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Consulting-Sparte stärkt das Servicegeschäft

PWCC-Übernahme bringt IBM-Konkurrenz in Zugzwang

09.08.2002
MÜNCHEN (wh) - Nach der geplanten Übernahme von Pricewaterhouse-Coopers Consulting (PWCC) durch IBM erwarten etliche Analysten eine Konsolidierungswelle im Markt für IT-Services. Doch ein Erfolg der Akquisition hängt davon ab, wie IBM die schwierige Integration der PWC-Berater bewältigt.

Auf den ersten Blick ändert sich nicht viel. IBM ist und bleibt die Nummer eins im Markt für IT-Dienstleistungen. So oder ähnlich reagierten nicht wenige Branchenkenner auf die angekündigte Akquisition. Gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl von IBM Global Services (IGS) mag diese Einschätzung stimmen, sowohl weltweit als auch in Europa.

Mit Ausnahme der Niederlande zähle IGS zu den drei größten Anbietern in jedem einzelnen europäischen Land, argumentiert etwa Jean-Christian Jung vom Beratungs- und Marktanalyseunternehmen Pierre Audoin Conseil(PAC).

Mit 150000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 35 Milliarden Dollar erwirtschaftet IGS schon jetzt mehr als 40 Prozent von IBMs Konzernumsatz. Die Zustimmung von Kartellbehörden und PWC-Ländergesellschaften vorausgesetzt, kommen zum 1. Oktober 2002 rund 30000 Mitarbeiter hinzu mit einem für das laufende Jahr geschätzten Umsatzvolumen von 4,9 Milliarden Dollar. Von einem "quasi Nobody in der Management- und Strategieberatung" könnte sich Big Blue weltweit zur Nummer drei hinter McKinsey und Accenture aufschwingen, so Jung.

Branchenausrichtung

Rudolf Bauer, IGS-Chef für Zentraleuropa, versetzte die überraschende Nachricht aus der Firmenzentrale denn auch in "helle Begeisterung". PWC Consulting (PWCC) sei in jeder Hinsicht der Wunschpartner gewesen. Mit ihm ergänze IBM sein Portfolio an IT-Produkten und Services um das benötigte Know-how auf den Feldern Geschäftsprozesse, Business-Strategie und Branchenwissen.

Auch Pascal Matzke, Analyst bei der Giga Information Group in London, nennt solche Vorzüge. Mit Business Process Reengineering und Business Process Outsourcing als letztem Schritt in der Praxis offeriere der Consulter zudem "Highend-Services", die in der Regel höhere Margen einbrächten als rein technische Dienstleistungen. Hinzu komme die verglichen mit IBM stärker nach Branchen ausgerichtete Organisation von PWCC. Insbesondere in den Segmenten Finanzdienstleistungen, Behörden, Pharma und Transportwesen mache sich die vertikale Gliederung durch gute Kundenkontakte auf Topmanagement-Ebene bezahlt.

Weniger eindeutig fallen die Kommentare zu den potenziellen Marktauswirkungen des 3,5 Mil-liarden Dollar schweren Deals aus. Matzke erwartet eine Zweiteilung des Marktes, aus der "One-Stop-Anbieter" wie IBM, EDS oder auch CSC als dominierende Player hervorgingen. Auf der anderen Seite verbleibe eine große Zahl von Nischenanbietern, die sich auf Kernkompetenzen wie Applikationsentwicklung oder reine Management-Beratung konzentrieren müssten. "Zwischen diesen Polen wird es eng", meint der Analyst. "Accenture wird sich umschauen müssen."

Thomas Siegner, Marketing-Leiter beim Münchner Systemhaus Softlab, relativiert diese Einschätzung. Im Gegensatz etwa zur PC-Industrie sei der Servicemarkt noch immer stark fragmentiert. Je nach Erhebung halte IBM im Consulting-Geschäft auch nach dem Zukauf nur zirka drei Prozent Marktanteil: "Von einer marktbeherrschenden Stellung kann keine Rede sein."

Eng werden könnte es zumindest für die großen deutschen Anbieter, allen voran T-Systems und Siemens Business Services (SBS). Beide Unternehmen befinden sich in einer schwierigen Restrukturierungsphase; stärker noch als für einige Konkurrenten lautet für sie das oberste Gebot der Stunde Kostensenkung. Nach Ansicht Matzkes kämpfen die Lokalgrößen an zwei Fronten: "Auf dem heimischen Markt ist der Anteil des Business Consulting zu gering, international fehlt die Präsenz." Für SBS komme es nun entscheidend darauf an, die richtige Akquisition zu tätigen oder internationale Kooperationen einzugehen. Als potenzieller Übernahmekandidat, nicht nur für SBS, gilt insbesondere Deloitte Consulting.

In der Münchner SBS-Zentrale ist davon nichts zu hören. "Wir konzentrieren uns darauf, unser eigenes Haus zu bestellen", teilte Sprecher Jörn Roggenbuck mit. Zu den Aktivitäten der Konkurrenz nehme man in der Regel nicht Stellung. Ganz anders Hewlett-Packard: Nachdem die Bemühungen der Kalifornier, PWCC zu übernehmen, vor rund zwei Jahren am zu hohen Kaufpreis gescheitert waren, ging das Management unmittelbar nach Bekanntwerden des IBM-Deals in die Offensive.

