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06.05.1994

Qualitaetsfoerderung macht Ostfirmen europatauglich

Mit der politischen und wirtschaftlichen Wende in Mittel- und Osteuropa haben die ostdeutschen Unternehmen ihre wichtigsten Absatzmaerkte verloren. Damit der Mittelstand in den neuen Laendern bei den oestlichen Nachbarn wieder Fuss fassen kann, will das Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) mit einem neuen Absatzfoerderprogramm helfen.

Stark fuer den Osten macht sich die 1921 gegruendete Selbsthilfeinstitution der deutschen Wirtschaft bereits seit dem Wendeherbst 1989. Mit einem Positionspapier klopfte das Kuratorium beim Bundeswirtschaftsministerium an, um "Dienstleistungen des RKW fuer die Reformierung der DDR-Wirtschaft" anzubieten. Allerdings wusste damals noch keiner der Initiatoren, wie die Reformen in praxi aussehen sollten.

Inzwischen ist das Gremium, das sich seit den 60er Jahren in der Bundesrepublik fuer die Foerderung der kleinen und mittleren Betriebe einsetzt, auch in den neuen Laendern mit Erfolg aktiv, behauptet Otmar Franz, Vorstandsvorsitzender des RKW, in seinem aktuellen Jahresbericht. Gemeinsam mit dem Bundesministerium fuer Wirtschaft (BMWI) habe man in den letzten vier Jahren ueber 40 Millionen Mark an Foerdermitteln fuer die strategische Existenzsicherung von rund 4300 ostdeutschen Firmen eingesetzt.

Zu Beginn seines Engagements in Neufuenfland hatte sich das Komitee die "Anpassung der Ostdeutschen an die soziale Marktwirtschaft" auf die Fahnen geschrieben. Jetzt gehe es darum, so der Vorsitzende, wie die mittelstaendischen Firmen von Rostock bis Thueringen im Markt erfolgreich bestehen koennen. Dabei ist das Wie fuer viele Ostfirmen zwar keine unbekannte Groesse mehr, hat jedoch Parallelen zu den abenteuerlichen Taten eines Baron Muenchhausen, beschreibt Peter Wyzgol, Marketing-Chef der Ilmenauer Icom Computertechnik GmbH, die Situation: Vergleichbar mit dem "Am- eigenen-Zopf-aus-dem Sumpf-ziehen".

Anstelle der Industrie seien die oeffentlichen Einrichtungen und Landesregierungen zum Auftraggeber geworden. Der Strukturwandel sei zwar eine Moeglichkeit fuer den neuen Mittelstand, um auf die Beine zu kommen, auf Dauer aber eher "ungesund fuer die Wirtschaft", ist der Thueringer ueberzeugt. Neben den Aktivitaeten auf dem innerdeutschen Parkett versuchen die Firmen auch, wieder an die frueheren Beziehungen in Osteuropa anzuknuepfen. Fuer dringend erforderlich haelt deshalb das RKW ein "Programm zur Absatzfoerderung von Produkten aus den neuen Bundeslaendern im Bereich des ehemaligen RGW".

Die frueheren Hauptmaerkte der DDR sind heute kleiner geworden. So seien die Ausfuhren aus den ostdeutschen Laendern nach Mittel- und Osteuropa seit 1990 mit 29,8 Milliarden Mark auf 7,2 Milliarden Mark geschrumpft.

Allein die Exporte nach Polen haetten 1993 nur noch 338 Millionen Mark (1990: 2,9 Milliarden) eingebracht. Auch nach Ungarn seien bedeutend weniger Produkte ausgefuehrt worden: Von 2,7 Milliarden Mark im Jahre 1990 sind die Einnahmen auf 143 Millionen Mark im letzten Jahr gesunken. Dieser negative Trend soll mit Hilfe des RKW umgekehrt werden.

Vor allem die Ostdeutschen haetten dabei gute Karten, heisst es. Aufgrund ihrer jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Polen, Ungarn, Tschechien und den baltischen Staaten wuerden sie Sprache und Mentalitaet der Mitarbeiter sowie die Maschinen und Anlagen kennen.

Trotz dieser Vorteile und "unseres gutes Rufes in dieser Region" sind die Hindernisse auf dem osteuropaeischen Markt nicht ad hoc zu ueberspringen, erklaert Eberhard Kalex, Prokurist der Robotron- Projekt Dresden GmbH. Obwohl das Unternehmen seit Jahren in Russland praesent ist, muss wegen der wirtschaftlichen und finanziellen Situation in den GUS-Staaten so manches Geschaeft auf die lange Bank geschoben werden. Hinzu kommt, dass sich die russischen Betriebe mit ihrer schlechten Zahlungsmoral auch "untereinander kaputtmachen", so der Dresdner.

