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01.10.1993

Proprietaerer Strategie verdaechtigt Novell erhaelt fuer Unixware wenig Beifall von X/Open-Mitgliedern

NEW YORK (jm) - Die Novell Inc. drueckte der diesjaehrigen Unix-Expo ihren Stempel auf. Der Netzwerk-Marktfuehrer steht in Zeiten zunehmender Betriebssystemkonvergenzen auch als neuer Hueter des Unix-Codes in der Verantwortung. Aus Novells mit Spannung erwarteter offizieller Abtretung des Unix-Brandings an das X/Open- Konsortium wurde allerdings nichts.

Novell-President und CEO Ray Noorda sowie Bob Davis, Vice- President Marketing der Novell-Division Unix Systems Group (USG), machten deutlich, welchen Plan sie fuer das Betriebssystem der USL verfolgen: Unixware soll in den Massenmarkt der Intel-Systeme gedrueckt werden. Damit ist klar, dass Noorda weiter auf William H. Gates III zielt und gegen Windows NT anzugehen gedenkt. Beabsichtigt ist, sowohl den Binary- als auch Source-Code an OEMs, VARs, Systemintegratoren und Wiederverkaeufer zu vergeben.

Beim Blick in die naehere Zukunft versprach Davis ferner, dass bis Mitte 1994 symmetrische Multiprocessing-Architekturen (SMP) mit Unixware bedient werden wuerden. Schon jetzt konnten Besucher eine fruehe SMP-Variante auf der Unix-Expo begutachten. Ferner werde, so Davis weiter, die von der USL bereits angekuendigte Mikrokernel- Implementation von Unixware "in kurzer Zeit" zu erwarten sein. Um Netware und Unixware kuenftig fuer den Anwender als eine Einheit erscheinen zu lassen, wollen die USG-Entwickler - bis Mitte 1994 - unter anderem Directory-Services und das Netz-Management von Netware in den Unixware-Source-Code integrieren.

In einem weiteren Schlag gegen Microsoft soll Unixware abgesehen von der Intel-CISC-Hardwareplattform in Zukunft auch auf allen bedeutenden RISC-Systemen laufen: Dazu gehoeren nach Davis Mips-, Sparc-, und Alpha-CPUs, sowie IBMs zwei Prozessorlinien Power-PC und Power sowie die Chips von Motorola und von Hewlett-Packard (HP). Novell bemuehte sich in New York, allen Geruechten entgegenzutreten, die den Netzwerk-Marktfuehrer mit Geluesten in Verbindung bringen, Unix in eine proprietaere Klammer zu fassen. "Unix", so das erklaerte Ziel von Noorda vor der Presse, "wird offen bleiben, wir werden die Vereinheitlichung von Unix vorantreiben."

Dass Novell die Verfuegungsgewalt ueber Spezifizierungen und das Branding-Verfahren von Unix noch nicht an das X/Open-Gremium abtreten konnte, liegt nach Aussagen Noordas wie auch von Kanwal Rekhi, Executive Vice-President Corporate Technology und General Manager der USG, an Abstimmungsproblemen mit einigen Industriegroessen. Rekhi wollte zwar keine Namen nennen, doch aeusserte er, dass die Schuld fuer die Verzoegerung bei Mitgliedern der COSE-Initiative laege.

Er liess sich nicht zu einer Aeusserung dahingehend hinreissen, Sun blockiere Novells Bemuehungen. Nach Meinung von Brancheninsidern hat aber gerade die McNealy-Company neben SCO bei Novells Unix- Strategie am meisten zu verlieren. Mit Solaris fuer die X86-Intel- Plattform steht Sun bekanntlich in direkter Konkurrenz zu Novell. SCO hingegen ist im PC-Unix-Segment mit einem Anteil von 65 Prozent klarer Marktfuehrer.

Sun und SCO kritisieren Novells Unixware heftig

Nicht ueberraschend fielen denn auch die Kommentare dieser beiden Konkurrenten kritisch darueber aus, was ein Brancheninsider in New York als Novells "No-Show" resuemierte. In ungewoehnlicher Schaerfe attackierte besonders Suns CEO Scott McNealy die Mormonen-Company. Er unterstellte deren Top-Management anlaesslich eines kurzfristig anberaumten Gedankenaustauschs mit der Presse, es trachte gar nicht danach, das Unix-Branding an X/Open abzutreten: "Die wollen Unixware als von ihnen beherrschtes System durchsetzen und bedienen sich dabei des von Microsoft gewohnten Stils."

Es sei voelliger Unsinn, Sun als Blockierer von Novells Offenlegungs-Strategie zu beschuldigen: "Wir haetten doch ueberhaupt keine juristischen Optionen, Novell zu hindern, Unix an X/Open abzutreten." Sun wuerde ganz im Gegenteil ein Unix-Branding des Standardisierungsgremiums sofort uebernehmen. Angesprochen auf die dann moeglicherweise zunehmend ungewisse Zukunft von Solaris meinte McNealy nur lakonisch, "dann nennen wir Solaris eben das beste Unix".

Der manchen Brancheninsidern etwas zu eloquente Sun-Chef sparte die Marktkonkurrenten IBM und Hewlett-Packard (HP) geradezu demonstrativ von jeder Kritik aus. Um so heftiger hieb er auf die Novell Inc. ein. Die stuende doch mit dem Ruecken zur Wand, urteilte McNealy. Unixware sei vom Leistungsspektrum her nicht konkurrenzfaehig, es verkaufe sich auch nur sehr schleppend. In seiner Ansprache teilte McNealy auch an das Entwicklungsteam der USL schlechte Noten aus. Man wuerde ja gerne interessante Interfaces oder Technologien - etwa objektorientierte - von Novell uebernehmen. Daraus werde aber wohl nichts, "wir haben anscheinend doch das bessere Entwicklungsteam". Wenn Novell jetzt auch noch das Standardisierungsverfahren von Unix in die Haende von X/Open legen wuerde und so alle Schnittstellen offenlegte, koennte die Noorda-Company nicht mehr wettbewerbsfaehig auftreten.

McNealy sieht Novell neben Intel und Microsoft als einen von drei noch verbliebenen Herstellern mit proprietaerer Strategie. Wie alle Geschichte gewordenen Anbieter geschlossener Systeme werde aber auch Novell frueher oder spaeter zu Boden gehen. In seiner Ansicht bestaetigt sieht sich der Sun-Manager durch die stark ruecklaeufige Entwicklung von Novell-Aktien an der Boerse, deren Wert seit Maerz 1993 um nicht weniger als 47 Prozent gefallen ist. McNealys Ansicht, weder Sun noch HP oder IBM wuerden ihre jeweiligen Unix- Implementationen zugunsten einer X/Open-sanktionierten Unixware- Variante aufgeben, bestaetigte auch der bei SCO fuer Produkte zustaendige Senior Vice-President Scott McGregor. Das "Wall Street Journal" zitiert ihn mit der Einschaetzung, keiner der marktrelevanten Unix-Anbieter habe auch nur die geringste Absicht, auf Novells PC-Unixversion zu wechseln. Die "inferiore Unixware" solle vielmehr ueber die geplante Verschraenkung mit Netware- Funktionalitaeten am Markt plaziert und durchgesetzt werden.

Aehnlich aeusserte sich Mike Shelton, SCOs European Manager Solutions. Novell ziele darauf ab, Teile von Unixware proprietaer zu halten, "deshalb sind einige X/Open-Mitglieder auch nicht bereit gewesen, das Branding-Verfahren fuer Unixware durch das Standardisierungsgremium gutzuheissen".