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06.11.1992

Qualitätssicherung in der Produktion verlangt unkonventionelle Maßnahmen Zehn Tips für die Planung und die Einführung von CAQ

Qualität entsteht nur durch das gelungene Zusammenspiel aller am Produktionsprozeß beteiligten Abteilungen. Dadurch sind Investitionen in computergestützte Systeme zur Qualitätssicherung (QS) unternehmensstrategisch mindestens genauso bedeutsam wie die Einführung eines PPS-Systems. Ein komplexes Thema, das eine unternehmenskonforme Einführungsstrategie erfordert. Erhard Golla* hat zehn Tips zur Einführung von CAQ ausgearbeitet.

Es gibt viele Gründe, die für die Investition in CAQ-Equipment sprechen. Zum einen entscheidet nicht zuletzt die Produktqualität über Marktanteile. Mit der Vollendung des europäischen Binnenmarktes dürfte zumindest der innereuropäische Wettbeweb noch härter werden. Andererseits zwingt das verschärfte Produkthaftungsgesetz zur penibel dokumentierten Produkthistorie.

Zudem kristallisiert sich zusehends heraus, daß sich mit CAQ richtig eingesetzt - nicht nur die Produktqualität dokumentieren, sondern auch der eigentliche Fertigungsprozeß optimieren läßt, was letztlich zu einer kostengünstigeren Fertigung führt. Es gibt also viele Gründe, die für die Einführung einer computergestützten Qualitätssicherung sprechen. Nur wird jedes Unternehmen andere Prioritäten setzten.

Tip 1: Zunächst sind die QS-relevanten Unternehmensziele zu bestimmen und zu gewichten.

Kein Betrieb gleicht dem anderen. Selbst innerhalb einer Branche gibt es unterschiedliche technische wie organisatorische Unternehmens- und Fertigungsstrukturen. Genausowenig wie es "den Betrieb" gibt, existiert "das CAQ-System".

Hier ist eine klare Unternehmenskonzeption und -strategie gefragt, die die Stellung des Unternehmens am Markt definiert und den Weg beschreibt, wie diese gefestigt und auch künftig unter den veränderten Marktverhältnissen gehalten werden kann.

Alleinstellungsmerkmale der Artikel sollten besonders unter dem Aspekt der Qualität herausgearbeitet werden. Die Arbeitsergebnisse des Marketings, des Vertriebes, der Konstruktion und der Fertigung müssen die oben genannten Punkte widerspiegeln.

Tip 2: Die betroffenen Abteilungen und Mitarbeiter sind bei Planung und Realisierung zu beteiligen.

Die Mitarbeiter sollten frühzeitig involviert sein und zu Planungsbeteiligten werden. Es ist wichtig, daß sie bei der Systemgestaltung mitwirken können. Die Beteiligung an der Konzepterstellung steigert das Verständnis in den Abteilungen für QS-Maßnahmen.

Teilhaben motiviert, was einerseits die Akzeptanz fördert und andererseits Verständnis und zudem die Bereitschaft für sicher notwendige Qualifizierungsmaßnahmen schafft. Es ist aufschlußreich zu wissen, welche Idealvorstellungen die Mitarbeiter haben. Die Anregungen aus der Belegschaft sind ein wertvoller und unverzichtbarer

Input für die Formulierung des Pflichtenheftes.

Denn bei der Systemauswahl ist es wichtig, auf keinen Fall die definierten firmen-, abteilungs- und mitarbeiterspezifischen Wünsche aufzugeben, nur um ein bestimmtes System zu präferieren, das dann doch nicht unbedingt das für die Firmenbedürfnisse optimale sein muß.

Tip 3: QS-Einführung ist Chefsache und bedarf einer zentralen Projektleitung.