HP winkt ab

PWCC habe erst vor zwei Wochen erneut Kontakt mit HP aufgenommen, erklärte Juergen Rottler, Vice President bei HP Services in Mountain View. Die vorgeschlagenen Übernahmekonditionen seien mit dem von IBM zu bezahlenden Preis von 3,5 Milliarden Dollar vergleichbar gewesen; HP habe aber abgelehnt. Als Unternehmenschefin Carleton Fiorina im Herbst 2000 die Übernahme von PWCC anstrebte, lag der Preis zunächst bei rund 18 Milliarden Dollar.

Konsequenzen könnte die Übernahme von PWCC aber auch für andere Anbieter haben. Besonders Accenture und Cap Gemini versuchen derzeit, das schrumpfende Beratungsgeschäft durch zusätzliche Umsätze mit Outsourcing-Projekten auszugleichen, traditionell eine Domäne von IBM Global Services.

Trotz der guten Ausgangsposition Big Blues ist ein Erfolg der ersten großen Akquisition unter Sam Palmisano keineswegs garantiert. Entscheidend dürfte sein, wie es IBM gelingt, die PWC-Mannschaft zu integrieren. Gemeint ist damit nicht nur die organisatorische, sondern vor allem die kulturelle Einbindung. "Da treffen Welten aufeinander", meint etwa Siegner. Die rund 1300 PWCC-Partner sind es gewohnt, innerhalb der Ländergesellschaften selbständig mit eigener Gewinn- und Verlust-verantwortung zu arbeiten.

"Kulturschock"

Eine Eingliederung in die streng hierarchisch aufgebauten IBM-Strukturen bedeute für die selbstbewussten Consultants einen "Kulturschock", den wohl nicht alle verkraften würden, sagt auch Matzke. Viel stärker als bisher werde Big Blue die Ländergesellschaften in eine unternehmensweite Disziplin einbinden. "Es wird eine große Herausforderung für IBM, die besten Berater an Bord zu halten", kommentierte Andy Efstathiou von der Bostoner Yankee Group.

Für die werde es künftig ohnehin schwerer, lautet ein anderes Argument der Kritiker. Unter dem Dach des IBM-Konzerns verlören die Berater ihre Neutralität und könnten so manchem Kunden als verlängerter Arm der IBM-Vertriebsmannschaft erscheinen. IGS-Manager Bauer mag diesen Einwand nicht gelten lassen. "Objektivität hat heute einen anderen Stellenwert als vor drei oder vier Jahren." Der Nachteil einer vermeintlich geringeren Herstellerneutraliät werde aufgewogen durch die Kundenforderungen nach einer "End-to-End-Verantwortung" des Consultant. Der solle seine Versprechen auch halten. "Wer ein Beratungskonzept vorlegt, muss es künftig auch umsetzen können", so Bauer.

Zum Opfer fallen werden der Übernahme jedenfalls etliche enge Partnerschaften, die PWCC mit IBM-Konkurrenten wie EDS oder auch HP gepflegt hat. Weniger kritisch dürfte dagegen die in den Medien hervorgehobene Tatsache sein, dass Pricewaterhouse-Coopers LLP weiterhin als Wirtschaftsprüfer von IBM agieren wird. Zwar fordern einige IBM-Großaktionäre einen Wechsel. Doch laut dem Konzern ist das Thema schon im Vorfeld der Akquisition mit der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) besprochen worden.

Eckdaten zur Übernahme von PWC Consulting

IBM will laut einer Absichtserklärung für PWC Consulting (PWCC) 2,7 Milliarden Dollar in bar bezahlen, 400 Millionen Dollar über eine Wandelanleihe und weitere 400 Millionen Dollar in Aktien. Die Übernahme werde den Gewinn für das vierte Quartal mit 30 Cent je Aktie belasten, kündigte Finanzchef John Joyce an. Der Kauf soll sich ab dem vierten Quartal 2003 positiv auf das Ergebnis auswirken.

Ursprünglich hatte PWC Consulting (PWCC) zum 1. August 2002 den Börsengang unter dem Namen Monday angestrebt. Die PWC-Ländergesellschaften, die sich im Besitz der weltweit 9000 Partner befinden, müssen der Übernahme noch zustimmen, ebenso die Kartellbehörden.

Zum 1. Oktober 2002 sollen alle rund 30 000 PWCC-Mitarbeiter auf IBMs Gehaltsliste stehen. In Deutschland sind zirka 2000 Angestellte betroffen. Damit wächst die Belegschaft des Dienstleistungsbereichs weltweit auf rund 180000. Organisatorisch legt IBM die Global-Services-Sparte Business Innovation Services (BIS) mit PWCC zusammen. Deren Markenname wird aufgegeben. Zum 1. Januar 2003 soll die weltweit agierende Geschäftseinheit an den Start gehen. Chefin des Beratungsarms wird Virginia Rometty, derzeit General Manager von IGS Americas.