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07.04.2000 - 

Der Weg zum globalen ERP-Anbieter erweist sich steinig

Psipenta verhagelt PSI erneut die Konzernbilanz

BERLIN - Anhaltend hohe Verluste der Tochtergesellschaft Psipenta GmbH überschatten erneut das Konzernergebnis der Berliner PSI AG. Auch bei der noch vor kurzem mit Hochdruck forcierten Internationalisierung musste das Softwarehaus einen Gang zurückschalten.Von Andrea Goder*

Mitbegründer und Vorstandschef Dietrich Jaeschke kann über die Geschäftsentwicklung im zurückliegenden Jahr alles andere als zufrieden sein. "Wir haben unsere Ziele nur zum Teil erreicht", lautete denn auch sein nüchternes Fazit auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Insgesamt steigerte das Unternehmen 1999 zwar den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 242 Millionen Mark und lag damit sogar über den Analystenschätzungen. Doch mit einem Jahresfehlbetrag von 17,5 Millionen Mark schrieb das seit 1998 am Neuen Markt gelistete Unternehmen zum dritten Mal in Folge rote Zahlen.

Wie bereits in den beiden Vorjahren zeichnete für den Konzernverlust die Tochter Psipenta GmbH verantwortlich, die früheren Aussagen Jaeschkes zufolge eigentlich längst profitabel sein sollte. 1999 erreichte der Jahresfehlbetrag des ERP-Anbieters mit 46,7 Millionen Mark allerdings eine neue Rekordmarke. "Beim Ergebnis haben wir genau ein Jahr verloren", erklärte Jaeschke, der den Verlust mit anhaltend hohen Investitionen in Entwicklung und Vertrieb begründete. Mit der jüngsten Release-Verbesserung unterstützt "Psipenta.com" - eine objektorientiert aufgebaute und für die mittelständische Fertigungsindustrie konzipierte ERP-Lösung - wie auch die Konkurrenzprodukte E-Business-Funktionalitäten.

Doch stärker als SAP oder die ebenfalls börsennotierten Wettbewerber Infor, Brain International und Bäurer bekamen die Berliner den Y2K-Investitionsstau zu spüren. So legte der Umsatz im "Psipenta"-Produktgeschäft (Lizenzen, Softwareerstellung und -Pflege, Hardware) lediglich um 6,5 Millionen Mark auf 69,1 Millionen Mark zu - ein Plus von 10,4 Prozent. Wie sehr der Psipenta GmbH das Jahr-2000-Problem zusetzte, dokumentiert vor allem das eigentliche Lizenzgeschäft, das gegenüber dem Vorjahr von 28 auf 20 Millionen Mark einbrach.

Positiver verlief für den PSI-Konzern das Systemgeschäft, wo das Unternehmen auf Projekte mit kundenindividuellen Softwarelösungen spezialisiert ist und namhafte Großkonzerne in den Zielmärkten Energie und Produktion zu seinen Kunden zählt. In diesem Bereich, der insgesamt 71 Prozent zu den Einnahmen beisteuerte, konnte der Umsatz 1999 um knapp 40 Prozent auf 172,9 Millionen Mark gesteigert werden.

82 Prozent entfielen hier auf die Sparte Softwareerstellung und -pflege. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ging im letzten Jahr allerdings ein größerer Hardwareposten (25,6 Millionen Mark) in die Konzernbilanz ein. Unterm Strich wies PSI im Systemgeschäft für 1999 einen Überschuss von 29,2 Millionen Mark aus, womit jedoch die bereits erwähnten Verluste im ERP-Bereich nicht kompensiert werden konnten.

In seinem Stammgeschäft profitiert PSI derzeit stark von der Deregulierung der Energiemärkte. Mehrere Großaufträge konnten in den letzten Monaten akquiriert werden. Die rasant steigende Zahl neu entstehender virtueller Marktplätze stellt allerdings auch hier die Anbieter vor neue Herausforderungen. "Wir haben das Jahr 1999 genutzt, uns neu zu positionieren", erklärte Jaeschke. Um im Zukunftsmarkt Ressourcen-Management via Internet zu den Major Playern zu gehören, verstärkten sich die Berliner mit strategischen Akquisitionen und Beteiligungen. Übernommen wurde beispielsweise die im Internet- und TK-Markt operierende Nentec Netzwerktechnologie GmbH mit Sitz in Karlsruhe. 66 Prozent hält PSI außerdem an der ebenfalls in Berlin ansässigen Ubis GmbH, einem auf E-Business-Anwendungen im Bankenumfeld spezialisierten Unternehmen.

Trotz der vielversprechenden Neuausrichtung im Bereich Internet ist für die Berliner der Traum vom Global Player im ERP-Sektor fürs Erste geplatzt. Die mit hohen Investitionen errichteten Niederlassungen in Frankreich und den USA, beides Tochterunternehmen von Psipenta, mussten im letzten Jahr wieder aufgelöst werden. Allein die US-Dependance bescherte dem Unternehmen 1999 einen Verlust von annähernd fünf Millionen Mark. Nach wie vor sind die Berliner intensiv auf der Suche nach einem Übernahmekandidaten im Vertriebs- und Systemintegrations-Bereich, um den eigenen Lizenzverkauf in den USA zumindest im zweiten Anlauf erfolgreich zu starten.

Nicht zuletzt aufgrund der Rückschläge im Auslandsgeschäft lautet die entscheidende Frage auch weiterhin, wann die defizitäre ERP-Tochter Psipenta den Sprung in die Gewinnzone schafft. Jaeschke stellte den Breakeven zwar abermals für dieses Jahr in Aussicht - allerdings nicht vor dem vierten Quartal. Um an der Börse nicht wieder mit einer Gewinnwarnung zu enttäuschen, wurde für das Produktgeschäft erneut ein Minus eingeplant. Was den Gesamtkonzern PSI angeht, rechnet Jaeschke für 2000 mit über 300 Millionen Mark Umsatz und neun Millionen Mark Gewinn.

* Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb.: Licht und Schatten: Der Konzernumsatz von PSI klettert konstant, aber das "Psipenta"-Produktgeschäft macht den Berlinern wenig Freude. Quelle: PSI AG