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31.01.1986

Qualifizierten Fremdprogrammierern gehört die Zukunft

Externe Programmier-Unterstützung gehört inzwischen bei vielen DV- Projekten zum Alltag. Die zentrale DV ist vielfach nicht mehr in der Lage, die notwendige Manpower bereitzustellen, und die Fachbereiche sind nicht mehr bereit, lange Realisierungszeiten zu akzeptieren. Neben ausgezeichneter Qualifikation müssen die ins Haus geholten Fremdprogrammierer vor allem anpassungsfähig und flexibel sein. Lange Eingewöhnungszeit wird ihnen nämlich nicht gewährt. Sehr oft werden die Externen zunächst einmal an kleineren Projekten getestet, um das wirklich vorhandene Know-how festzustellen. Org./DV- Leiter Wolfgang

Koppmeyer vom Großversandhaus Schöpflin hat bislang schlechte Erfahrungen mit Mitarbeitern von großen Unternehmensberatungen gemacht. Er bevorzugt mittlerweile Freelancer. Für qualifizierte Programmierer sieht Koppmeyer aufgrund steigender DV-Bedürfnisse der Fachabteilungen eine gute Zukunft voraus. ih

Wolfgang Koppmeyer, Ressortleiter Org./DV, Großversandhaus Schöpflin, Lörrach

Das Einbeziehen von Fremdpersonal für die Programmerstellung ist so alt wie die Datenverarbeitung selbst. Auch in unserem Hause werden die spezifischen Fachabteilungsanforderungen durch den Einsatz von Fremdprogrammierern gelöst. Wir sprechen ständig die besten Firmenprogrammierer an und fordern sie auf, Kurzprojekte zu realisieren, um ihr Fachwissen zu dokumentieren. Wenn der von uns geforderte Qualifikationsstand erkennbar ist, werden diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an langfristigen Projekten beteiligt.

Wie kommt man nun an qualifizierte für das eigene Unternehmen akzeptable Fremdprogrammierer heran?

Einmal ist der Kontakt auf Messen wichtig. Ferner sollten die Schwerpunkte der Unternehmensberatungsgesellschaften bekannt sein. Entscheidend ist vor allem aber die Empfehlung von qualifizierten Kollegen.

Da jedes Unternehmen eigene Qualifikationsstandards voraussetzt, ist es notwendig festzustellen, ob die mitgebrachten Fremdprogrammierer-Qualifikationen ausreichen: Wichtig ist einmal das erworbene Fachwissen, die Spezialkenntnisse sowie die Eigenart, sich schnell in neue Gegebenheiten und an unbekannte Personen zu gewöhnen.

Der Fremdprogrammierer muß sich in unbekannte Aufgaben bei unbekannten Anforderungen schnell einarbeiten können. Schnell heißt aber auch gleichzeitig, daß gute Ergebnisse erbracht werden. Aufgrund unserer Erfahrungen werden Fremdprogrammierer, die in unserem Haus noch nicht gearbeitet haben, erst einmal an kleineren Projekten, die nicht länger als 14 Tage dauern sollten, getestet. Der Test ermöglicht die Aussage, ob die fachlichen Voraussetzungen, das notwendige Handwerkszeug und die geforderte Persönlichkeit vorhanden sind.

Das bedeutet für den Informationsmanager sachliche Projektplanung und -kontrolle. Wenn er nämlich seine eigenen Mitarbeiter ohne Motivation und ohne Manager-Handwerkszeug führt, so wird er bei der Fremdprogrammierung sicherlich Schiffbruch erleiden.

Voraussetzungen für einen qualifizierten Einsatz sind:

- sorgfältige Personenauswahl,

- sauber gegliederte Pflichtenhefte,

- Kenntnis der Unternehmensziele,

- Gliederung des Projekts in Projektphasen,

- kreative Arbeitstechniken des Projektmanagements,

- projektbegleitende Dokumentation,

- Projekttests,

- Fachbereichsschulung.

Jährlich werden etwa zehn Prozent der eigenen Manpower-Kapazität durch Fremdprogrammierer ergänzt.

Die langjährigen Erfahrungen zeigen, daß solche Bindungen nicht nur zu großen Unternehmensberatungsgesellschaften bestehen. Die Qualität der Fremdprogrammierer hängt nicht vom "überragend guten Ruf" ab, sondern von der Qualifikation des eingesetzen Personals.