Das Auswaertspiel kommt erst nach dem Heimsieg

Um die Finanzkraft ist es in den ehemaligen RGW-Staaten mehr als schlecht bestellt, weiss auch der Vertriebschef der Niles-Simmons Industrieanlagen GmbH Chemnitz, Klaus Rietschel, zu berichten. Die Kunden aus Russland und Rumaenien wuerden zwar vor der Tuer des Drehmaschinenproduzenten stehen, doch bezahlen koennten sie nicht. Ohne staatliche Finanzierungskonzepte bleiben die frueheren traditionellen Geschaeftsbeziehungen sowie das Akquirieren neuer Kunden in diesen Laendern wirkungslos, ist der Chemnitzer ueberzeugt.

Einen Weg zum Ostnachbarn hat die Ilmdat Informations- und Textlogistik GmbH aus Thueringen gefunden. Das Softwarehaus hat Routinearbeiten wie das Erfassen von Daten und deren Textkonvertierung an ein rumaenisches DV-Unternehmen gegeben. Diesen "Markt von morgen" will sich Geschaeftsfuehrer Christian Spantig "fuer die naechsten fuenf Jahre" sichern. Die Thueringer wollen kuenftig auch einen Teil ihrer Entwicklungsarbeiten auslagern.

Vorwiegend in Richtung Westen ist die Computer Elektronik Dresden GmbH aktiv. Doch einen geringen Teil seiner PC-Gehaeuse-Produktion verkauft der saechsische Hardwerker auch nach Tschechien.

Fuer das Gros der ostdeutschen Hersteller ist der Weg zum Grenznachbarn allerdings erst angesagt, wenn "wir im eigenen Lande Fuss gefasst haben und uns andere Maerkte leisten koennen", sagen sie.

Die internationale Orientierung der ostdeutschen Unternehmen soll die neue RKW-Initiative verstaerken, die fuer "Aufbau und Zertifizierung von Qualitaets-Management-Systemen in kleinen und mittleren Unternehmen in den neuen Laendern" sorgen und die Produkte der Firmen "europareif" machen soll. Etwa 2000 Betriebe werden 1994 in diesen Foerdergenuss kommen. Rund sieben Millionen Mark will das Kuratorium dafuer verteilen. Grundlage ist der Kabinettsbeschluss der Bundesregierung zur Realisierung des Gemeinschaftswerks "Aufbau Ost".

Den konzernunabhaengigen ostdeutschen Anbietern - gemeint sind das verarbeitende Gewerbe und die industrienahen Dienstleistungsfirmen mit maximal 250 Mitarbeitern - soll bei der Einfuehrung von Qualitaets-Management-Systemen geholfen werden.

Programm und Betriebe in Mitteleuropa einbeziehen

Unter anderem sind Workshops zum Thema "Qualitaet als Fuehrungsaufgabe" geplant. Die Kosten dafuer sollen maximal 1800 Mark betragen, wobei ein Zuschuss von vierzig Prozent (bis zu 720 Mark pro Tag) gewaehrt wird. Fuer einen elftaegigen Lehrgang, der zum Erwerb des Praedikats "Qualitaetsbeauftragter" fuehrt, muessen pro Teilnehmer 400 Mark gezahlt werden. Die Zertifizierung ihrer Produkte ist fuer die beguenstigten Firmen nur etwa halb so teuer: Bis zu fuenfzig Prozent der Kosten des "Europapasses" - maximal 15 000 Mark - uebernimmt das RKW.

Bestandteil des neuen Programms muesse auch die Foerderung der Betriebe in Mitteleuropa sein, empfiehlt Franz. Dazu gehoere nicht nur die Aus- und Weiterbildung der Fach- und Fuehrungskraefte in Polen, Ungarn etc. Deutschland muesse den osteuropaeischen Nachbarn auch den Marktzugang ermoeglichen. Ueber die benachbarten neuen Konkurrenten zu klagen, sei wenig sinnvoll, meint der Vorsitzende. Im Gegenteil: Die angrenzenden Niedriglohnlaender koennten als "verlaengerte Werkbank fuer Betriebe aus den neuen Laendern genutzt werden".

Mit Beratungsdiensten, Kontakten zu den nationalen Institutionen der osteuropaeischen Staaten sowie Exkursionen will das RKW den kleinen und mittleren Unternehmen in den neuen Bundeslaendern helfen, ihren Platz im Markt zu finden, um "Wettbewerbsvorteile durch Arbeitsteilung mit den Nachbarn in Mitteleuropa" zu realisieren.

CW-Bericht, Monika Schalwat

Otmar Franz: "Neben den Klein- und Mittelbetrieben in den neuen Bundeslaendern wird das RKW auch die Mittelstaendler in Mitteleuropa foerdern."