Qualitätssicherung ist aus unternehmensstrategischer Sicht mindestens genauso aufmerksam zu behandeln wie die Einführung eines PPS-Systems. Sie ist daher Chefsache. Die Projektleitung sollte jedoch nicht nur direkt der Geschäftsleitung unterstehen, sondern auch alle Abläufe des Fertigungsprozesses im Detail kennen, DV-Verständnis in der Tiefe besitzen und Erfahrungen in Projektabwicklungen mitbringen. Ganz wichtig ist dabei, keine QS-Polizei zu etablieren! Vielmehr sollte man das Detailwissen und Know-how der Mitarbeiter in den QS-relevanten Abteilungen nutzen. Gegebenenfalls sollte ein externer Berater hinzugezogen werden.

Tip 4: Zunächst sind die eigenen QS-Anforderungen mit denen der Kunden in Einklang zu bringen, bevor K.o.- Bedingungen für ein QS-Pflichtenheft definiert werden.

Es gilt, daran zu denken, daß sich jedes Unternehmen ständig weiterentwickelt. Daß sich die heute gestellten Anforderungen an das QS-System im Laufe der Jahre ändern werden, ist wahrscheinlich. Die QS-Hard- und -Software sollte dieser Tatsache Rechnung tragen. Die Software sollte - soweit man es nach dem derzeitigen Stand der Softwaretechniken sagen kann - möglichst zukunftsweisend aufgebaut sein.

Tip 5: Standardhardware, -netzwerke und ein modulares Softwarekonzept, das sich an Softwarestandards orientiert, sind vorzuziehen.

Die Erfahrungen bei CIM-Installationen für andere Aufgaben, belegen eindeutig, daß Insellösungen meist auf Dauer alleine bleiben. Zukunftssicher und halbwegs unproblematisch integrationsfähig sind zumeist nur Lösungen, die sich weitverbreiteter Standards bedienen. Sicher läßt sich alles irgendwie vernetzen. Das ist jedoch nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch abhängig von der Bereitschaft und Fähigkeit des Systemlieferanten, bei Integration und Ausbau des Systems mitzuwirken.

Die Größe des Lieferanten allein ist jedoch kein Maßstab. Kleinere Unternehmen sind vielfach flexibler. Insbesondere unter dem Aspekt kundenindividueller Anpassungen ist es gut zu wissen, ob der Systemlieferant seine QS-Software selbst entwickelt und pflegt, somit in- und auswendig kennt.

Tip 6: Exoten, Gemischtwarenläden und wahrscheinlich kurzlebige Anbieter unausgegorener Insellösungen sollte man meiden.

Insbesondere modulare QS-Systeme, die alle QS-relevanten Bereiche abdecken, versprechen ein Höchstmaß an Investitionssicherheit. Komplettsystem-Anbieter achten schon aus eigenem Interesse auf eine einheitliche Benutzeroberfläche und effiziente Datendurchgängigkeit zwischen den einzelnen Programm-Modulen.

Vor allem der Bedienerergonomie ist Bedeutung beizumessen, denn sie entscheidet letztlich über die Akzeptanz bei der Belegschaft und bestimmt nicht zuletzt die Kosten für garantiert notwendige QS-Schulungsmaßnahmen. Die später betroffenen Mitarbeiter sollten die Software und ihren Bedienungskomfort vorher selber testen.

Selbstgestrickte Bedieneroberflächen sollten heutzutage tabu sein Bei entsprechenden Software-Anbietern ist zumindest zu vermuten, daß die anderen elementaren Schnittstellen ähnlich antiquiert sind. Moderne Benutzeroberflächen wie Windows eröffnen die nötigen Gestaltungsfreiheiten, damit sich das System den Anforderungen der Bediener anpassen läßt und sich nicht umgekehrt der Anwender dem System unterordnen muß. Starre oder nur schwer modifizierbare Systeme senken die Akzeptanz und somit die Motivation. Doch die entscheidet letztlich darüber, wie effektiv und somit wirtschaftlich das angeschaffte CAQ-System genutzt werden kann.

