Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.09.1994

Qualitaetsoffensive reisst die Anwender nicht vom Hocker Anbieter wollen Schulungsgeschaeft wieder ankurbeln

Anbieter und Anwender finden keinen Konsens, wenn es um die Qualitaet des DV-Unterrichts geht. Nach einem schwierigen Jahr 1993, in dem das Schulungsgeschaeft kraeftig zurueckging und einige Institute Konkurs anmelden mussten, entdecken nun vor allem die Seminarabteilungen der Hard- und Softwarehersteller - jeder auf seine Weise - das Thema Qualitaet und versuchen es in der Oeffentlichkeit populaer zu machen. Die Anwender merkten bisher allerdings wenig davon, und ihre Vorstellungen, was ein gutes Seminar auszeichnet, unterscheiden sich oft erheblich von denen der Anbieter.

Seit die Re-Engineering-Paepste den Unternehmen Kundenorientierung als das Rezept fuer ihren Erfolg schlechthin verkaufen, wird auch ueber das Thema Qualitaet laut nachgedacht. Das ist zwar ein alter Hut, doch laesst sich mit ihm gut Geld verdienen. Das haben auch die Software-Anbieter und Hardwarehersteller erkannt, weshalb sie dieses Thema in letzter Zeit verstaerkt in Zusammenhang mit dem Schulungsgeschaeft diskutieren.

Dabei waehlen die Anbieter unterschiedlichste Wege: Sie erwerben selbst einen ISO-9001-Stempel, sie zertifizieren Trainer etwa zu Microsoft- oder Novell-Spezialisten und bilden Dienstleister zu sogenannten Authorized Training Centers (ATC) aus.

Novell zum Beispiel bietet seit Jahren ein umfangreiches Schulungsprogramm mit einem strengen Pruefungsverfahren zum Certified Netware Engineer

(CNE) an. Ein solcher Netzprofi kann sich dann weiter zum Certified Netware Instructor (CNI) ausbilden lassen - Kostenpunkt rund 10000 bis 15000 Mark. Kraeftig zur Kasse gebeten werden auch die Haeuser, die sich spaeter Novell Authorized Education Center nennen duerfen.

Auch die Softwarehaeuser springen nun auf den Zertifizierungszug auf, allen voran der Branchenprimus Microsoft. Das Unternehmen aus Redmond hat fuer DV-Spezialisten ein sogenanntes Microsoft- Certified-Professional- (MCP-)Programm entwickelt, das Kritiker allerdings als noch nicht ausgereift bezeichnen - unter anderem deshalb, weil die

Applikationstests in Englisch sind, "was hierzulande niemanden interessiert", so der Vorwurf. Aber auch andere Softwarefirmen wie Wordperfect und Lotus verteilen Urkunden an Dozenten, wenn sie deren Produkte beherrschen.

Einen anderen Weg waehlten die DV-Hersteller, die sich zu einem Verein "Open Training Association" (OTA) zusammengeschlossen haben. Die Mitglieder, wie AT&T, Bull, DEC, IBM, HP und SNI, gaben eine Broschuere heraus, in der sie Berufsbilder mit einem genauen Anforderungsprofil erarbeitet haben. OTA will also, dass jeder DV- Spezialist, der sich bei einem Mitglied aus- und fortbildet, mit einem einheitlichen und natuerlich hohen Kursstandard rechnen kann.

Die entscheidende Frage indes lautet: Nach welchen Kriterien sucht der Anwender den Kursveranstalter oder Dozenten aus? Wie reagiert er auf diese "Qualitaetsoffensive"?

Bernhard Kuepper, verantwortlich fuer die DV-Weiterbildung bei der Varta Bosch Autobatterie GmbH in Hannover, hat ein betriebseigenes Kursprogramm entwickelt und laesst seine Mitarbeiter von hausinternen Dozenten ausbilden. Wenn es um ganz spezielles Produkt-Know-how geht, das im Haus nicht vorhanden ist, sucht er einen Trainer aus der Umgebung, im Extremfall schickt er die Mitarbeiter zum Hersteller.

"Der finanzielle Aufwand, einen Mitarbeiter zu zertifizieren, ist viel zu hoch", gibt Kuepper zu bedenken. Bei seinen Endanwenderkursen arbeite er mit vier hochmotivierten jungen Menschen zusammen, "denen diese Arbeit Riesenspass bereitet" und die - darauf legt Kuepper grossen Wert - "betriebsinterne Ablaeufe bestens kennen". Der Schulungsexperte glaubt nicht, dass sich die Anwender von dieser Art der Qualitaetsdiskussion beeindrukken lassen: "Von einem Dozenten wird mehr erwartet als das reine Produkt-Know-how eines Softwareherstellers."

Um eben diese Einseitigkeit zu vermeiden, schaut sich Marianne Payer die Trainer, die sie sich ins Haus holt, genauestens an. Die Leiterin der Informatikerausbildung bei der Zuercher Kantonalbank (ZKB) hat damit aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, wie sie offen zugibt.

Es sei schon vorgekommen, dass Unternehmen zwar einen sehr guten Namen im Markt hatten, einige Dozenten allerdings eher Mittelmass waren. Um solche Missgriffe zu vermeiden, hoert sie sich Referenten auf Tagungen an, schickt ihre Mitarbeiter zu Pilotveranstaltungen oder laedt Trainer zu einem Probekurs ins Unternehmen ein.

