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19.09.1980 - 

Einführung der EDV in Klein- und Mittelbetriebe:

PU baut Computer-Schwellenangst ab

Die mittelständische Wirtschaft steht heute unter einem besonders starken Wettbewerbsdruck - auch deshalb, weil de gegenüber Großunternehmungen hinsichtlich ihrer Rationalisierungsmöglichkeiten benachteiligt ist. Dies wirkt sich schon im Fertigungssektor aus; in weit stärkerem Maße aber noch im Bereich der betrieblichen Datenverarbeitung. Wichtigstes Hilfsmittel zur Rationalisierung der Datenverarbeitung ist die EDV selbst. Das betriebswirtschaftliche Institut für Organisation und Automation (Bifoa) in Köln hat für diese Zielgruppe als Entscheidungshilfe eine Programmierte Unterweisung entwickelt.

Datenverarbeitung kam in der Vergangenheit hauptsächlich für größere Unternehmungen in Frage, da kleinere Betriebe nicht in der Lage gewesen wären, die hohen Gerätekosten zu tragen und eine wirtschaftliche Auslastung der Anlagen zu gewährleisten. Diese Situation hat sich seit Beginn der 70er Jahre grundlegend geändert. Das deutlich verbesserte Preis-/Leistungsverhältnis ermöglicht es Betrieben nahezu jeder Größenordnung EDV einzusetzen.

Dennoch werden die vorhandenen Möglichkeiten von der mittelständischen Wirtschaft nur unzureichend genutzt. Ursache hierfür ist vor allem der mangelnde Informationsstand der Verantwortlichen und - eng damit zusammenhängend - eine gewisse Schwellenangst vor der Computertechnologie, die die Einstellung mittelständischer Führungskräfte noch weitgehend bestimmen und den rechtzeitigen Entschluß für EDV verhindern.

Der erste Schritt

Sollen die Rationalisierungsreserven der Datenverarbeitung erschlossen werden, so stellt sich dem Management in Klein- und Mittelbetrieben die Aufgabe, sich mit den Chancen und Problemen der Computernutzung eingehend zu beschäftigen.

Dies vor allem aufgrund der Tatsache, daß in mittelständischen Betrieben alle wesentlichen Aktivitäten der EDV-Einführung von der Unternehmensspitze auszuführen sind; zumindest müssen die Impulse zur Umstellung und erste Schritte der Anlagenauswahl, Vertragsverhandlungen, Finanzierung etc. vom Unternehmer selbst ausgehen. Ziel muß es deshalb sein, die Führungskräfte zu befähigen, über Auswahl und Einsatz von Computern Entscheidungen treffen zu können, die den betrieblichen Anforderungen gerecht werden.

Eine Überwindung der vorhandenen Wissenslücken in Form von umfassenden Seminaren und Lehrgängen weist allerdings erhebliche Probleme auf, da gerade in kleineren Betrieben die Unternehmungsleitung mit täglicher Routinearbeit und aktuellen Problemen zeitlich sehr belastet sowie infolge der innerbetrieblichen Entscheidungsstrukturen nur schwer abkömmlich ist. Ein externer EDV-Lehrgang von mehreren Tagen kommt daher kaum in Betracht.

Lernkonzept Im Buch

Einen Ausweg aus dem Dilemma bietet der Einsatz programmierter Unterweisungen. Da diese bisher für die vorliegende Zielgruppe nicht verfügbar waren, wurde am "Bifoa" im Rahmen eines Forschungsprojektes ein adressatenspezifisches Lernprogramm entwickelt.

Dabei wurden zunächst die aus der besonderen personellen und organisatorischen Situation mittelständischer Unternehmen resultierenden Bedürfnisse und Anforderungen detailliert analysiert und einer Analyse des Marktes für Kleincomputer, Software- und Beratungsleistungen gegenübergestellt. Darauf aufbauend konnte ein spezielles Lernkonzept entwickelt werden, das schließlich in ein Handbuch umgesetzt wurde. Dieser Titel von dem Autorenteam Grochla, Gurth, Lehmann, Puhlmann Reicherts, Tiemeyer, Weber heißt "Handbuch der Computer-Anwendung - Auswahl und Einsatz der EDV im Klein- und Mittelbetrieb", ist im Vieweg Verlag 1980 herausgekommen und kann Anspruch darauf erheben, gleichzeitig als Arbeitsbuch für Praktiker, als Lernprogramm zum Selbststudium sowie als Kompendium zum Nachschlagen zu gelten. Das Lernprogramm ist für die speziellen Bedürfnisse mittelständischer Führungskräfte konzipiert und sowohl in zeitlicher (umfangmäßiger) als auch in sprachlicher Hinsicht auf diesen Adressatenkreis abgestimmt. Dabei widmet sich das Handbuch vor allem den Problemen, mit denen sich der Praktiker direkt konfrontiert sieht: Auswahl von Hardware und Software Finanzierung, Vertragsverhandlungen, - Personal-Einsatzvorbereitung etc.; Beispiele und Übungsaufgaben sind -an der rnittelständischen Praxis orientiert.

