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16.09.1983 - 

Body- Leasing- Geschäft heute nur noch unter erschwerten Bedingungen:

Qualität der Software geht an die Berufsehre

MÜNCHEN- Die Gewähr, daß man bei einem anstehenden Softwareprojekt zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Leistung zu einem vorher ausgehandelten Preis bekommt, gibt es beim reinen Body- Leasing nicht. Eine Berechtigung für diese Art von Manpower- Beschaffung sehen Softwarehäuser wie Anwender höchstens zum Abdecken von Spitzenbedarf, wie Krankheits- und Urlaubsvertretung. Ansonsten sei es bei fehlenden Kapazitäten besser, ein Projekt außer Haus zu geben.

"Wenn bei uns ein Engpaß entsteht", so betont Bernd Widmann von der Computer Gesellschaft Konstanz (CGK), "lassen wir die Arbeit lieber von einem externen Softwarehaus machen." Weil die CGK dabei grundsätzlich nach Werkvertrag arbeiten lasse, sei es ihr auch egal, wieviele Spezialisten wie lange an dem Problem zu arbeiten haben. Die Bezahlung erfolge eben erst nach Fertigstellung.

Das Risiko, den Projektaufwand als zu gering oder zu hoch einzuschätzen, tragen so auch beide Vertragspartner: Einmal verschätze sich der Anbieter und biete zu billig an, erklärt Widmann, ein anderes Mal der Auftraggeber, der unter Umständen auch einmal- gemessen am Aufwand- zu viel zahlen müsse. Aber in der Regel, davon zeigt sich der CGK- Mann überzeugt, gleicht sich dies aus. Auf jeden Fall habe man als Kunde bei Werkverträgen die Sicherheit, daß die Programmierstube alles mögliche daran setzen wird, zu dem vereinbarten Termin fertigzustellen- ansonsten drohe Konventionalstrafe.

Nicht jeder Aufwand ist kalkulierbar

In der Zusammenarbeit mit Kunden nennt Friedrich Edinger, der in der Geschäftsleitung des EDV- Studios Ploenzke sitzt, zwei Vertragstypen: Werkvertrag und Dienstvertrag. Wenn sich eine fest umrissene Aufgabe im Bereich der Realisierung stellt, dann sieht sich Edinger in der Lage, auf der Basis eines Werkvertrages anzubieten. Schwierig werde es allerdings dann, wenn es sich um ein umfangreiches Projekt handele. Hier sei der Aufwand, das Projekt in eine bestehende DV- Umwelt zu integrieren, nur schwer abschätzbar. Dann vermag er die Aufgabe nicht so weit einzugrenzen, als daß er auf der Basis eines Werkvertrages anbieten könne.

Mit dem Problem identifizieren

Dienstverträge werden laut Edinger auch dann notwendig, wenn konzeptionelle, beratende Tätigkeiten anfallen. Denn der Aufwand, der in der Erarbeitung einer Konzeption stecke, könne nicht von vornherein berechnet werden. Hier spielten zu viele unbekannte Faktoren eine Rolle. So wisse man beispielsweise nicht, inwieweit der Kontakt mit dem Anwender funktioniert und die Leute aus den Fachabteilungen bei dem Projekt mitziehen. Dann allerdings gibt das EDV- Studio Ploenzke keinerlei Gewährleistungsansprüche, denn diese kenne das Dienstvertragsrecht nicht.

Der Softwarespezialist der Integrata Unternehmensberatung, Tübingen, Peter Raysz, sieht das anders: "Wir identifizieren uns auch bei Dienstverträgen immer mit dem Thema beziehungsweise mit dem Problem." So fühlt sich Raysz auch bei dieser Art von Verträgen verantwortlich für das, was seine Mitarbeiter beim Kunden machen. Und wenn Fehler passieren, dann sei es selbstverständlich, daß nachgebessert werde.

Allerdings gebe es immer wieder Kunden, die beispielsweise nur einen Programmierer haben wollen, der über ganz spezielle Kenntnisse verfügt. Raysz vermittelt auch solche Wünsche, jedoch nicht gern. Bei dieser Art von Aufträgen, die er als reines Body- Leasing- Geschäft bezeichnet, gehe man keine Verpflichtung ein und sehe auch nicht, welche Qualität die Arbeit letztendlich habe. Konsequenterweise versuche die Integrata deshalb auch den Einsatz von Freiberuflern zu reduzieren.

Insgesamt läuft auch bei den Tübinger Unternehmensberatern die größere Anzahl der Aufträge über Werkvertrag. Ausschließlich auf der Basis von Werkverträgen arbeitet man dagegen im technischen Büro Jürgen Holl. Wenn es an eine Beratung geht, ziehe man eine andere Unternehmensberatung hinzu, die dann diesen Teil der Arbeit erledige. Dabei sei es heute mit Feld-, Wald- und Wiesenprogrammierern nicht mehr getan. Man müsse schon spezialisiert sein und eine bestimmte Palette anbieten können. So hat sich das Büro Holl vor allem auf Btx und CAD spezialisiert.

Ein Problem, neue Kunden zu finden, sehen die Münchener dabei nicht. Sie arbeiten mit einem festen Kundenstamm und fühlen sich so mit ihren 40 Mitarbeitern ausgelastet. Auch das EDV- Studio Ploenzke kann sich nicht beklagen. Freut sich Edinger: "Wir sind ein Unternehmen mit 450 Mitarbeitern und soweit am Markt bekannt, daß die Anwender uns ansprechen, wenn sie ein Problem haben."

DV- Kontakte herstellen

Doch oft, so betont Jochen A. Primavesi von der S.A.S. Software- Agentur München, finden die Kunden nicht den richtigen Partner. Hier stelle sein Unternehmen die Verbindung her und vermittle die gewünschten DV- Kontakte. Dabei bestehe auch bei einem Softwaremakler der grundsätzliche Unterschied zu einem Body- Leasing- Unternehmen darin, daß der Anwender in der Regel mit dem Softwareanbieter selbst die Verträge aushandelt und abschließt. Primavesi tritt also nur als reiner Vermittler auf.

Die S.A.S. arbeite auch grundsätzlich nicht mit Unternehmen zusammen, die wie ein "Bauchladen" auftreten, sondern nur mit solchen, die ein genau definiertes Leistungsprofil böten. Garantie dafür geben Primavesi zufolge seine zwei SAS- eigenen Datenbanksysteme. In QUASS (Qualifikations- Auswahl- und Such- System) seien je Software- und Beratungsunternehmen bis zu 350 Qualifikationskriterien gesammelt, die auf Angaben der jeweiligen Softwareanbieter beruhen.

Besonders gefragt seien zur Zeit Fachkräfte für Betriebsumstellungen und für Spezialaufgaben (Datenbanken, Bildschirmtext), wobei die fachlichen Anforderungen stark gestiegen seien. Auch müssen sich Softwerker nach Aussagen von Primavesi zunehmend flexibel zeigen. Wo man sich früher noch weigerte, einen Auftrag in einer anderen, weiter entfernten Stadt zu übernehmen, sei das heute kaum noch möglich.