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11.02.2000 - 

Leihmodell beseitigt Einstiegshürden ins E-Business

Provider vermieten via Web Programme von der Stange

Das Vermieten von Standardanwendungen über das Internet wird immer populärer. Vor allem Mittelständler mit geringen Personalressourcen sowie Internet-Startups bedienen sich der Angebote von Application-Service-Providern. Sie erlauben eine schnelle Aufnahme des Geschäftsbetriebs zu überschaubaren Kosten.

Anwendungen mieten, statt sie zu kaufen, klingt verlockend: Keine hohen Lizenzgebühren mehr zahlen, Einsparungen beim Betrieb von Software, einfache und rasche Einführung neuer Systeme, weniger Sorgen wegen des Fachkräftemangels - so lauten die Versprechen der Anbieter. Verfechter dieses neuen Outsourcing-Konzepts gibt es zuhauf, etwa das Londoner Marktforschungsunternehmen Durlacher, das behauptet, dies sei die interessanteste Marktchance im Internet seit Jahren (siehe Kasten: "Kein Outsourcing").

Sehr positiv fallen auch die Prognosen anderer Analysten aus. Bei Lehman Brothers schätzt man die weltweiten Umsätze in diesem Marktsegment für dieses Jahr auf eine Milliarde Dollar. Das Geschäft mit dem Verleih von Programmen wächst rasant: Für das nächste Jahr prognostiziert Forrester Research ein weltweites Marktvolumen von 21 Milliarden Dollar.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Forit aus Frankfurt am Main sind weltweit mehr als 100 Application-Service-Provider am Markt vertreten. Doch wie eine gemeinsam mit der kalifornischen Zona Research erstellte Studie zeigt, lassen deren Angebote deutsche Firmen noch weitgehend kalt. Nur fünf der 101 befragten hiesigen Unternehmen haben damit begonnen, Anwendungen zu mieten statt zu kaufen. Von 104 untersuchten US-Firmen gaben dagegen 78 an, ASP-Dienste bereits zu nutzen.

Die Idee, Programme gegen eine feste Gebühr über das Internet zu verleihen, ist nicht neu. Schon lange bevor die Bezeichnung ASP durch die Branche geisterte, machten Firmen von Mietprogrammen über das Internet Gebrauch. So entrichten viele Unternemen für das Hosting ihres Webshops eine monatliche Gebühr an einen Service-Provider. E-Commerce-Software wie beispielsweise "Epages" von Intershop wurde speziell für den Hosting-Betrieb entwickelt und läuft, vor Hackern durch Firewalls geschützt, im Rechenzentrum des Diensteanbieters. Dieser kümmert sich um die Verwaltung der Software und spielt Upgrades ein. Kunden erhalten eine weitgehend vorkonfigurierte Umgebung; kostspielige individuelle Anpassungen entfallen.

Die Bezeichnung ASP kam auf, als Anbieter begannen, vorkonfigurierte Standardanwendungen wie beispielsweise Warenwirtschaftssysteme, Kunden-Management-Software und Finanzbuchhaltungssysteme über das Internet oder über Standleitungen zu vermieten.

Die Programme lassen sich typischerweise über einen Web-Browser bedienen. Viele Hersteller von Client-Server-Systemen speckten dafür die Client-Komponente für den Zugriff über das Web ab. Einige ASPs nutzen die ICA-Technik von Citrix. Auf diese Weise können Anwender zwar über das Internet auf eine hosted Application per Windows-Desktop, Web-Browser oder sogar ein mobiles Endgerät zugreifen, bedienen sich dabei aber der herkömmlichen Benutzeroberfläche. Beispielsweise können User so das "Sapgui" von SAP R/3 im Browser nutzen.