Tip 7: Das QS-System muß sich den Anforderungen anpassen und nicht umgekehrt.

In vielen Fällen ist ein stufenweiser Aufbau eines QS-Systems notwendig - allein schon aus dem Grund, daß in gewachsenen Organisationsstrukturen nur begrenzte Veränderungen möglich sind. Alles auf einmal ändern zu wollen, ist zu gefährlich und gefährdet das Gesamtprojekt.

Hier ist sorgfältig zu prüfen, mit welchem Mehraufwand gerade im Bereich der Hardware zu rechnen ist. In dieser Hinsicht bieten vernetzte PC-basierte Systeme enorme Flexibilität und Kostenvorteile.

Die Integration der QS-Abläufe in die vorhandene Auftragsabwicklung sollte bis in alle Details schriftlich fixiert werden. Hier zeigt sich häufig, ob ein QS-System auch wirklich eine Problemlösung für den Betrieb sein kann. Starre Systeme bietenhier nicht alle Vorteile, die sich mit einem integrierten QS-System erzielen lassen.

Tip 8: Eine präzise und unternehmensumfassende Planung verlangt Zeit.

Die Investition in Qualitätssicherungs-Equipment verlangt also gründliche Planung, Zeit und damit auch Geld. Überhastete Schnellschüsse gehen meist nach hinten los.

Das Ergebnis nicht gründlich durchdachter Investitionsentscheidungen kann vielerorts bemitleidet werden. Erst wenn die Detailanforderungen in den QS-relevanten Abteilungen des Unternehmens mit den ganzheitlichen Zielen in Einklang gebracht wurden, sollte mit der Umsetzung begonnen werden.

Wie bei der Evaluation, so gilt auch bei der Einführung, daß die Mitarbeiter involviert sind und nicht nur die zentrale Projektleitung überprüft, ob die jeweils gesteckten Ziele erreicht wurden oder nicht. Die Einführung von QS-Maßnahmen und CAQ ist ein Marathon. Das Einbeziehen aller relevanten Abteilungen und Mitarbeiter sorgt zudem für Gruppendynamik. Dadurch lassen sich zwangsläufig auftretende Ermüdungserscheinungen abfedern.

Tip 9: Die Etappenziele sollten überschaubar und relativ schnell erreichbar sein.

Nur wer vorher weiß, was er will, kommt ohne große Verzögerungen schnell ans Ziel. Allerdings macht es auch bei der Einführung von CAQ wenig Sinn, alles auf einmal zu wollen. Je komplexer die Installation von vornherein angelegt ist, desto wichtiger ist es, Etappenziele zu setzen. Sie sollten jeweils in überschaubarer Nähe liegen und in abschätzbaren Zeiträumen zu erreichen sein:

Es ist eine permanente Manöverkritik erforderlich. Wie die bisherigen Ausführungen zeigen, ist zur Realisation eines zukunftsicheren QS-Systems eine dezidierte Einführungsstrategie unabdingbar.

Tip 10: Was notwendig ist, muß ohne Verzögerungen sofort durchgeführt werden.

Wer den Anschluß nicht verlieren will, muß sich bewegen. Bei der de facto veränderten Lage des europäischen Binnenmarktes kann die Taktik, erst einmal zu warten, was die anderen machen, fatale Konsequenzen haben. Produkthaftung und die größere Konkurrenz zwingen zur Profilierung der Unternehmen. Hierbei darf eine unternehmensspezifische Qualitätsstrategie schon allein aus Kostengründen nicht fehlen. Denn die kostengünstigste Fertigung ist immer noch die beherrschte Nullfehler-Produktion.

Alle Abteilungen müssen die Qualitätsstrategie verinnerlichen und ständig verfeinern Querruderer kann man in einem Boot, das eine gute Plazierung im Rennen anstrebt, nur für begrenzte Zeit akzeptieren.