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25.07.2003 - 

Strategieporträt Thomas Endres, CIO Deutsche Lufthansa AG

Prozesse, Projekte und Personal

FRANKFURT/M. (qua) - Sein Weg führte von der Werkstoffkunde über den Human-Resources-Bereich zur Konzern-IT der Lufthansa: Im Oktober vergangenen Jahres löste Thomas Endres den damaligen CIO Bernd Voigt ab. Sein Credo: Genauso wichtig wie das Kosten- ist das Nutzen-Management.

Auf den ersten Blick nimmt sich der promovierte Ingenieur mit Studienschwerpunkt Laser- und Oberflächentechnologien wie der klassische Seiteneinsteiger aus. Endres selbst vertritt jedoch eine andere Ansicht: Werkstoff- und Verfahrenstechnik hätten vor allem mit der Unterstützung von Prozessen zu tun und ähnelten in dieser Beziehung seiner jetzigen Tätigkeit als Chief Information Officer (CIO). Darüber hinaus werde in der Informationstechnik wie in den Ingenieurwissenschaften projektorientiert gearbeitet.

IT wirkt sich auf die Arbeitswelt aus

Daneben ist Endres'' bisherige Laufbahn eng verknüpft mit dem Personalbereich. Als Manager Human Resources and Program Process Development hatte er seit 1997 für Eurofighter in München gearbeitet, bevor er im April 2001 die Aufgaben eines Leiters Konzern-IT Management Personal beim deutschen Aviation-Konzern übernahm. Für Außenseiter überraschend, ist der gesamte Bereich Informationssysteme im Lufthansa-Konzern dem Vorstand Aviation Services and Human Resources unterstellt. Für Endres hat die Verbindung mit dem Personalressort durchaus ihre Berechtigung, weil sich die IT direkt auf die Arbeitsumgebung der Mitarbeiter auswirke.

Zu seinen wichtigsten Anliegen zählt der neue CIO deshalb auch die "Digitalisierung der Arbeitswelt". Dazu gehört insbesondere das in der IT-Welt als beispielhaft geltende Mitarbeiterportal "eBase". Über diese Oberfläche soll künftig jeder Lufthanseat alle von ihm benötigten Werkzeuge im Zugriff haben.

Als eine seiner vier Hauptaufgaben nennt Endres zudem die IT-Unterstützung für die personalbezogenen Prozesse, die neudeutsch "eHR" genannt wird. Darunter zu verstehen seien im Einzelnen die Weiterentwicklung und der Betrieb des Personalwirtschaftssystems, die Digitalisierung und Standardisierung von Human-Resources-Prozessen sowie das Reporting und Daten-Management im HR-Bereich.

Der Konzern-CIO fungiert als Regulativ

Sicherheit und Technologie-Management sind ebenfalls Aufgaben, die Endres unmittelbar verantwortet. Einen besonderen Stellenwert haben hier die IT-Standards, das Management von IT-Architekturen sowie die Definition von Prozess- und Verfahrensnormen. Darüber hinaus erfüllt der CIO auch die Rolle eines Auftraggebers für die konzernweite IT-Infrastruktur.

Zuallererst ist Endres jedoch für die Steuerung der IT auf der Ebene des Gesamtunternehmens zuständig: "Mein Augenmerk richtet sich darauf, die Bedürfnisse der Geschäftsfelder mit dem Konzernoptimum in Balance zu bringen." In dieser Hinsicht wirkt der Konzern-CIO als Regulativ für die IT-Chefs der Geschäftsfelder im Konzern, beispielsweise Ricardo Diaz Rohr für die Lufthansa Cargo und Christoph Ganswindt für die Passage. Sie zeichnen für die operativen Systeme ihrer jeweiligen Bereiche verantwortlich und vertreten in puncto IT-Strategie deren Interessen. Folglich muss Endres Sorge dafür tragen, dass alle CIOs gemeinsam nach Synergieeffekten für den Konzern suchen.

Zu diesem Zweck treffen sich die sechs CIOs der großen Geschäftsfelder und Konzerntöchter regelmäßig in einem "Information-Management-(IM-)Board". Aufgabe dieses Gremiums ist es, eine übergreifende IT-Strategie zu erarbeiten und Themen wie die technische Standardisierung (und deren Grenzen), die Mehrfachnutzung von Systemen, den Umgang mit den Geschäftsprozessen sowie die Serviceleistungen zu diskutieren. Die Entscheidungsstrukturen des IM-Board zu verbessern ist eines der kurzfristigen Ziele, die Endres gemeinsam mit den Board-Kollegen anvisiert.

