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23.10.1981

Query-Announcement im MVS-Bereich mit späteren H-Prozessoren erwartet:IMS-Anwender zwischen Hoffen und Bangen

MÜNCHEN - Unter Datenbank-Profis gilt IBMs Information Management System (IMS) als "großer Heuler": Zu lange Antwortzeiten bei exzessivem Terminalbetrieb, schlechte Performance und starke Hauptspeicherbelastung werden am häufigsten bemängelt. IBM-Analysten rechnen mit einem relationalen IMS-Nachfolger auf späteren Zentraleinheiten der H-Serie, deren erstes Modell, der Prozessorkomplex 3081, just zur Auslieferung kommt.

Als IMS vor mehr als zehn Jahren angekündigt wurde, begrüßten es viele IBM-Benutzer als "DB-System der Zukunft". Doch die Begeisterung schlug allmählich in Ernüchterung um. Nach einigen Zwischenreleases befindet sich nunmehr IMS 1.2 als Pilotversion bei der Deutschen Bank in Frankfurt im Einsatz. Softwaretechnischer Clou: Das neue Release erlaubt, mehrere IMS-Datenbanken zu sharen.

Doch auch dieses Feature - das IMS noch eine lange Lebensdauer garantieren soll - hilft IMS-Kennern zufolge nicht über die Schwierigkeiten hinweg, mit denen Benutzer seit eh und je zu kämpfen haben. So werde die Komplexität des Gesamtsystems häufig unterschätzt - und auch der durch IMS verursachte Overhead. Folge: höherer Maschinenbedarf als geplant.

Auch sei der Lernaufwand, das System effektiv zu beherrschen, immens. Für die Systemverwaltung, die laufende Anpassung und Optimierung von IMS werde daher ein beachtlicher Stab von DB/DC-Fachkräften benötigt - und diese seien kaum zu finden und obendrein nahezu unbezahlbar.

Für Spezialaufgaben müßten die meisten Unternehmen gar zusätzlich freie Mitarbeiter oder Software-Häuser einschalten. Glaubt man IMS-Spezialisten, so haben die Anwender in der Vergangenheit Millionen investiert, um das DB-System überhaupt zum Laufen zu bringen.

Um sich vor permanenten Hardware-Erweiterungen halbwegs zu schützen, gehen viele Anwender dazu über, durch Tuning-Maßnahmen das Antwortzeitverhalten unter der immer höher werdenden IMS-Belastung zumindest gleichzuhalten.

So trafen sich Anfang Oktober rund 60 IMS-User unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Motorenwerke AG (BMW) in München, um IMS-Tuning-Erfahrungen auszutauschen. Während IBM-Großkunden mit ihrer Kritik meist hinter dem Berg halten lassen unabhängige "Datenbänkler" schon mal die Katze aus dem Sack: Schwieriges Handling und Restart-Probleme, so das Urteil von IMS-Kennern, machten IBMs großes Datenbank-System zum "Heuler".

"Kleinere Anwender, die sich IMS aufschwatzen ließen", sagt ein Softwarehaus-Manager, "stehen oft ratlos vor den bombastischen Möglichkeiten des Information Management Systems."

Zufriedenheit herrsche unter IMS-Anwendern nur dann, wenn sie lediglich 20 Prozent des tatsächlichen Leistungsumfanges nutzten.

US-Reisende in Sachen IMS wollen bereits Kenntnis von einem neuen DB/DC-System für IBM-Großkunden haben: Im amerikanischen DV-Mekka White Plains hätten IBM-Software-Entwickler Aussagen getroffen, man werde künftig verstärkt das relationale Datenbank-Konzept forcieren.

Hinter vorgehaltener Hand sei in diesem Zusammenhang das Abfragesystem "SQL/DS" (Structured Query Language/Data System) ins Spiel gebracht worden, das bisher nur DOS-Anwendern in Verbindung mit CICS/DL/I zur Verfügung steht. SQL/DS Vorteil: Einfaches Handling ermögliche auch wenig geschulten Fachbereichsmitarbeitern, mit einer Datenbank zu arbeiten.

IMS-Anwender erwarten nunmehr ein Query-Announcement im MVS-Bereich.

Der DV-Chef einer Nürnberger Versicherungsgesellschaft ("Ich spekuliere schon lange auf eine Query-Sprache") ist überzeugt, daß auf dem neuen IBM-Jumbo "etwas Ähnliches wie SQL" eingesetzt wird. Zwar sei seitens der IBM gewährleistet, daß auch IMS auf dieser Maschine laufe aber die Anzeichen für etwas Neues seien klar erkennbar. Bevor er jedoch auf ein anderes Datenbank-System umsteige, müsse eine hundertprozentige Software-Brücke vorhanden sein.

Und hier liege der Hund begraben glauben IBM Beobachter. Zwar führe Big Blue mit dem sagenumworbenen "System R" ("R" steht für relational) einiges im Schilde - weiß ein IMS-Berater, der erst kürzlich in der IBM-Zentrale in Armonk bei New York weilte- aber mit der Entwicklung einer Schnittstelle von IMS zu "R" hätten die Entwickler noch echte Schwierigkeiten. Trotzdem gehe unter DB/ DC-Cracks das Gerücht um, daß bis Mitte 1982 ein auf Query basierendes Datenbanksystem für die 3081 vorgestellt werden soll.

Auch die steckerkompatible Konkurrenz ist über die "relationale" Gangart der IBM-Datenbank-Crew informiert. Den Zeitpunkt für ein R-Announcement sehen die PCMs (Plug Compatible Manufacturers) jedoch noch in weiter Ferne. Ein neues DB/DC-System spekuliert ein PCM-Manager, passe derzeit nicht in die IBM-Landschaft.