper wollte wohl der anstehenden Inflation an Top-Managern ausweichen. Ende Februar tauchte er wieder auf - als Chairman einer Organisation namens The Twinning Network. Sie vermittelt im Auftrag der niederländischen Regierung einheimischen Start-ups Geschäftskontakte im Silicon Valley oder anderen High-Tech-Zentren sowie bisweilen auch Risikokapital.

Auch DEC-Chef Robert Palmer ließ früh durchblicken, daß er das Unternehmen verlassen werde, sobald Kontrollbehörden und Aktionäre der Fusion ihren Segen erteilt hätten. Mit seinen 57 Jahren fühle er sich noch fit genug, bei einem anderen Unternehmen eine angemessene Position zu übernehmen. Nötig hätte er es nicht. Denn seinen Ausstieg bei Digital, der dann zum 1. Juli erfolgte, ließ er sich mit rund 18 Millionen Dollar, davon mehr als sechs Millionen in bar, vergolden.

Die Abfindung von Bruce Claflin, DECs Vice-President für Vertrieb und Marketing, fiel zwar weitaus bescheidener aus - die Rede war von 1,5 Millionen Dollar -, aber sie erleichterte ihm den Abschied ebenfalls. Er wolle seiner Familie einen Umzug nach Houston ersparen, lautete seine offizielle Begründung. Doch auch dem ehemaligen IBM-Manager war klar, daß es in der Führungsetage des neu zu formierenden Konzerns recht eng werden würde. So ging der 46jährige lieber freiwillig. Und tatsächlich berief Compaq-Chef Eckhard Pfeiffer im Juni mit John Rando, Bill Strecker und Thomas Siekman gerade mal drei DEC-Manager in sein zwölfköpfiges Top- Management-Team. Claflin selbst blieb nicht lang in der Versenkung verschwunden. Schon Ende Juli meldete er sich in der Branche als neuer President und Chief Operating Officer bei 3Com zurück.

Auch in Deutschland war Stühlerücken angesagt, kaum daß die Fusion über die Bühne gegangen war. Paul Santner, Geschäftsführer von Digital, sowie Arbeitsdirektor Peter Krall traten Mitte Juli von ihren Ämtern zurück, Finanzchef Erich Baumgärtner kündigte zum 30. September. Seither schwingt Compaq-Geschäftsführerin Gerrit Huy auch bei Digital Deutschland das Zepter und ist mit der Zusammenführung der beiden Unternehmen gut ausgelastet. Deshalb erhielt sie Mitte August Verstärkung durch Harald Stanzer, der zum zweiten Geschäftsführer und Direktor des Bereichs PC Products ernannt wurde.

Aufhorchen ließ Neuzugang Karola Bode. Bis Ende vergangenen Jahres Geschäftsführerin bei PC-Direktverkäufer Gateway 2000, heuerte sie im September bei der Compaq-Flotte an. Ihre Aufgabe ist es, den Consumer-Pro- ducts-Bereich auf Vordermann zu bringen, der noch nicht so recht in die Gänge gekommen ist. Die sogleich hochkochenden Gerüchte, Compaq bereite damit in Deutschland den Einstieg in den Direktvertrieb vor, wurden in Dornach heftig dementiert. Tatsächlich ist in dieser Richtung bislang auch nichts geschehen.

Den Abgang von gleich drei altgedienten Top-Managern mußte IBM Deutschland verkraften. Und zwei von ihnen erlagen dabei dem Charme der Finanzwelt. Zunächst gab Willi Berchtold, Geschäftsführungsmitglied und General Manager Global Central Region, seinen Wechsel zu Giesecke & Devrient in München bekannt. Bei dem Hersteller von Bank- noten und Wertpapieren sowie Kartensystemen und Zahlungsverkehrs-Terminals übernahm er im Herbst den Vorsitz der Geschäftsführung. Mehr als 20 Jahre hatte Berchtold in den Diensten von IBM gestanden, dann aber keine weiteren Aufstiegsmöglichkeiten bei dem Computerriesen gesehen. An seine Stelle rückte Ernst Koller, seit 1979 bei IBM und bis dato Lenker der IBM Schweiz.

