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14.08.1998 - 

Machtkampf der Herstellerkonsortien

Qualcomm blockiert den neuen GSM-Standard

Die Standardisierung der nächsten Mobilfunkgeneration "Universal Mobile Telecommunications System" (UMTS) ist bereits abgeschlossen. Im Februar einigte sich die europäische Standardbehörde European Telecommunications Standards Institute (ETSI) auf ein hybrides System, das das Multiplex-Verfahren Wideband Code Division Multiple Access (W-CDMA) verwendet. Damit stand der neuen Mobilfunkgeneration, die den Transfer von Multimedia-Daten mit einer Übertragungsrate von bis zu 2 Mbit/s erlaubt, nichts mehr im Wege.

Doch nun ist die Situation wieder offen. Denn das UMTS zugrundeliegende Verfahren CDMA geht auf eine Qualcomm-Entwicklung zurück, eine in den USA weitverbreitete Technik für Mobilfunksysteme. Dem ETSI verweigerte Qualcomm nun die Lizenz des Multiplex-Verfahrens. In einem Brief an die EU-Behörde schrieb die US-Company, das ETSI solle einen neuen, weltweit kompatiblen Standard entwickeln.

"Wir haben aktiv an der Standardisierung mitgearbeitet, doch das ETSI zeigte wenig Interesse gegenüber unseren Vorschlägen", begründete Bill Bold, Vice-President bei Qualcomm, den Schritt und provozierte damit die Konkurrenz: "Eine außerordentlich riskante Haltung", schimpfte John Giere, Vice-President bei Ericsson, über das Qualcomm-Verhalten. Der Standardprozeß sei zu weit forgeschritten, um ihn neu aufzurollen.

Der Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Machtkampf zwischen der US- und der europäischen TK-Lobby. Das amerikanische Konsortium CDMA Development Group (CDG), dem unter anderem Motorola, Qualcomm, Lucent und Nortel angehören, favorisiert das dem ETSI-Standard gegenläufige Verfahren "IMTS 2000" für die dritte Mobilfunkgeneration. Die CDG-Mitglieder hatten außer Qualcom eigentlich für IMTS 2000 und UMTS Unterstützung zugesagt.

Die europäischen Hersteller wie Ericsson, Nokia, Siemens, aber auch Sony aus Japan vertreiben vornehmlich Equipment gemäß dem Standard Global System for Mobile Communications (GSM), dessen nächste Ausführung UMTS sein soll. GSM-Netzbetreiber, die auf UMTS aufrüsten, können die vorhandene Infrastruktur nutzen. IMTS 2000 dagegen ist vor allem für heutige CDMA-Netzbetreiber einfacher zu implementieren.

Es geht aber vor allem um die Besetzung neuer Märkte. In den USA und in Europa sind die Karten weitgehend verteilt, doch in Asien und Lateinamerika gibt es Netzbetreiber, die vor der Einführung eines neuen Mobilfunksystems stehen. Mit IMTS 2000 und UMTS bieten die konkurrierenden Lager ihnen einfache Migrationsmöglichkeiten von den heute existierenden GSM- und CDMA-Systemen an.