Ins ASP-Geschäft steigen sowohl Softwarehersteller, Systemintegratoren, Telekommunikationsfirmen und Internet-Service-Provider (ISPs) als auch die klassischen Outsourcer ein. Beispielsweise können Unternehmen bei der Softwareschmiede Alphaware in Freilassing die betriebswirtschaftliche Software "Alphawork" nicht nur kaufen, sondern auch mieten. Alphaware stellt seinen Kunden den Internet-Zugang sowie das Warenwirtschaftssystem zur Verfügung und betreibt außerdem das Rechenzentrum, in dem die Anwendungen laufen. Ein möglicher ASP-Kunde der Firma ist der Weingroßhändler Chrisdalwein aus Garching bei München. Alain Amman, Inhaber des Fünf-Mann-Betriebs, war auf der Suche nach einer neuen Software, wollte aber die Anfangsinvestitionen von schätzungsweise 20000 bis 25000 Mark nicht in Kauf nehmen. Sollte sich Amman nach der Testphase Ende Februar für Alphaware entscheiden, würde er monatlich 200 Mark für die Online-Nutzung von Alphawork zahlen. Hinzu kommen noch die Kosten für den Internet-Zugang.

Auf mittelständische Unternehmen zielt die Unternehmensberatung ICM mit ihrem Mietangebot. Sie will demnächst in Kooperation mit der amerikanischen Firma Hostlogic vorkonfigurierte SAP-R/3-Systeme für Betriebe aus der Chemiebranche freischalten. Im Gegensatz zu Alphaware bezieht ICM die Internet-Infrastrukur von dem Internet-Service-Provider Psinet. Auch der IT-Dienstleister TDS möchte SAP-Software und andere Programme über das Netz vermieten; das Unternehmen ist wie ICM ein langjähriger SAP-Partner. In diesen Markt ist die British Telecom bereits vorgedrungen: Unter dem Label "BT Business Manager" bietet der Carrier vorkonfigurierte R/3-Systeme gegen eine monatliche Gebühr an.

Am meisten Furore machen zur Zeit vor allem in den USA "reine" ASPs wie beispielsweise Corio, US Internetworking, Futurelink und Applicast, die sich ganz dem Mietmodell verschrieben haben. Sie verleihen jedoch im Gegensatz zu Softwarehäusern wie Oracle, die sich ebenfalls als ASPs betätigen, nicht nur ihre eigenen Anwendungen, sondern kombinieren Programme von mehreren Softwareanbietern. So setzt sich Corios ASP-Service "Intelligent Enterprise" aus Siebels Customer-Relationship-Management, der E-Commerce-Software des Herstellers Broadvision, dem Business-Intelligence-System von Cognos, Peoplesofts Enterprise-Resource-Planning-(ERP-) Lösungen und dem Office-Paket "Star Office" der von Sun übernommenen Star Division zusammen. Zudem integrierte Corio die Software von Commerce One für das elektronische Bestellwesen (E-Procurement) in das Paket. Kunden können die Suite entweder als Ganzes oder in Teilen mieten. Corios Vorzeigekunde Excite At Home nutzt beispielsweise lediglich die Peoplesoft-Software.

Einige ASPs haben sich auf Anwendungen für den elektronischen Geschäftsverkehr spezialisiert. Zu ihnen zählt das im Dezember 1999 gegründete britische Unternehmen Aspective, das integrierte Front-Office- und E-Commerce-Lösungen vermietet. Ähnlich wie Corio stellt der Anbieter seine Anwendungsdienste aus den Produkten mehrerer Softwarehersteller zusammen. Mit im Boot sind Siebel, Broadvision und Lotus Development. Speziell für den europäischen Markt entwickelte Aspective außerdem mobile Internet-Dienste auf der Basis des Wireless Application Protocol (WAP). Sie sollen Vertriebsmitarbeitern ermöglichen, über ein WAP-Handy auf einen Server mit Kundendaten zuzugreifen. Künftig werden immer mehr Anwender über mobile Endgeräte auf Business-Software Zugriff haben, prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Durlacher. Die Analysten gehen sogar davon aus, dass Mobilfunkanbieter künftig zu den wichtigsten Providern von Hosted Applications zählen werden.

