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Pläne von Microsoft, Netscape und Sun

Proprietär oder offen: Java am Scheideweg

06.12.1996

Schon jetzt ist es möglich, mit Microsofts Java-Makrosprache "Jscript" Anwendungen zu erstellen, die zwar im herstellereigenen Browser "Internet Explorer", nicht aber im Konkurrenzprodukt "Navigator" von Netscape laufen. Um die damit zusammenhängenden Probleme für Entwickler wie Anwender zu beseitigen, wollen die beiden im Internet-Geschäft bisher als Erzfeinde geltenden Unternehmen kooperieren. Schon im Sommer 1997 soll eine einheitliche Scripting-Sprache freigegeben werden. Bei einer von Netscape initiierten Tagung der European Computer Manufacturers Association (ECMA), an der Vertreter fast der gesamten Branche teilnahmen, soll Microsoft selbst vorgeschlagen haben, Jscript in die Standardisierung einzubinden.

Diese Offenheit widerspricht dem bisherigen Geschäftsgebaren von Microsoft. Bislang hat die Gates-Company zwar bereitwillig Standards aufgenommen, ihnen durch Erweiterungen aber proprietären Charakter verliehen. Das sei in diesem Falle anders, so IDC-Analyst Tracy Corbo. Microsoft dringe auf die Standardisierung, weil Jscript in Kürze mit der Visusal-Basic-Makrosprache "VB-Script" verschmolzen werden soll. Auf diese Weise dürfte langfristig ein einheitliches System entstehen, mit dem die Windows-Anwender die Applikationen an ihre Bedürfnisse anpassen können. Microsoft Deutschland weiß zwar nichts von Standardisierungsbemühungen, bestätigt aber die Zusammenlegung der betroffenen Entwicklungsabteilungen.

Weniger kooperative Signale sendet Microsoft mit der firmenintern als "nicht unwahrscheinlich" kommentierten Absicht, einen Java-Compiler auf den Markt zu bringen, mit dem sich besonders schnell ausführbarer Code erstellen läßt - allerdings nur unter Windows. Auf anderen Plattformen wird das Java-Programm ohne diese Optimierung abgearbeitet. Zeitschriften wie die CW-Schwesterpublikation "Infoworld" sprechen bereits von dem Versuch, Java proprietär zu machen.

Dieser Interpretation, der in den USA auch Borland folgt, will der hiesige Borland-Chef Gerhard Romen nicht zustimmen. Für ihn geht es bei all diesen Initiativen um die normale Erweiterung einer neuen Technik. Es sei durchaus verständlich, wenn sich Microsoft einen kleinen Marktvorsprung durch ein schnelleres Produkt verschaffen wolle. Das sei auch den Konkurrenten unbenommen, solange keiner an der grundsätzlichen Plattformunabhängigkeit der Web-Umgebungen rüttle. Problematischer sei vielmehr ein Marketing, das zweitklassige Produkte zu führenden Marktstandards hochstilisiere.

Solche Entwicklungen zu verhindern, bedarf es laut Romen einer breiten Kooperation der gesamten Industrie. Diesen Weg scheint Java-Erfinder Sun Microsystems gehen zu wollen. Das Unternehmen hat die Programmiersprache bei der European Computer Manufacturers Association (ECMA) zur Standardisierung eingereicht - inzwischen aber nach Berichten des britischen Branchendienstes "Unigram-X" einen halben Rückzieher gemacht.

Die Sun-Tochter Javasoft wolle den Markennamen Java nicht aufgeben, lautet die Begründung für die vorläufige Rücknahme eines Vorschlags, dem unter anderem Netscape bereits zugestimmt hatte.