Ein auch bei der Lufthansa hoch aktuelles Thema ist die Reduzierung der IT-Ausgaben. Welches Budget dem 65 Mitarbeiter starken CIO-Bereich zur Verfügung steht, will Endres allerdings genauso wenig preisgeben wie die Veränderung der IT-Ausgaben gegenüber dem Vorjahr. Doch wie überall versucht man auch bei der Lufthansa, die reinen Betriebskosten - laut Endres etwa drei Viertel des Gesamtbudgets - so weit wie möglich zu senken. Dazu müssen die notwendigen von den wünschenswerten Ausgaben getrennt werden.

Endres warnt jedoch grundsätzlich vor einer einseitig kostenorientierten Betrachtung. Sinn und Zweck der IT beständen darin, die Wettbewerbsfähigkeit der Lufthansa technologisch zu sichern. Aus diesem Grund will der CIO nicht nur ein Kostentreiber-, sondern auch ein "Nutzentreiber-Management" leisten.

Das Thema Kostenreduzierung ist ohnehin aus zwei Blickrichtungen zu betrachten: Der Verringerung von IT-Ausgaben steht in der Regel eine bessere Unterstützung der Geschäftsprozesse gegenüber, die zunächst einmal Geld kostet, dann aber ihrerseits zu niedrigeren Kosten in den Fachbereichen führt. Die von Endres in Angriff genommenen Maßnahmen - Bündelung der Einkaufsabläufe, pauschale und transaktionsorientierte Verrechnungspreise mit dem konzerneigenen Dienstleister Lufthansa Systems, Digitalisierung der Querschnittsprozesse sowie verschiedene Ausprägungen der Standardisierung - spiegeln diese beiden Aspekte wider.

Die Auswirkungen der IT lassen sich bei der Lufthansa in vielen Fällen nicht nur nachweisen, sondern auch messen. Sie äußern sich beispielsweise in einer kürzeren Prozessdurchlaufzeit, geringeren Stückkosten, einer höheren Kundenzufriedenheit und einer niedrigeren Fehlerrate. Erzielt werden diese Vorteile unter anderem durch die Entwicklung und Abbildung übergreifender Workflows (eBase), die Mehrfachnutzung einmal erstellter Systeme, ein unternehmensweites Wissens- und ein abgestimmtes Technologie-Management.

Gegenseitige Transparenz erforderlich

Um Kosten und Nutzen gegeneinander aufzuwiegen, ist vor allem eines nötig: die gegenseitige Transparenz von IT- und Fachbereich. Wenn klar ist, wer was braucht und wer was zu welchen Kosten leisten kann, lassen sich beispielsweise die Service-Levels variieren und die vernünftigen von den überflüssigen Anforderungen trennen.

Auf die Frage, was ein guter CIO benötigt, verweist Endres deshalb einmal mehr auf den menschlichen Faktor. Dazu gehöre auch Kompetenz in Sachen Change-Management: "Der Umgang mit der IT birgt einen Veränderungsauftrag", weiß der ehemalige Personal-Manager, und dieser wirke sich nun einmal auf die Mitarbeiter aus.

Daneben hält Endres allerdings auch "technische Kompetenz" für wichtig. Nur wer über technische Grundkenntnisse verfüge, sei in der Lage, die entscheidende Frage zu beantworten: "Wie lässt sich der Umgang mit der IT so organisieren, dass er positive Auswirkung auf das Geschäft hat?"

Kein Überflieger, ein Kletterer

"Klettern und Skifahren", antwortet Thomas Endres ohne Zögern auf die Frage nach seinen Hobbys. Für seinen Aufstieg zum Lufthansa-CIO wählte der gebürtige Unterfranke nicht die Direttissima, sondern einen kleinen Umweg: Nach Abitur und Wehrdienst studierte er zunächst Werkstoffwissenschaften und Ceramic Engineering an der Universität Erlangen sowie der Alfred University des Staates New York. Dem Abschluss als Diplomingenieur folgte 1993 die Promotion zum Dr. Ing. mit den Themen Laser- und Oberflächentechnologie. 1994 stieg der damals 30-Jährige in ein Trainee-Programm der Audi AG ein, für die er dann bis 1997 als Projektleiter in Deutschland und Ungarn tätig war. Von dort wechselte er zu Eurofighter - als Manager Human Resources and Programme Process Development. Mit dem Personalbereich hatte auch seine erste Position bei der Lufthansa zu tun, die er im April 2001 übernahm. Als Leiter Konzern-IT Management Personal widmete sich Endres schon einem Teil der Aufgaben, für die er heute - als Leiter Konzern Informations-Management und CIO - in größerem Rahmen verantwortlich zeichnet.