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Softwarezunft übt sich in freiwilliger Selbstkontrolle:

QS-Plakette soll Programmschrott lichten

25.10.1985

BONN/FRANKFURT - Mit der Anerkennung der Prüfbestimmungen für Software und dem Eintrag des Emblems in die Gütezeichenliste durch das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. (RAL) fanden die Querelen um den ,"Qualitätsstempel" nunmehr ein vorläufiges Ende. Dem Anwender sollen künftig nur mehr zwei Zeichen "geprüfte Qualität" signalisieren: das Gütezeichen RAL und die DlN-Plakette des Deutschen Instituts für Normung e.V.

Die Kombination beider Siegel garantiert dem Käufer außer der erfolgten Güteprüfung für Programm und Installation auch eine Begutachtung der Produktbeschreibung und der Dokumentation nach detailliert festgelegten Kriterien (DIN 66285). So muß etwa die Produktbeschreibung eines Programms eine Produktidentifikation, Funktionsbeschreibung, Hardware-Software-Voraussetzungen, Angaben zur Installation und Wartung, Anforderung an den Benutzer sowie Hinweise zur Dokumentation enthalten.

Trägergemeinschaft des neuen Qualitätszeichens ist die Gütegemeinschaft Software e.V. (GGS), Frankfurt, die an der Definition der endgültigen Prüfbestimmungen maßgeblich beteiligt war. Die derzeit rund 80 Mitglieder des Vereins unterteilen sich in drei Gruppen: Außer System- und Softwareherstellern sind auch Anwender wie Quelle, Datev, Bauer Verlag oder Bertelsmann vertreten. Die dritte Partei bilden die autorisierten Prüfstellen aus dem gesamten Bundesgebiet. An diese wenden sich alle Weichware-Produzenten, die ihre Anwendungsprogramme mit dem offiziellen "Qualitätwapperl" versehen wollen.

Bislang dürfen sich sieben Institutionen als offizielle Prüfstelle bezeichnen: die GPS Gesellschaft zur Prüfung von Software mbH, Ulm, Bertelsmann Datenverarbeitung, der Rheinisch-Westfälische TÜV, der TÜV-Norddeutschland, Hamburg sowie TÜV-Rheinland, TÜV-Bayern und TÜV-Stuttgart.

Die GMD Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, Bonn, - sie fungiert hier als "Prüfinstitut für Prüfstellen" - fühlt derzeit weiteren sieben Antragstellern auf den Zahn, darunter zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und einigen Softwarehäusern. Aber auch Hersteller haben bereits ein Gesuch für eine hausinterne Prüfstelle eingereicht, allen voran die IBM, gefolgt von Siemens, Nixdorf und Philips.

Zur Vergabe des Gütesiegels sind die Prüfstellen allerdings nicht berechtigt, dies bleibt allein der Gütegemeinschaft Software vorbehalten. Ein Güteausschuß, bestehend aus zwölf Mitgliedern der GGS und sechs Vertretern des Normenausschusses, für SW-Qualität, nimmt das Prüfergebnis abschließend unter die Lupe.

Die Kosten für das gesamte Prüfzeremoniell - vom Antrag bis zur Verleihung des Qualitätsordens - bewegen sich je nach Funktionsumfang des "Prüflings" von wenigen tausend Mark bis in den Bereich von 100 000 Mark. Insbesondere bei Softwareherstellern, deren Produkte einige Wiederanläufe absolvieren müssen, können sich die Gebühren schnell zu ansehnlichen Beträgen summieren.

Die Vermutung, daß viele Programmierschmieden ihre Erzeugnisse in puncto Qualität häufig überschätzen, scheint sich denn auch zu bestätigen: Nach Bekanntwerden der endgültigen Güte- und Prüfbestimmungen haben einige Softwarehersteller ihre bereits prophylaktisch zur Prüfung angemeldeten Produkte zurückgezogen. "Obwohl nur Mindestanforderungen gestellt werden, sind die Kriterien wohl zu hoch", kommentiert GPS-Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Gütegemeinschaft, Werner Schmid, die vollendeten Rückzieher. "Ohne eine gründliche Überarbeitung, vor allem der Benutzerdokumentation, haben viele Anwendungspakete keine Chance, die Güteprüfung ohne Beanstandung zu durchlaufen." Die Ziele der GGS sind gleichwohl für höhere Regionen gesteckt: Die Gütegemeinschaft will ihre erarbeiteten Bestimmungen der DIN 66285 über die EG in Brüssel erst als europäische Norm durchsetzen und später als weltweiten ISO-Standard festschreiben.

Indes geht die Rangelei um das Gütezeichen Software auch nach der offiziellen Festlegung des "Modus operandi" mit Vehemenz weiter. Der Zentralverband des deutschen Handwerks, Bonn, hat bereits gegen die jetzige Form des Gütesiegels gewettert: "Das ist uns alles noch zu unausgegoren, der Name RAL wird durch das neue Zeichen geradezu abgewertet", schimpft Kurt Pauli, Leiter der Abteilung EDV und Informatik beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Die Verbände verlangen eine zusätzliche branchenadäquate Prüfung der Programme.