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22.10.1993 - 

Grossrechner bearbeitet Datenbankanfragen mit bis zu 16 RISC- Prozessoren

Pyramid stellt Unix-Server fuer kommerzielle Anwendungen vor

MUENCHEN (wm) - Nur einige wenige Rechner liefert Pyramid pro Jahr aus, verglichen mit anderen Server-Anbietern wie Se- quent, HP oder ICL. Doch diesen Umsatz macht der amerikanische Hersteller mit seinen Unix-Grossrechnern vor allem am kommerziellen Markt, dem angestammten Gefilde fuer Mainframes. Anfang Oktober praesentierte das Unternehmen den Rechner "The Nile Series", der diese Konkurrenz noch verschaerfen soll.

"Unsere Kunden verwenden zum Beispiel R/3 von SAP oder arbeiten mit grossen Oracle-Datenbanken", sagt Juergen Metzger, Geschaeftsfuehrer der Pyramid Technology GmbH. "Wir wenden uns an Banken und Finanzinstitute sowie Behoerden oder Krankenhaeuser. Wir konnten jedoch vor kurzem auch eine groessere Anlage an die Firma Steyr-Daimler-Puch in Oesterreich verkaufen, und das erste Modell der Nile-Serie ging an den Adressbuchverlag Dumrath und Fassnacht in Hamburg."

Diese Kunden lassen sich den Umstieg auf einen Unix-Rechner mit parallel geschalteten Prozessoren einiges kosten: Mindestens 500 000 Mark muss man fuer einen Nile-Server auf den Tisch legen und erhaelt dafuer in der Grundausstattung einen Rechner mit zwei parallel arbeitenden Prozessoren.

Beide Prozessoren stecken auf einem Einschubmodul und haben jeweils einen eigenen Zu- gang zum Systembus ("R-Bus"). Zusaetzlich integriert Pyramid vier RS232-Schnittstellen, einen SCSI-2- und einen Ethernet-Controller, ueber die der Rechner gestartet und gesteuert werden kann; bei einer Stoerung dienen diese Verbindungen auch fuer die Fehlerdiagnose.

Stecken mehrere dieser Einschubmodule im Rechner (bis zu acht mit insgesamt 16 CPUs), so wird ein Fehler automatisch ueber ein "Error reporting network" an alle Module gemeldet. Pyramid will so erreichen, dass ein Fehler nicht zum Ausfall des Rechners fuehrt und Diagnose sowie Reparatur einfacher werden.

"Neben der Sicherheit steht die Verarbeitungsgeschwindigkeit an oberster Stelle auf dem Wunschzettel der Pyramid-Kunden", ergaenzt der Geschaeftsfuehrer Metzger. Auch dafuer setzt das Unternehmen massiv Technik ein: Das beginnt beim R4400MC-Prozessor von Mips Computer Inc. Das Modell R4400MC leistet etwa 92 Specint und liegt damit auf gleicher Hoehe wie ein Alpha-Prozessor mit einer Taktge- schwindigkeit von 182 Megahertz. 150 Millionen Taktsignale erhaelt der R4400-Prozessor pro Sekunde; ein Tempo, bei dem nur ein schneller Zwischenspeicher (Cache) mithalten kann. Der Prozessor R4400MC hat 32 KB Primaer-Cache eingebaut, zusaetzlich verfuegt jede CPU noch ueber 4 MB schnellen Sekundaer-Cache (Lesezeit 10 Nanosekunden).

Eine Stufe langsamer laufen die Daten vom Zwischenspeicher zu den anderen Rechnerkomponenten: Der R-Bus nimmt maximal 400 MB Daten pro Sekunde auf, im Durchschnitt duerften allerdings nur etwa 100 MB pro Sekunde ueber diese 128 Bit breite Verbindung laufen, weil zusaetzlich zu den Daten auch deren Adresse uebertragen und Ereignisse koordiniert (synchronisiert) werden muessen. Pyramid will aber bis Ende des Jahres die Uebertragungsgeschwindigkeit ver- doppeln. Statt mit einer Takt- frequenz von 25 Megahertz soll der R-Bus dann mit 50 Megahertz arbeiten.

Ueber den R-Bus erhalten die Prozessoren auch Zugang zum Arbeitsspeicher, der im Nile-Server maximal 4 GB gross sein kann.

Die Aussenwelt des Rechners erreichen die Daten dann ueber vier andere Wege ("Xtend-Bus"), die maximal 32 Ethernet-, 16 Token- Ring-, 16 FDDI- und 64 WAN-Kanaelen Platz bieten.

Festplatten werden ueber SCSI-2-Verbindungen an den Rechner angeschlossen. Nile-Server koennen bis zu 1 Terabyte (TB) Daten verwalten und mit dem Programm "Data Integrity Plus" nach den Raid-Definitionen 0,1 oder 5 auch vor dem Ausfall einer Festplatte schuetzen.

Welche Argumente sollten aber einen Mainframe-Besitzer zum Wechsel auf Pyramids Nile-Server bewegen? Metzger nennt in seiner Antwort zwei Beweggruende: Die skalierbare Leistung im Verhaeltnis zum Preis und das Betriebssystem DC/OSx. Letzteres entspricht Unix System V, Release 4 MP (Multiprozessor-Version), ergaenzt dieses aber um Mainframe-Funktionen:

- "Commercial Security Package" (CPS) bringt Unix auf ein Niveau, das den C2-Sicherheitsvorschriften der US-Regierung entspricht.

- Das "Reliant File System" (RxFS) sichert die Konsistenz der Daten auch bei einem Ausfall des Rechners oder der Festplatten und verkuerzt die Zeit fuer den Wiederanlauf nach einem Stillstand.

Pyramid unterstuetzt mit seinem Betriebssystem DC/OSx viele Datenbanken, zum Beispiel die Produkte von Informix, Ingres, Oracle oder der Software AG (Adabas).

Ferner bietet man SAPs R/3 und Unicenter von Computer Associates an sowie Tuxedo oder Unikix. Darueber hinaus laufen alle Programme, die folgenden Richtlinien entsprechen: Posix 1003.1, Mips Application Binary Interface (ABI) und X/Open, allerdings nur in der Version XPG3.

Daneben argumentiert Metzger mit der Leistung eines Nile-Servers, die sich leicht an die Beduerfnisse anpassen laesst; bei Bedarf genuegt es, eine neue Hauptplatine mit zwei Prozessoren einzubauen. Allerdings steigt nur in der Theorie die Leistung mit der Zahl der CPUs linear an, tatsaechlich gibt es bis heute keinen Rechner, der mit zwei Prozessoren doppelt so schnell arbeitet wie mit einem. Im Nile-Server werden aber immerhin 85 Prozent des maximalen Leistungszuwachses erreicht, das heisst, ein System mit vier Prozessoren braechte 185 Prozent der Leistung eines Zwei-Prozessor- Modells.

Eine Einschraenkung musste Metzger allerdings machen: "Ein Nile- Server kommt dort in Frage, wo Mainframes abgeloest und neue Anwendungen eingesetzt werden. Wir versprechen unseren Kunden nicht, dass sie ihre alten Anwendungen problemlos portieren koennen."