Die Ausbilder selbst scheinen von dieser Zertifizierungswut nicht ganz so ueberzeugt zu sein. Anette Brennert, Inhaberin der Muenchner Bildungsagentur, hat in ihrer ueber 600 Namen fassenden Trainerdatenbank ganze drei, die sich mit dem Zertifikat eines DV- Herstellers schmuecken. Brennert: "Ich kenne keinen Kunden, der bisher nach einer Zertifizierung gefragt hat".

Das fachspezifische Wissen setze sowieso jeder Anwender voraus. Was letztlich zaehle, sei die Projekterfahrung. "Wenn es Probleme gibt, dann sind sie in den wenigsten Faellen fachlicher Natur", behauptet Brennert. Viel wichtiger sei die Methoden- und Sozialkompetenz. "Wer in unterschiedlichen Teams gearbeitet und Workshops moderiert hat, bringt die besten Voraussetzungen mit", meint die Muenchner Agenturchefin.

Ihre Aussagen bestaetigt indirekt eine Untersuchung im Rahmen des EU-Programms "Force", in der Unternehmen nach ihren groessten Problemen bezueglich Weiterbildung befragt wurden. An erster Stelle nannten die Betroffenen den Wissenstransfer und ungeeignete Angebote.

Obengenannter Punkt - naemlich der Wissenstransfer - ist fuer Uwe Rossberg ausschlaggebend, wenn es um die Auswahl eines externen Instituts geht. Der Aus- und Weiterbildungschef bei Wabco Westinghouse kalkuliert genau: "Wenn die Mitarbeiter fuer ein Tagesseminar noch drei Tage Nachbereitung benoetigen, ist der Aufwand einfach zu hoch." Wie die meisten Weiterbildungschefs versucht auch Rossberg moeglichst viel im eigenen Haus mit eigenen Mitarbeitern zu organisieren, "weil die Externen sich schwertun, auf unsere speziellen Beduerfnisse einzugehen". Fuer ihn zaehle vor allem, dass der Anbieter flexibel, bedarfsgerecht und sehr schnell reagieren koenne.

Aufgeschlossen zeigt sich der Bildungs-Manager gegenueber den Produktzertifizierungen fuer Trainer, mit der Voraussetzung allerdings, dass sich diese "als anerkannte Standards fuer hohes DV- Know-how durchsetzen". Wenn es um die Auswahl externer Ausbilder ginge, koenne man sich zumindest auf deren Produktwissen verlassen. Brennert ihrerseits hofft, dass es damit zu einer Marktbereinigung kommen wird, denn "gerade in letzter Zeit draengen viele Semiprofessionelle in diesen Markt".

Skeptischer beurteilen dagegen beide die ISO-Normierung, da es fuer sie "nur einen formalen Akt darstellt, der feststellt, dass das Unternehmen ein Qualitaetssicherungssystem hat und wie es funktioniert". Fuer die ZKB-Managerin Payer ist das ISO-Siegel ein Argument, sich den Anbieter genauer anzuschauen. Bei einem hat sie die Erfahrung gemacht, dass sich die Qualitaet nach der Zertifizierung verbesserte. "Wer sich diesem Prozess unterzieht, zeigt sein Interesse, im Markt zu bleiben."

Eine Prognose darueber abzugeben, ob sich die OTA mit ihrem Konzept durchsetzen wird, ist schon deshalb schwierig, weil sie den Anwendern kein Begriff ist. Und wenn diese die Initiative erwaehnen, dann eher abfaellig, wie es ein DV-Leiter tat: "Die wollen nur ihre letzten Pfruende retten." Im uebrigen muss der Verein aufpassen, dass er nicht unglaubwuerdig wird, denn er hatte bereits bei der Gruendung vor einem Jahr vollmundig verkuendet, dass die eigenen Qualitaetskriterien "weit" ueber die ISO-9000-Zertifizierung hinausgingen. Heute aber sind noch nicht einmal alle Mitglieder im Besitz dieses Siegels.

Nie wurde die Qualitaetsdiskussion in der DV- Weiterbildungslandschaft intensiver gefuehrt als heute. Anlass fuer die COMPUTERWOCHE, dieses Thema auf der Weiterbildungsmesse "Qualifikation 94" Ende September in Hannover mit Anwendern und Anbietern zu diskutieren. Dabei soll es um Fragen gehen wie: Was hat Zertifizierung mit Qualitaet zu tun? Nach welchen Kriterien werden Dozenten und Trainingsinstitute ausgesucht? Orientieren sich Anwender dabei an formalen Qualitaetszeugnissen und Zertifikaten? Wie laesst sich Qualitaet transparent machen?

An der Diskussion nehmen teil:

- Rainer Seidel, DV-Leiter, Schieder-Gruppe;

- Dr. Peter Schulz, DV-Bildungsverantwortlicher, Hoechst AG;

- Wolfgang Schwenk, Leiter Geschaeftsbereich Mittelstand Zentraleuropa, Microsoft;

- Lothar Hofmann, IBM, OTA-Praesident;

- Thomas Schlereth, Geschaeftsfuehrer Columbus Consulting, sowie

- Mensor Groenewegen, DV-Schulung, Kloeckner-Moeller.

Die Veranstaltung wendet sich sowohl an Vertreter von DV- Anwendern, die sich ueber den Stand der Zertifizierungsdiskussion informieren moechten, als auch an Schulungsanbieter, die die Einschaetzung der Anwender kennenlernen wollen.

Die Veranstaltung findet am 27. September 1994 von 11 bis 13 Uhr auf dem Messegelaende in Hannover im TCM, Raum 13/14, statt. Der Eintritt ist kostenlos.

Anmeldungen und Informationen sind erhaeltlich unter der Telefonnummer: 089/360 86-261.