Außerordentlich schlechte Erfahrungen haben wir mit großen Unternehmensberatungen machen müssen, und im Gegensatz dazu mit den vielgeschmähten Freelancern exzellente Projekte für die Fachbereiche realisieren können. Große DV-Hersteller-Namen und renommierte Organisationsbereiche von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erhielten von unseren Fachbereichen schlechte Zensuren.

Bei der sachgerechten wirtschaftlichen Lösung von Programmierarbeiten ist der Informatikmanager besonders gefordert.

Am wirtschaftlichsten kann er die Problemstellungen der Fachabteilungen mit Hilfe der Fremdprogrammierer erledigen, denn der Fremdprogrammierer braucht keine Ausbildung (er bringt sie bereits mit), kein Urlaub muß einkalkuliert werden und er wird für seine Fehltage auch nicht bezahlt. Aber: Immer dann, wenn man den Fremdprogrammierer braucht, kann man ihn einsetzen.

Wissen wir doch alle, daß ein neu eingestellter Programmierer spätestens nach drei Jahren zu 70 Prozent für die Änderungsprogrammierung tätig ist und damit nur 30 Prozent seiner Zeit verbleibt, um Neuprogrammierungen zu erledigen.

Unsere eingesetzten DV-Verfahren werden immer komplexer,

und damit steigt jährlich der Pflegeaufwand dafür, so daß unsere hausinternen Mitarbeiter immer stärker in die Funktion von Maintenance-Programmierung gedrängt werden.

Nach meiner Meinung haben qualifizierte Spezialisten als Fremdprogrammiererinnen und -programmierer eine anhaltend glänzende Zukunft vor sich. Das liegt am Markt sowie an den Bedürfnissen der Fachabteilungen, die die DV nutzen.

Christa Hunold freiberufliche Programmiererin, Künzell

Der Fremdprogrammierer - wer ist das eigentlich, was ist das eigentlich? Für viele ist die Antwort leicht: Eigenwillig, eigensinnig, vielleicht ein bißchen kauzig, etwas besseres als die anderen - in jedem Fall suspekt. Er ist geldgierig, obwohl er eh schon zuviel verdient, und bei jedem Satz, den er schreibt, klingelt es bei ihm im Portemonnaie. Deshalb eine grundlegende Erfahrung, die jeder Fremdprogrammierer machen wird: Widerstandsfähig muß er schon sein, in jeder Hinsicht.

Natürlich macht er noch die Erfahrung, daß viele andere

Charaktereigenschaften notwendig sind, um im Unternehmen akzeptiert zu werden oder gar wieder Folgeaufträge zu erhalten. Anpassungsfähigkeit

ist eine der gefragten Eigenschaften. Er muß sich optimal an die im Unternehmen übliche Arbeitsweise und Arbeitszeit anpassen. Vorgeschriebene Programmierrichtlinien und die gewohnten Arbeitszeiten müssen eingehalten werden. Längere Arbeitszeiten werden oftmals sonderbarerweise genauso ungern gesehen wie kürzere.

Lernfähig und lernwillig wird er sein müssen, da er bei unterschiedlichen Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen mit den unterschiedlichsten Problemen konfrontiert wird. Er muß also möglichst schnell neue Problematiken durchschauen, in den Griff bekommen und so gut wie möglich lösen. Bei ihm wird immer vorausgesetzt, daß er dazu in kürzester Zeit in der Lage ist.

Auch neue Methoden, neue Modelle, andere Vorgehensweisen dürfen ihn nicht irritieren. Er muß sehr flexibel sein, lange Eingewöhnungszeit bleibt ihm nicht. Anspruchslos muß er manchmal sein, was Arbeitsplatz und Arbeitsbedingungen betrifft - beides ist oft aus Platzgründen nicht gerade ideal.

Ein gewisses Selbstbewußtsein ist unerläßlich, um eventuellen innerbetrieblichen Anfechtungen gewachsen zu sein. Etwas Menschenkenntnis ist nützlich, damit er die unterschiedlichsten Persönlichkeiten möglichst schnell "einordnen" kann, um die

Zusammenarbeit möglichst reibungslos verlaufen zu lassen.

