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02.10.1998 - 

Softwarehaus auf Akquisitionskurs

Quantum soll SER die Tür zum Kunden öffnen

Quantum zählt zu den typischen Vertretern des deutschen Softwaremittelstands. Das Unternehmen vermarktet die kaufmännische Unix-Software "Mega", die in diesen Wochen erstmals auch unter Windows NT zur Verfügung stehen soll. Weil den Ruhrgebietssoftwerkern dieses Standbein zu wackelig war, beschlossen sie bereits Ende 1995 eine Zwei-Produkt-Strategie und wurden - zum Leidwesen mancher Kunden - Systemhauspartner der SAP (siehe CW 43/95, Seite 1).

Helmut Ludwigs, Geschäftsführer von Quantum, geht davon aus, daß nur die Softwareschmiede Chancen hat, der es gelingt, binnen der kommenden fünf Jahre im europäischen Währungsraum Fuß zu fassen. Die Internationalisierung der Kundengeschäfte zwinge zu drastischen Schritten. Quantum müßte nach Einschätzung Ludwigs im Jahr 2002 ein Wachstum von 70 bis 80 Millionen Mark im europäischen Ausland vorweisen, um konkurrenzfähig zu sein. Das sei für die Dortmunder, deren Jahresumsatz gegenwärtig bei 50 Millionen Mark liegt, unrealistisch.

"Wir sind zu klein, um selbst an die Börse zu gehen", so Ludwigs. Für sein Unternehmen sei es besser, sich mit einer Firma wie SER zu vereinen, da diese Softwareschmiede den Weg zur Internationalisierung schon halb hinter sich gelassen habe. Durch Übernahmen von Anbietern wie Dorotech, Pafec, Doxsys oder Orbit hat SER Repräsentanzen in Frankreich, Großbritannien und den USA aufgebaut (siehe Kasten, Seite 18: "Die größten Übernahmen von SER 1998").

Ludwigs betont weiterhin, die Produktpaletten beider Hersteller ergänzten sich hervorragend, es gebe keinerlei Überlappungen. Unter den Mega- und R/3-Anwendern befänden sich viele, die über die Einführung eines Archivsystems nachdächten. Obwohl SAP-Kunden häufig das marktführende "Archive"-Produkt von Ixos einsetzten, sei im R/3-Markt noch genügend Raum für die Alternativlösung von SER, die insgesamt größer dimensioniert sei. Generell leidet laut Ludwigs der Markt für DM- und Workflow-Systeme unter der fehlenden Nähe zu den Geschäftsapplikationen. Von Quantum erhalte SER das so dringend benötigte Anwendungs-Know-how.

Die Produktsynergien, die der Quantum-Chef beschwört, sind jedoch für Gert Reinhardt, den Vorstandsvorsitzenden der SER AG, weniger interessant.

Ihm geht es vorrangig darum, hochqualifiziertes und projekterfahrenes Personal mit Branchen-Know-how und besten Kontakten zu deutschen Unternehmen zu bekommen.

Für Reinhardt ist Quantum ein Türöffner, der es den Neustädtern ermöglicht, Archiv- und Workflow-Systeme an Neukunden zu verkaufen.

"Quantum ist ein Projektabwickler. Die besitzen tiefgehendes Branchen-Know-how und haben viele Individualanwendungen entwickelt. In diese Basis hinein wollen wir unsere Produkte verkaufen", sagt der SER-Chef ganz offen. In der Gewichtung der Akquisitionsgründe stehe dieser Aspekt klar auf Platz eins, gefolgt von der Hoffnung, über Quantum den SAP-Markt besser zu erschließen.

Von der Unternehmensgeschichte her sei das nordrhein-westfälische Softwarehaus vergleichbar mit der Münchner Ixos AG. Beide hätten sich sehr früh im Unix-Markt bewegt, seien Client-Server-Companies der ersten Stunde und hätten viel Know-how im Bereich Archivierung gesammelt. Ixos habe sein Vorzeigeprodukt Archive entwickelt und sich frühzeitig an SAP gehängt, Quantum dagegen entsprechende Auftragsentwicklungen absolviert.

Beide hätten vergleichbare Fähigkeiten und könnten gleichermaßen kompetent im SAP-Markt agieren. Durch die Übernahme könne SER nicht nur seine DM-Produkte in den R/3-Markt hineinverkaufen, sondern auch den nötigen Support gewährleisten.

Erst an dritter Stelle nennt Reinhardt die Möglichkeit, die Mega-Produktpalette von Quantum mit den eigenen Produkten zu verschmelzen, um so eine neue Generation Workflow-orientierter Standardsoftware entstehen zu lassen. Wenngleich die Produkte der Dortmunder zunächst keine strategisch vorrangige Position im SER-Portfolio einnähmen, hätten sie nach diesem Entwicklungsschritt Chancen, ihre Konkurrenzfähigkeit zu verbessern.

Reinhardt rechnet damit, daß der Markt für Dokumenten-Management und Workflow im Low-end von Systemsoftware-Anbietern wie Microsoft und im High-end von Anwendungssoftware-Playern wie SAP unter Druck gerät. Deshalb sei es wichtig, das nötige Anwendungs-Know-how aufzubauen, um die ganze Palette der Standardsoftwarehersteller entsprechend den abzubildenden Prozessen mit paßgenauen DM- und Workflow-Produkten versorgen zu können.

Allerdings betont der SER-Chef noch einmal: "Beachten Sie die Reihenfolge der Prioritäten. Wenn irgend jemand sagt, wir hätten Quantum wegen des Produkts gekauft, dann ist das schlicht und einfach falsch!" Quantum kostet SER einen Betrag von unter 50 Millionen Mark. Genauere Angaben möchten die Beteiligten nicht machen.

Zur Zukunft von Quantum erklärte der SER-Sprecher, das Unternehmen werde weiter mit der kompletten Entwicklungsmannschaft vor Ort in Dortmund bleiben und dort die Mega-Entwicklung weiter vorantreiben. Außerdem wolle man den Kontakt zum Informatik-Fachbereich der Universität Dortmund pflegen, um künftig Personal zu finden.