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19.03.1993 - 

Michael Slaters Hitliste der RISC-Prozessoren (Teil 3 und Schluss)

Prozessor-Guru sieht Windows NT als Erfolgsrezept fuer RISC-CPUs

In puncto Geschwindigkeit differenziert Slater recht subtil: Waehrend die Digital Equipment Corp. momentan den schnellsten RISC- Prozessor zu bieten hat, haelt Hewlett-Packard die Spitzenposition, wenn es um den leistungsstaerksten in Mengen lieferbaren Prozessor geht. Gemeint ist der HP-7100-Chip, der mit 96 Megahertz getaktet wird. Die geringfuegig hoeher getaktete 99-MHz-Variante duerfte allerdings erst im zweiten Quartal 1993 verfuegbar sein.

Der HP-Baustein ist nicht in Superpipeline-Technologie ausgelegt und nur mit begrenzten Superskalar-Optionen versehen - das bedeutet, es ist nur eine Integer- und eine Fliesskomma-Instruktion pro Zyklus moeglich. Die Entscheidung, den Primaer-Cachespeicher nicht auf dem PA-RISC-Chip zu integrieren, hindert HP daran, die Taktrate des Prozessors erheblich hochzusetzen.

Waehrend der Alpha-Prozessor von DEC das externe Cache- Zeitverhalten unabhaengig von der internen Taktgeberrate gestalten kann, unterliegt der externe Cache-Speicher dem Rhythmus von einer Instruktion pro Zyklus des 7100-Prozessors. Die Konsequenz hieraus ist logisch: Um eine Taktrate von 99 Megahertz zu realisieren, benoetigt HP - so Slater - fuer den externen Cache SRAM- Speicherbausteine der Spitzenklasse, also mit Zugriffszeiten von neun Nanosekunden. Das bedeutet auch, dass hoehere Taktraten kaum realisierbar sind - obwohl der PA-7100-Chip sie durchaus verkraften wuerde -, weil entsprechend schnelle SRAM-Chips fehlen.

HP gruendet das PA-RISC-Konsortium

Ein anderes Argument fuer oder gegen eine bestimmte Hardware- Architektur ist immer auch die Verfuegbarkeit durch eine Reihe von Anbietern: Aus diesem Grund hat sich HP letztlich herbeigelassen, das PA-RISC-Konsortium "Pro" (Precision RISC Organisationaehnlich der 88-Open-Gruppe zu gruenden. Dazu erwarb HP von der 88-Open- Gemeinde Lizenzen fuer Testsuiten. Ausserdem bietet das Unternehmen ProMitgliedern ein Modul zum Bau eigener PA-RISC-konformer Systeme an, das den RISC-Prozessor sowie Cache-Speicher enthaelt. Allerdings weigert sich HP nach den Informationen von Slater, die Preisgestaltung sowie die allgemeine Verfuegbarkeit dieser Module offenzulegen.

Geht es um Groesse, denkt man an die IBM. Das haben sich die IBM- Entwickler wohl zu Herzen genommen, denn im Falle des Power-RISC- Prozessors "Rios", der in den RS/6000-Workstations Einsatz findet, setzt sich dies um in 367 Quadratzentimeter, auf die sich allerdings drei Prozessor-Chips verteilen. Seit der Einfuehrung 1990 (25 Megahertz) vervierfachte Big Blue die Instruktionen- Cache-Kapazitaet (von 8 auf 32 KB) fuer den momentan mit 62,5 Megahertz getakteten "6264"-Baustein. Bei prinzipiell aehnlichem Design wie beim Ursprungs-Rios verdreifachte sich die Rechenleistung mittlerweile. Bemerkenswert ist die 0,7-Submikron- Implementation.

Wie Rios 1 wird auch die naechste Generation, der Rios-2- Prozessor, im Drei-Chip-Design ausgelegt sein. Die neue Instruktioneneinheit kann bis zu sechs Befehle mit einem einzigen Zyklus absetzen, zu denen je zwei Integer- und Fliesskomma- Instruktionen gehoeren.

Erhoeht wird nach Slater wahrscheinlich auch die Groesse des Cache- Speichers - bis zu 256 KB sollen moeglich sein. Um die Taktrate jenseits der bislang hoechstmoeglichen 62,5 Megahertz ansiedeln zu koennen, produziert IBM den gesamten Chip-Satz - also drei Prozessoren, vier Cache-Bausteine sowie zwei System-Chips - in MCM-Technologie (Multichip-Module).

Erfahrungsgemaess lassen sich mit der MCM-Technologie Taktraten von 80 bis 100 Megahertz verwirklichen. Slater rechnet auf dieser Basis und der zwei eingesetzten Integereinheiten einen Specint92- Wert hoch, der bei 100 liegen koennte. In Sachen Fliesskomma-Berechnungen glaubt der Prozessor-Fachmann, dass IBM mit dem Rios 2 an dem neuen Topprozessor der Silicon-Graphics-Tochter Mips Technologies Inc., dem "TFP", vorbeiziehen kann: Slater denkt, dass ein Specfp92-Wert von 250 realistisch sei. Wermutstropfen bei so viel Exzellenz: Rios 2 wird erst ab dem dritten Quartal 1993 verfuegbar sein.

