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27.02.1981

Queryleien

"Dürftig, in keiner Weise State-of-the-art" urteilt Dr. Peter Schnell, Adabas-Designer und Geschäftsführer der Software AG, Darmstadt

Ähnlich reagiert Jürgen P. Schoon, Bereichsleiter DB/DC bei ADV/Orga: "Warten wir doch mal ab, bis das Ding da ist."

Und Sperry Univacs Josef Pecher sieht Probleme im Praxisverhalten eines "solchen, ja nicht ganz unkomplexen Systems". Daß eine IBM-Ankündigung wie die des. Programmproduktes, "SQL/DS" die Datenbank-Experten der Wettbewerber nicht vom Hocker reißt, ist verständlich. Beim "unbedarften Anwender" (Schoon) dürfte sie ihre Wirkung nicht verfehlen, schreibt doch kein Geringerer als der Vater des Relationenmodells, IBM-Fellow Dr. Edgar F. Codd über SQL/ DS: "Wir haben allen Grund, Hinsichtlich seiner weiteren, Entwicklung optimistisch zu sein." (Siehe auch Seite 3.)

Und fast schwärmerisch sprechen die Öffentlichkeitsarbeiter des Marktführers über die Benutzerfreundlichkeit des neuen Lizenzprogramms, das mit seinen Abfragemöglichkeiten das Informationsbedürfnis der Fachabteilungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung unterstützen soll.

Es ist schon eine gehörige Portion Datenbank-Software, die IBM auftischt. Aber will man die eierlegende Wollmilchsau züchten? Oder ist "relational" am Ende gar nur ein Marketing-Argument?

Mit großen Worten etwas bekanntzugeben, war immer schon die Stärke der IBM. Doch das Beispiel der Datenbank-Maschine System /38 schreckt: Erst Euphorie, hinterher Ernüchterung.

Ob SQL/DS nun ein relationales Datenbanksystem ist - nicht nur "relational" nach IBMs eigener Terminologie - werden auch die besten Spezialisten auf dem Gebiet relationaler Datenbanken anhand der vorliegenden Unterlagen nicht entscheiden können.

Bezweifeln muß man, daß für den Marktführer, der, laut Schnell, mit einem System wie DL/1 in der Sackgasse sitzt, die Datenbank-Welt nun mit einem Schlage in Ordnung ist. SQL/DS, das die Ad-hoc-Formulierung von Abfragen oder Reports unterstützt, widerspreche den hierarchischen Pointersystemen DL/I und IMS diametral Eine Zwischendatenbank aufzubauen, um dann SQL/DS gegen diese laufen zu lassen, löse das Problem nicht.

Daß DL/I und IMS die; Datenbank-Schlüsselangebote der IBM bleiben sollen, kann diese Vermutung nur bestätigen. Was läßt sich demnach mit ruhigem Gewissen über die IBM-Relation zum jetzigen Zeitpunkt sagen?

So viel ist sicher: SQL ist Query für DOS, ein Pendant zu QBE (Query By Example), das für Systeme unter VM/CMS als Softwareprodukt verfügbar ist.

Abnehmen kann man der IBM außerdem, daß sich DL/I-Benutzern mit SQL/DS neue Datenbank-Möglichkeiten eröffnen, zumal auch DL/I DOS/VS ein bißchen schöner wird.

Wackliger erscheint schon, was IBM als Argumentationsgebäude in Sachen "Performance" aufbaut. Es gibt bekanntlich Datenbank-Pragmatiker, die der Ansicht sind, daß wirklich relationale Datenbanken auf der heutigen Hardware nicht eingesetzt werden können.

IBM hütet sich denn auch, was die Leistung betrifft, allzusehr auf die Pauke zu hauen. Diese hinge, so Codd, von "vielen Faktoren" ab. Nur muß daran erinnert werden, daß auch über die Datenbankmaschine /38 ähnliches gesagt wurde.

Gesamteindruck: Gewiß neue Möglichkeiten für DOS-Anwender - aber kein Grund zum Jubeln.

Greifen wir noch einmal das Schoon-Zitat auf: "Warten wir doch mal ab, bis das Ding da ist."