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20.06.1997 - 

Interview

"Push-Dienste nehmen dem Internet den Erlebniseffekt"

CW: Lycos hat rote Zahlen geschrieben. Kann ein Suchdienst überhaupt profitabel arbeiten?

DAVIS: Ja, wir haben Verluste gemacht, nähern uns aber von Quartal zu Quartal immer mehr der Profitabilität. Es dauert eben seine Zeit, einen Markennamen zu etablieren und das Unternehmen in die Profitzone zu bringen.

CW: Wann wird Lycos den Return on Investment schaffen?

DAVIS: Nach den Prognosen der Börse werden wir in zwei Jahren profitabel sein. Wir selbst rechnen aber damit, noch in diesem Jahr schwarze Zahlen zu schreiben.

CW: Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

DAVIS: Suchmaschinen entwickeln sich seit 1996 zum erfolgreichsten Werbeplatz im Web. Hier laufen 60 Prozent der gesamten Online-Commercials. Mittlerweile werben auf den Lycos-Seiten in den USA 300 Firmen mit 500 Marken.

CW: Was kann man damit verdienen?

DAVIS: Die Schätzungen der Analysten für Web-Advertising in den USA liegen mittelfristig bei einer Größenordnung von vier bis neun Milliarden Dollar.

CW: Wie laufen Ihre eigenen Geschäfte mit dem Web-Advertising?

DAVIS: Derzeit ist es noch verhältnismäßig leicht, diesen Markt zu erschließen, weil es nur wenige Anbieter gibt. Im Moment verzeichnen wir 500 Prozent Wachstum bei den Werbetreibenden.

CW: Welche Größenordnung haben die Verträge?

DAVIS: Das ist ganz unterschiedlich. Viele Kunden haben mit kleinen Investitionen in Höhe von rund 30000 Dollar begonnen, um einmal in die Web-Werbung hineinzuschnuppern. Mittlerweile ist die Zahl der Verträge und deren Volumen gestiegen. Wir haben zum Beispiel einen Kunden mit einem Werbebudget von zwei Millionen Dollar für zwölf Monate.

CW: Was erwarten sich die Kunden von der Werbung im Web?

DAVIS: Sie erhoffen sich, Markennamen über das Internet bekannt zu machen, sowie den Vorteil des direkten Marketings.

CW: Worin liegt der?

DAVIS: Das Internet hat für den Werbetreibenden den Vorzug, daß er den Surfer, wenn er seine Aufmerksamkeit erregt hat, direkt auf seine Seiten locken kann, ohne große Marketing-Ausgaben. Damit hat das Web-Advertising gegenüber dem Print-Medium und Fernsehen klare Vorteile.

CW: Trotz der Einnahmequelle Internet-Werbung stellt sich die Frage, ob Suchdienste auf Dauer überleben können.

DAVIS: Das Internet ist und bleibt ein Chaos ohne Struktur und Regeln. Es ist ohne Suchdienste nicht sinnvoll zu nutzen.

CW: Für wie viele Anbieter ist am Markt Platz?

DAVIS: Nicht alle Anbieter von Suchmaschinen werden überleben. Es wird zwei bis drei dominierende Provider geben, und einige werden sich Nischenmärkte erobern können. Lycos will natürlich seine Stellung als größter und am meisten genutzter Provider halten. Ich betrachte eigentlich nur Yahoo als ernsthaften Konkurrenten. Alle anderen haben, soviel ich weiß, Probleme mit Investment und Profitabilität.

CW: Graben Push-Dienste den Suchmaschinen nicht das Wasser ab?

DAVIS: Nein, im Gegenteil. Push-Dienste sind für uns sehr wichtig. Sie sind eine Ergänzung zur Suchmaschine, aber kein Ersatz. Wir werden in Kürze selbst solche Techniken anbieten.

CW: Push-Dienste liefern dem Anwender aber automatisch Informationen zu Themen, die er selbst definiert.

DAVIS: Ja, sie stellen zwar gezielt Informationen bereit, nehmen dem Anwender aber den Erlebniseffekt des Internet. Das Surfen gehört zum Internet wie das Blättern zum Zeitunglesen.

CW: Sie kooperieren in Deutschland jetzt mit Bertelsmann. Ist Lycos auf der Suche nach einem Investor?

DAVID: Nein, im Moment suchen wir keinen Investor, aber man kann es für die Zukunft auch nicht völlig ausschließen. Lycos hat derzeit eine gute finanzielle Grundlage, Ende des ersten Quartals verfügten wir über 40 Millionen Dollar flüssige Mittel.

CW: Was versprechen Sie sich von der Allianz mit Bertelsmann?

DAVIS: Yahoo und viele andere Anbieter kommen nach Europa und versuchen hier in eigener Regie, landestypische Services aufzubauen. Wir sind aber, ebenso wie die anderen, zu klein, um für jedes Land der Welt gute lokale Inhalte zu liefern. Dieser Ansatz ist naiv. Unsere Ressourcen sind voll im US-Markt gebunden. Deutschland braucht aber deutsche Inhalte, für die Bertelsmann sorgen wird.