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23.02.1979

Publikumswirksam reden

In diesen Tagen hat die COMPUTERWOCHE bei einem Teil ihrer Leser durch "qualifizierte Interviews" ausloten lassen, ob denn diese Zeitung redaktionell draufliegt, also erkennt, wo die Branche der Schuh drückt, ob Bericht und Wirklichkeit übereinstimmen vor allem dann wenn sich die COMPUTERWOCHE kritisch mit Trends auseinandersetzt.

Um es vorwegzunehmen und zusammenzufassen: Mit einer so positiven Einschätzung sei er, so bekundete der durchführende Marktforscher, noch nie konfrontiert worden.

Nun schlagen wir uns nicht eitel auf die Schenkel, weit wir hier "dat jelbe von' Ei" entdeckt hätten: Dieser Redaktion ist bloß verdeutlicht worden, daß hier der gesamten Fachpresse hohes Lob gezollt wird, sofern sie sich engagiert wie die CW, mit redaktioneller Eigenleistung wie die CW, kritisch und kompetent wie die CW für Anwender-Interessen einsetzt.

Das eigentlich Bemerkenswerte ist jedoch: Ob hochdotierter Manager im DV-Bereich, ob Spezialist- sie leiden samt und sonders unter der Furcht, von Information über technologisches organisatorische Trends ausgeschlossen zu werden. Macht und Hierarchie offenbaren sich in dieser Branche dadurch, daß Informationen vorenthalten, nicht weitergegeben werden.

Und: Informations-Rückstand gilt in diser Branche als nicht aufholbar.

Dabei nimmt, auch dies klare Aussage der Umfrage, der Leistungsdruck auf die Datenverarbeiter rapide zu, weil sie sich plötzlich regelmäßig Kosten-/Nutzen-Aspekten unterwerfen müssen, weil nirgendwo der Elfenbeinturm steht, in dem Programmabteilung und Organisation Verbindliches für das Unternehmen stricken.

Was nach Revolution klingt und sie vielleicht auch einleitet: Die Hörigkeit gegenüber dem Hersteller ist dem kritischen Überdruß gewichen, von ihm abhängig zu sein, von ihm Informations-abhängig gehalten zu werden.

So vollzieht sich draußen eine überraschende, für eine Redaktion aber nur wünschenswerte Wende: Die Bereitschaft der Anwender, über ihre Erfahrungen mit dem Hersteller zu berichten, wächst.

Daß gepoolte Erfahrung zu gebündelten Interessen führt, daß sich der DV-Verbraucher durch dieses Bündnis in eine stärkere Rolle gegenüber dem Diktat der Hersteller versetzt, dies alles ist das Signal dafür, daß der Marsch in die Mündigkeit begonnen hat.

Originalton aus einem Anwender-Interview: "Wir fühlen uns vom Hersteller an der Nase herumgeführt." Hersteller-Information wird nur da bedingungslos akzeptiert, wo sie maschinenorientiert, produktorientiert ist.

Wenn Anwender nun ernsthaft darangehen, sich durch Vergleich publikumswirksam abzureden, dann wird wohl demnächst auch das liebgewordene Mainframer-Argument in die Mottenkiste wandern: "Keine Anwendung sei mit der anderen vergleichbar".

Offensichtlich haben Hersteller in der Vergangenheit zu reichlich die Anwendung selbst als Problemursache hingestellt, während Produktschwächen, Schulungsprobleme und Manpower-Engpässe beim Hersteller die auslösenden Fehlerfaktoren lieferten.

Daß dem so war, das wird auch deutlich, seitdem die Scheu vor dem Gang zum Kadi als Ultima ratio schrumpft. Es wird deutlich, weil sich bei den neutralen Sachverständigen die "gleichartigen Fälle" häufen.

Und weil auch die Richter erkennen, wie zwischen den Rändern mancher Anwendungs-Konzepte lediglich warmer Wind weht, wird der Spielraum für störanfällige Beziehungen zwischen Lieferant und Abnehmer auch hier zugunsten der Abnehmer, zum Vorteil des DV-Verbrauchers, eingeengt.

Die Fachpresse als Sittenwächter an diesem Weg:

O. K., eine fordernde, eine befriedigende Aufgabe.

Wir werden sie wahrnehmen. Daß die enge Kommunikation in diesem Dreieck Anwender -Hersteller -Presse nur funktionieren kann, wenn jeder die Sprache des anderen versteht, dies ist klar. Die CW wird's deshalb in Zukunft noch weniger an Deutlichkeit fehlen lassen. Nur: Wo wir bisher gekürzt gemorst haben - da wollen wir versuchen, deutliche Langschrift zu reden.