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06.03.1992 - 

Hohe Investitionen drücken Umsatzrendite, aber

PSI setzt auf Renaissance des klassischen Projektgeschäftes

BERLIN (see) - Die PSI Gesellschaft für Prozeßsteuerungs- und Informationssysteme mbH bleibt eigenständig. Das betonte Geschäftsführer Dietrich jaeschke in Berlin PSI legte 1991 beim Umsatz um 24 Prozent und beim Betriebsgewinn um 14 Prozent zu. Mut beweist das Softwarehaus in der Öffentlichkeitsarbeit, indem es die Aids-Hilfe in der Hauptstadt sponsert.

Die unterschiedlichen Steigerungsraten des Umsatzvolumens auf 93 Millionen Mark und des Betriebsgewinns auf 8,3 Millionen Mark resultieren, so PSI, aus Einführungskosten neuer Produkte und erhöhten Investitionsabschreibungen. Im kommenden Jahr solle weiter auf hohem Niveau investiert werden, kündigte Jaeschke an. 15 Millionen Mark würden in neue Produkte und Produktionstechniken fließen. Zur Finanzierung der Investitionen erhöhte PSI das Stammkapital; die

reale Kapitalausstattung beträgt nach Unternehmensangaben

damit jetzt 20 Millionen Mark.

Logistik und Energie-Leittechnik hatten 1991 den größten Anteil am Auftragseingang, größter Umsatzposten war die Kommunikationstechnik. Das traditionell auf die Fertigung begrenzte Logistikangebot will PSI auf die Speditionslogistik erweitern; zu diesem Zweck ist man vor kurzem eine Kooperation mit der Speditionstochter Thyssen-Haniel Logistik eingegangen. Eine Vertriebszusammenarbeit wurde mit der Digital Equipment GmbH für das PPS-Paket "Piuss" vereinbart.

Kennzeichnend für den Geschäftsverlauf war nach Darstellung jaeschkes eine "Renaissance" des Projektgeschäftes, dessen Umsatzanteil auf 60 Prozent wuchs. Dagegen habe der Anteil der Produktverkäufe am Umsatz bei 30 Prozent stagniert. Für einen "dramatischen Wandel im Beschaffungsverhalten der Kunden" stünden Unix-basierte Produkte und Projekte, die mehr als die Hälfte der Order-Neüzugänge ausmachten. Volumenmäßig seien Umweltschutz-Projekte zwar noch "ein zartes Pflänzchen" so jaeschke, dennoch lasse sich eine steigende Tendenz erkennen: Zwei Millionen Mark habe hier der Auftragseingang 1991 betragen. In Nordrhein-Westfalen etwa installiert PSI nach eigener Darstellung ein Boden-Informationssystem.

Insgesamt seien Projekte und Produktlieferungen für zirka 100 Millionen Mark bei PSI in Auftrag gegeben worden; das angestrebte "kontrollierte Wachstum" von 20 Prozent auf 110 Millionen Mark Umsatz im laufenden Jahr ist nach jaeschkes Einschätzung also bereits zu einem großen Teil gesichert. Wegen der hohen Investitionen erwartet PSI jedoch für 1992 keine Gewinnsteigerung.

Das ostdeutsche Geschäft verlief nach guten Umsätzen 1990 im letzten Jahr enttäuschend, so Finanz-Geschäftsführer Wilfried Götze. Für PSI sei die Ex-DDR denn auch - wegen der dort ungebundenen hochqualifizierten Arbeitskräfte - gegenwärtig eher als Produktionsund Entwicklungsstandort interessant. Beispielsweise entwikkeln die Berliner zusammen mit 19 ehemaligen Mitarbeitern der Akademie der Wissenschaften Leitstände und Simulationssysteme in der GSI Gesellschaft für Steuerungs- und Informationssysteme mbH. Zudem ist PSI Götze infolge mit 29 Prozent an dem mittelstandsorientierten Softwarehaus Systeg in Halberstadt beteiligt.

In einer besonderen Sitution befindet sich das Softwarehaus gegenüber Wettbewerbern, folgt man Jaeschke: Im vergangenen habe PSI "fast die gesamte Konkurrenz verloren".

Die traditionellen Konkurrenten - er nannte unter anderen Softlab, GEI und SCS seien nach ihrem Aufgehen in anderen Einheiten gegenwärtig damit beschäftigt, neue Märkte zu suchen. Neuer "strategischer Druck" entsteht der PSI, so deren Einschätzung, durch Hardwarehersteller, Consulting-Unternehmen und die DV-Töchter der Großkonzerne, die allesamt in die Vermarktung von Anwendungen und in das Lösungsgeschäft "flüchteten".

In Zukunft wird der Softwaremarkt, so Jaeschkes Voraussage, von einem Abfluß der IT-Ausgaben von der Hardware profitieren. Hinzu komme in Deutschland, daß die Kunden sich hier in besonderem Maße vom "Make" zum "Buy" umorientierten. Vom Start des EG-Binnenmarktes erwartet der PSI-Manager vorerst weder positive noch negative Auswirkungen auf sein Unternehmen. Auch mit Osteuropa sei erst "sehr langfristig" als SW-Markt zu rechnen.

Unfreundliche Worte fand PSI-Chef jaeschke für die Telekom, deren Ankündigung, Aufträge zunehmend an Mittelständler zu vergeben, sich als "Lippenbekenntnis" erwiesen habe. Tatsächlich seien es nach wie vor die "Amtsbau-Firmen", an die die Post-Orders gingen Jaeschke kritisch: "Wir haben in den letzten zwei Jahren jede Ausschreibung verloren."

In der Unternehmenskommunikation gehen die Berliner insofern ein Wagnis ein, als sie mit der Berliner Aids-Hilfe (BAH) eine nicht zwangsläufig werbeträchtige Organisation sponsern.

Dennoch geht PSI-Sprecherin Sylvia Diemel, Initiatorin des Projektes, davon aus, daß PSI von der Maßnahme einen Wettbewerbsvorteil erwarten kann. Diemel: Wir sehen das nicht als reine Spende."

Vielmehr traue man sich zu, das BAH-Sponsoring in Richtung eines positiven Unternehmens-Images wirken zu lassen.