Im Augenblick setzt sich das ASP-Modell besonders stark im Internet-basierten Geschäftsverkehr zwischen Firmen durch, etwa beim elektronischen Bestellwesen oder beim Supply-Chain-Management. "Gerade mittelständische Firmen haben schlicht nicht die Kapazität, sich eigene Supply-Chain-Infrastrukturen aufzubauen", erläutert Torsten Gründer, Chef der Unternehmensberatung E-tronic.net Consulting aus München. Einige ASPs gehen deshalb dazu über, E-Procurement-Lösungen zu vermieten, womit der Kunde online Waren bei Lieferanten ordern kann, die sich ebenfalls bei diesem Provider eingemietet haben. Firmen können beispielswiese beim Application-Provider US Internetworking (Usi, www.usinternetworking.com) die Bestellsoftware des Procurement-Spezialisten Ariba mieten und erhalten gleichzeitig Zugang zur E-Commerce-Plattform "Ariba Network", über die Käufer Waren aus den Online-Katalogen der dort vertretenen Anbieter bestellen. Auf diese Weise lassen sich die Beschaffungskosten drastisch senken.

Die E-Procurement-Welle hat inzwischen auch Deutschland erreicht. Gegenstand der jüngst vereinbarten Zusammenarbeit zwischen dem Ariba-Konkurrenten Commerce One und der Deutschen Telekom ist unter anderem das Leasen von Bestellsoftware. wie "Buysite".

Trotz des von vielen Marktforschern vorhergesagten Booms im ASP-Business sehen die potentiellen Nutzer dieser Dienste Probleme auf sich zukommen. Wie die von Forit und Zona Research organisierte Studie ergab, sorgen sich sowohl amerikanische als auch deutsche Firmen um die Datensicherheit sowie die Performance gemieteter Anwendungen. Die Deutschen haben darüber hinaus Angst, sich durch unflexible Langzeitverträge in die Abhängigkeit von Service-Providern zu begeben. Forit hält diese Sorgen jedoch für unbegründet, da es in den USA sehr flexible ASP-Geschäftsmodelle mit kurzfristigen Vertragslaufzeiten gibt.

KostenbeispieleBeim amerikanischen ASP Corio hängen die monatlichen Mietgebühren für transaktionsbasierte Anwendungen wie die von Peoplesoft oder Siebel vom Nutzerverhalten ab. Nach Angaben des Anbieters variieren die Kosten für diese Applikationen zwischen fünf und 895 Dollar pro Anwender und Monat.

Die Unternehmensberatung ICM veranschlagt für das Vermieten von SAP-R/3-Systemen pro User und Monat etwa 1000 Mark. Laut Carsten Börner, Geschäftsführer der ICM-Niederlassung in Hamburg, setzt sich diese Summe aus der Implementierung, Schulung, Datenmigration, den SAP-Lizenzen sowie den Gebühren für die Nutzung der Hardware und den Netzzugang zusammen. Der Kunde schließt mit dem Anbieter einen Vertrag über drei Jahre, wobei Art und Umfang der Dienstleistung über Service-Level-Agreements festgeklopft werden. So vereinbaren beide Seiten ein bestimmtes Datenvolumen. Sollte der Bedarf steigen, kann angepasst werden, was dann allerdings die Monatsmiete erhöht. Interessant ist dieses Konzept nach Börners Ansicht für Firmen, die 50 bis 100 Endanwender auf diese Weise mit SAP-Software versorgen wollen.

Kein OutsourcingAuf den ersten Blick scheint das ASP-Modell eine auf das Internet zurechtgestutzte Neuauflage des Outsourcing zu sein. Dem widerspricht die Unternehmensberatung Diebold aus Eschborn. Sie gibt zu bedenken, dass bei dem von Großfirmen betriebenen Outsourcing der Auftraggeber Eigentümer der ausgelagerten Software ist. Nicht so beim Application-Service-Provisioning: Der ASP kauft in der Regel die Softwarelizenzen, die Kunden, vornehmlich mittelständische Firmen, bezahlen nur für die Benutzung der Programme.

Ein ASP vermietet Applikationen meist gegen eine Monatsgebühr; die Anwender greifen über das Internet oder über eine Standleitung auf das Programm zu. Kosten für die Softwarelizenzen, die Bereitstellung von Rechner-, Platten- und Netzwerkkapazität sowie Wartung und Support legt der ASP auf die monatlichen Kosten um.

Abb.: Nicht immer bietet das ASP-Modell vorteile gegenüber dem Kauf einer Software. Quelle: Meta Group