Selbst wenn der Fremdprogrammierer alle obengenannten Eigenschaften mitbringt, genügt das alleine nicht, um die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Experten optimal zu gestalten. Auch das Unternehmen sollte gewisse "Spielregeln" beachten:

Eine gute Einarbeitung und detaillierte Programmbeschreibungen sind die Voraussetzung für das erhoffte Ergebnis. Nur wenn diese Ziel und Ergebnis genau erkennen lassen, kann das entsprechende Produkt erzeugt werden. Auch die Kenntnis der betrieblichen Abläufe ist oft sinnvoll oder gar erforderlich, um mitdenken zu können und nicht nur Vorgedachtes kritiklos auszuführen.

Fertiggedacht sollte ein Konzept sein, bevor die Fremdkapazität eingesetzt wird, weil sonst durch viele Änderungen der Einsatz zu uneffektiv (teuer) wird. Das fordert Unzufriedenheit auf beiden Seiten geradezu heraus. Offen sein für Bedenken, Anregungen, Ideen, die der "Fremde" äußert, ist sicher kein Fehler. Die Einwände basieren auf Erfahrung.

Die Kommunikation im Hause, auch mit den Externen, muß gewährleistet sein, damit auch er über den neuesten Stand der Dinge informiert ist. Man kann dadurch unnötige Mißverständnisse vermeiden. Mit sehr engen Anforderungen an Form und Technik, aber auch an Zeiteintelung und Arbeitsweise sollte das Unternehmen zurückhaltend sein. Vielleicht ist nicht alles gut, was "schon immer so war".

Flexibilität wäre eine Bitte, Vertrauen sollte selbstverständlich sein.

Die obige Zusammenstellung entspricht meinen Erfahrungen, wobei noch zu ergänzen wäre, daß die Zusammenarbeit im allgemeinen recht gut klappt, daß man nach einer gewissen Anlaufzeit eigentlich gern gesehener "Gast" ist, daß eventuelle anfängliche "Kämpfe" meist zugunsten der wirklichen Ziele und echten Probleme beigelegt werden. Für den Fremdprogrammierer bedeutet die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Unternehmen auf jeden Fall Erweiterung des Horizonts und des Fachwissens, Vielfältigkeit und Abwechslung.

Hans-Georg Sontheimer, DV-Leiter, Iveco Magirus, Ulm

DV-Projekte sind heute kaum ohne externe Programmier-Unterstützung abzuwickeln. Auf der einen Seite ist die zentrale DV-Abteilung nicht mehr in der Lage, die notwendige "Manpower" für jedes Projekt kurzfristig bereitzustellen, auf der anderen Seite sind die Fachbereiche nicht mehr bereit, lange Projektrealisierungszeiten zu akzeptieren.

So bleibt oft als einige Alternative das "Body Shopping". Doch damit sind die Probleme meistens noch nicht gelöst. Hat man den Analytiker oder Programmierer mit dem notwendigen "Skill" zu akzeptablen finanziellen Konditionen gefunden, so muß dieser in das Projektteam integriert werden. Dazu ist oft eine Schulung über die unternehmensspezifischen Gegebenheiten und die eingesetzten Softwarewerkzeuge notwendig; während dieser Periode benötigt der "neue Mitarbeiter" genausoviel Zeit wie die Juniorprogrammierer des Hauses.

Bei der Realisierung zeigt es sich dann, ob das Ausbildungs- und Erfahrungsprofil mit den gezeigten Leistungen übereinstimmt. Trotz aller Tests gibt es dabei ab und zu größere Abweichungen. Programm- und Entwicklungs-Standards werden von Fremdprogammierern öfters ignoriert als von den eigenen Mitarbeitern.

Kommunizieren externe Mitarbeiter direkt mit dem Fachbereich, ist das Risiko der Fehlinterpretation relativ hoch, da der

Fremdprogrammierer häufig nur die ihm direkt gestellte Aufgabe, nicht aber den gesamten organisatorischen Ablauf beachtet.

Besondere Aufmerksamkeit und Beobachtung liegt auf der Ablauf- und Programm-Dokumentation. Schließlich müssen die Programme nach Ausscheiden den des externen Mitarbeiters von der "eigenen Truppe" gewartet werden.

Nach unseren Erfahrungen benötigen Fremdprogrammierer einen speziellen Betreuer aus dem eigenen Haus, der ihnen die Kommunikation im Unternehmen erleichtert und die benötigten Informationen schnell zugänglich macht. Gleichzeitig hat der Betreuer aber auch die Interessen der DV-Abteilung und des Betriebs gegenüber dem Fremdprogrammierer durchzusetzen und zu überwachen.

Dann sind externe Mitarbeiter bestimmt willkommene Unterstützung in DV-Projekten.