Genug von der weiten Welt, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten und von IBM, der er 20 Jahre zugehörig war, hatte Mitte des Jahres IBM- Manager Richard Seibt. Ihn zog es ins beschauliche Montabaur zu 1&1, nachdem er zuletzt in den USA als General Manager für das in der Branche wenig geschätzte Betriebssystem OS/2 verantwortlich gewesen war. Bei 1&1, Marketing-Dienstleister im IT- und Telekommunikationsumfeld, sitzt er nun an der Seite von Gründer Rolf Dommermuth und Finanzchef Michael Scheeren im Vorstand und kümmert sich schwerpunktmäßig um Marketing und Vertrieb.

Im Oktober warf Hermann-Josef Lamberti nach nur 21 Monaten als Geschäftsführer von IBM Deutschland das Handtuch. Der seit 1984 auf der Big-Blue-Gehaltsliste stehende Topmann wechselte in den Vorstand der Deutschen Bank AG, wo er seit 1. November die Nachfolge von Michael Endres antrat. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Organisation und die Abwicklung des gesamten Zahlungsverkehrs sowie alle damit verbundenen Dienstleistungen. Lambertis Rückzug aus der IBM-Spitze kam zwar überraschend, aber so richtig verblüfft waren Branchenkenner eigentlich nicht. Denn seit alle Fäden im Headquarter in Armonk gezogen werden, haben die Länderfürsten nur noch wenige Kompetenzen und wurden zu Erfüllungsgehilfen ohne große Entscheidungsbefugnis degradiert. Dies konnte Lamberti auf Dauer keinen Spaß bereiten.

Ob sein Nachfolger Erwin Staudt diesem Job längerfristig etwas abgewinnen kann, bleibt abzuwarten. Seit fast 25 Jahren im Unternehmen, war er zuletzt in der Pariser Europazentrale für die weltweite Industry Solutions Unit Process & Petroleum zuständig. In Deutschland dürfte er erst einmal für versöhnlichere Zahlen sorgen müssen. Im vergangenen Geschäftsjahr stagnierte der Umsatz bei rund elf Milliarden Mark, während sich der operative Gewinn auf 759 Millionen Mark fast halbierte. Noch drastischer allerdings ging der Jahresüberschuß zurück - von 875 auf 280 Millionen Mark.

Ein Kabinettstück der besonderen Art erlebte Gert Hügler, Vorstandschef von Vobis. Er wurde im Juli ausgemustert, nachdem die Metro AG ihre Computersparte rund um Vobis an den US- Distributor CHS Electronics verkauft hatte. An Hüglers Stelle rückte Joachim Gut, Geschäftsleitungsmitglied von Maxdata. Doch es war noch kein Vierteljahr vergangen, da entschwand Gut wieder zu seinem eigentlichen Arbeitgeber, und Hügler war bei dem Aachener PC-Filialisten wieder in Amt und Würden.

Hintergrund des Verwirrspiels: CHS hatte es trotz gewährter Nachfristen seitens der Metro nicht geschafft, den Kaufpreis für die Vobis-Gruppe aufzubringen. Kurz bevor der Deal endgültig platzte, nahm der Kölner Handelsgigant das Steuer seiner Computersparte wieder in die Hand und beorderte Hügler an seinen angestammten Platz. Viel Freude dürfte ihm sein neuer alter Job allerdings nicht bereiten. Die Metro will sich nach wie vor von der ungeliebten Computerabteilung trennen - und Vobis droht dabei die Zerlegung in ihre Einzelteile.

Er wäre gern geblieben, doch durfte er nicht: Im Juli mußte Computer-2000-Chef Walter von Szczytnicki seinen Vorstandsvorsitz bei dem Münchner Broadliner räumen, den der US-Grossist Tech Data wenige Monate zuvor der Viag abgekauft hatte. Noch Ende April hatte der 52jährige, seit 1995 Chef von Computer 2000, seinen Willen bekundet, die Geschäfte auch unter dem neuen Eigentümer leiten zu wollen. "Mir macht es Spaß bei Computer 2000, und die guten Jahre liegen noch vor uns", diktierte Szczytnicki damals der Münchner Fachpresse ins Notizbuch. "Wenn man mich läßt, dann bleibe ich bei dem Unternehmen." Man ließ ihn nicht. Sein Platz nahm Tech-Data-Boß Steven Raymund höchstpersönlich ein. Ob er damit dem Vollsortimenter und sich selbst allerdings einen Gefallen getan hat, ist eher zweifelhaft. Mit den deutschen Verhältnissen ist Raymund nämlich nicht sonderlich vertraut. Und zum Üben eignet sich ein solcher Job in der Distributo- renszene wahrlich nicht. Dort geht es zu wie in einem Haifischbecken.

Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.