Neben der inhaltlichen Ausrichtung wird die Effizienz programmierter Unterweisungen weitgehend von der gewählten pädagogisch-didaktischen Konzeption . bestimmt. Zentrales Merkmal programmierter Unterweisungen ist die Lenkung des Lesers in vorbestimmten kleinen Lernabschnitten auf ein bestimmtes Ziel hin. Die einzelnen Lernelemente des Programms sind dabei von den Lernenden in den festgelegten Lernschritten zu erarbeiten, wobei diese zu einer Sequenz (als geschlossene Lerninformation beziehungsweise gedanklichem Abschnitt) verbunden werden. Bezüglich der lernmethodischen Gestaltung ergeben sich hier zwei grundsätzliche Alternativen: Ein Ansatz, das "discovery learning", begreift das Lernen als selbstentdeckenden Lösungsprozeß, während das "reception learning" davon ausgeht, daß strukturiert angebotener Lernstoff zeitsparender erlernt und auch - gerade aufgrund der strukturierten Rezeption - besser behalten wird.

"guided discovery"

Für das vorliegende Ausbildungsproblem erschien es sinnvoll einen - gewissermaßen übergreifenden - Ansatz zu wählen, das "guided discovery". Dabei werden die Merkmale des selbstentdeckenden Lernens beibehalten, die Bildung abwegiger Hypothesen über den Lern- beziehungsweise Problemgegenstand durch entsprechende Strukturierung des Arbeitsmaterials und gezielte Anweisungen allerdings unterbunden. Der Lerninhalt wird logisch geordnet dargeboten und enthält Fragen, deren Beantwortung die Aufmerksamkeit auf die als relevant angesehenen Konzepte und Hypothesen lenkt.

Eine solche Vorgehensweise bietet unter anderem folgende Vorteile:

- höhere Motivation des Lesers (Instruenden), die auf die Entstehung eines "Quasi"-Bedürfnisses nach Problemlösung und die kurzfristige Erfolgsbestätigung zurückzuführen ist;

- vermehrte Flexibilität in der Gestaltung von Lernprogrammen, da das zentrale Kriterium in der erfolgreichen Veranlassung des Instruenden zu problemlösendem Verhalten liegt;

- der Instruend kann zugleich lernen, "wie man lernt"; es werden also generelle Heuristiken und Arbeitstechniken mitgelernt;

- durch das Aufbauen "neuer Operationen" kann die Qualität des Gelernten verbessert werden. Die "Einsicht" allerdings - Voraussetzung zum Aufbau neuer Operationen kann auf diese Weise nur vorbereitet werden.

Letzteres zeigt bereits die wesentlichste Einsatzgrenze der programmierten Unterweisung auf: Der gesamte zusammenhängende Lemstoff muß sich vollständig in Regeln und Beispielen aufgliedern lassen. Da dieses Verfahren zudem vorwiegend stoff- und nicht zielorientiert ist sowie kaum lerntheoretische Aspekte mit einbezieht, ist es nur für einen Teil der Lernziele verwendbar.

Hoher Effizienzgrad

Es besteht deshalb allgemein Einigkeit darüber, daß programmierte Unterweisungen nicht isoliert, sondern nur im Methodenverbund, also in Kombination mit anderen Lernsystemen sinnvoll eingesetzt werden können. Untersuchungen weisen einen hohen Effizienzgrad solcher Verbundsysteme im Vergleich zu Mono-Lernsystemen nach, wobei allerdings je nach der Bedingungsstruktur der Lernenden eine unterschiedliche Kombinationsform zweckmäßig ist. Dem Aktionsfeld, den Arbeitsbedingungen sowie dem Ausbildungsstand des mittelständischen Unternehmers angepaßt, dürfte es sinnvoll sein, die vorliegende programmierte Unterweisung dennoch durch kurze (zeitliche vor- und/oder nachgelagerte) Seminare zu ergänzen. Erfahrungen zeigen, daß aufgrund des begrenzten Zeitbudgets der Adressaten hierfür maximal ein bis zwei Tage zur Verfügung stehen. Die Vermittlung des Faktenwissens wird dann primär in die Form des Selbststudiums verlagert, während die Seminarzeit vor allem für eine Problematisierung, Aktualisierung und Vertiefung der Thematik (insbesondere durch Fallstudieneinsatz und Erfahrungsberichte über Anwenderunternehmungen) genutzt werden kann.

* Dipl.-Hdl. Ernst Tiemeyrer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des "Bifoa", Köln.