Bezueglich des gemeinsam mit Motorola entwickelten "Power-PC-601"- Prozessors hat die IBM bestaetigt, dass dieser in der zweiten Version mit einer Littleendian-Option versehen sein wird. Dieses Byte-Anordnungs- beziehungsweise -Leseverfahren ist insofern von Bedeutung, als sich Intel-basierte Betriebssysteme wie Windows NT auf solchermassen ausgestattete Architekturen leicht portiert lassen. Zwar hat Bill Filip, Kopf der RS/6000-Division, gesagt, dass die IBM nicht plane, NT-basierte Power-PC-Systeme zu verkaufen. Man heisse aber Microsoft oder andere Drittanbieter willkommen, die NT auf die Power-PC- Architektur portieren wollen.

Uebrigens gibt es ab sofort auch ein Konsortium fuer die Power- Open-Architektur, also fuer die Umgebung, die sowohl den eigentlichen Power-PC-RISC-Prozessor als auch ein Power-Open-ABI (Application Binary Interface) umfasst. Die Power Open Association Inc. besteht zum heutigen Zeitpunkt aus den sieben Mitgliedern Apple, Bull HN Information Systems, Harris, IBM, Motorola, Tadpole Technology und Thompson CSF. Ziel des Konsortiums ist, Software- Entwicklungswerkzeuge fuer Macintosh-, OSF/Motif- sowie zeichenorientierte Umgebungen anzubieten.

Nachdem DEC mit der Alpha-Architektur im oberen Leistungsbereich eingestiegen ist, stellte man jetzt inoffiziell erste PC-Alpha- Systeme vor, die auch auf der CeBIT 1993 zu sehen sein sollen. Gegenueber der 182-Megahertz-Version des "21064"-Chips - Specint92 ; 96,6, Specfp92 ; 182,1 - betraegt die Taktrate dieser Rechner ungefaehr die Haelfte. Mit dem Topprozessor liegt DEC damit klar an der Spitze (vgl. Tabelle in CW Nr. 10 vom 5. Maerz 1993, Seite 27). Eine 200-Mhz-Version soll kurz vor der Auslieferung stehen, Beta- Versionen eines mit 300 Megahertz getakteten Alpha-Chips wuerden - so Informationen aus dem Hause DEC - in den Labors laufen. Ausserdem scheinen sich Geruechte zu bestaetigen, dass die momentan noch sehr teuren Alpha-RISC-Prozessoren vor einem erheblichen Preissturz stehen.

Bleibt Intel und der Pentium-Prozessor. In ersten sehr inoffiziellen Informationen rechnen Branchen-Insider damit, dass der - laut Intel zu 90 Prozent in RISC-Architektur ausgelegte - 486-Nachfolger Spec-Werte aufweisen soll, die bei der Integer- Leistung doppelt so hoch seien wie bei dem momentan leistungsfaehigsten 486-Modell (486DX2 mit 33/66 Megahertz Taktrate). In Sachen Fliesskomma-Rechenleistung soll Pentium den Vorgaenger sogar um mehr als den Faktor drei uebertreffen. Traefen diese Aussagen zu, zoege der Pentium in puncto Specint92-Bewertung sowohl an dem Microsparc-Chip (50 Mhz) als auch dem Supersparc-Baustein (36 Mhz), aber auch an dem R4000 (50/100 Mhz) und IBMs Power-CPU 6264 (62,5 Mhz) vorbei. In Sachen Fliesskomma-Rechenleistung uebertraefe der P5 immerhin noch beide Sparc-Chips.

Vorgestellt wird der Pentium-Chip zwei Tage vor dem CeBIT-Beginn am 22. Maerz 1993, wobei noch unklar ist, ob es sich hierbei tatsaechlich um eine offizielle Vorstellung oder lediglich um eine Technologiedemonstration handeln wird.

Intels Pentium-CPU schneller als Sparc-Chip

Slaters Informationen zufolge sollen ab dem Zeitpunkt der offiziellen Markteinfuehrung des Pentiums, die der Prozessorspezialist auf den 22. Mai 1993 datiert, auch echte Produktions-, also nicht nur Beta-Chips vom Band laufen. Allerdings hat Intel selbst schon des oefteren verlautbaren lassen, dass im laufenden Jahr nicht mit groesseren Stueckzahlen zu rechnen sei.

Einerseits will der Prozessorgigant natuerlich die Entwicklungskosten fuer die 486-CPU wieder einfahren und favorisiert so lange wie moeglich diesen Baustein. Andererseits scheint Intel aber auch Druck von einigen der ganz grossen PC- Hersteller zu bekommen. Diese draengen darauf, dass Intel sie mit einer ausreichenden Zahl von Pentium-Prozessoren sicher beliefern kann. Erst dann naemlich will man eigene Systeme auf P5-Basis ankuendigen. Intel steht somit vor dem Problem, zwei Produktlinien gleichzeitig produzieren zu muessen.