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13.06.1980 - 

Köpfe kann man nicht duplizieren:

Quo vadis Programmierer?

Zeiten, da einem "Elektronengehirn" die auszuführenden Aufgaben von "Bitfummlern" in Maschinensprache oder Autocoder in einem langwierigen Arbeitsprozeß mühsam beigebracht werden mußten, liegen gerade 25 Jahre zurück. Nur wenige waren befähigt, der ungewohnten Logik eines Rechners im 3-Excess-, Aiken- oder anderen Codes zu folgen. Ist es den Computersprachen gelungen, in diesem Viertel Jahrhundert mit den elektronischen Innovationen Schritt zu halten?

Um 1960 etablierten sich zunächst die Programmiersprachen Algol und Fortran für wissenschaftliche Anwendungen und dann Cobol für kommerzielle Anwendungen. PL/1 als "modernste" Sprache datiert zurück in das Jahr 1964. Programmierer waren damit in der Lage, ihre Aufgaben in einer "problemorientierten" Sprache auf Lochkarten zu formulieren und in die "Stapel"-Schlange zur Bearbeitung einzureihen.

Verarbeitet wurden Daten in sequentieller Form von Band oder Karte. Top-Programmierer haben in jener Zeit sogar schon die Möglichkeiten und Vorteile eines direkten Datenzugriffs erahnt.

Wettlauf um Bequemlichkeit

Die gewaltige Akzeptanz der Datenverarbeitung - anfangs zu nicht unerheblichem Teil mehr aus Prestige denn aus Notwendigkeit-, die ständige Integration neuer Sachgebiete und das dadurch verursachte Anwachsen der Massendatenbestände sowie die harte Konkurrenz am Markt zwangen dle Hersteller zu einem gigantischen Rennen in der technischen Weiterentwicklung von DV-Anlagen.

þDirektspeichermedien sind mit großer Speicherkapazität bei niedrigem Preis verfügbar, so daß umfangreiche Massendatenbestände im Direktzugriff organisiert werden können.

þDatenbankverwaltungssysteme entwickelten sich aus speziellen Anwendungen (wie IMS aus der Stücklistenverarbeitung) oder implementierten bereits einen allgemeineren Ansatz flexibler Datenverwaltung (wie das relational orientierte System Adabas).

þDatenfernverarbeitung ermöglicht die Kommunikation mit der zentralen Datenverarbeitungsanlage in einem mehr oder weniger flüssigen Dialog.

þDer Investitionsaufwand für die Installation von DV-Anlagen ist hyperbolisch gesunken und die Leistungsfähigkeit auf der anderen Seite exponentiell gestiegen, so daß es möglich ist, Datenverarbeitungskapazität überall für jeden Mitarbeiter eines Unternehmens zur Verfügung zu stellen.

Wie aber sieht es für den Anwender und den Endbenutzer aus? In welchem Maße können sie an dieser "technischen Revolution" partizipieren?

Im Bereich der Programmiersprachen und der Kommunikation mit dem Rechner auf der anderen Seite scheint die Zeit seit 1964 still zu stehen. Anwendungsprogramme werden auch heute noch mit den Programmiersprachen von gestern formuliert, wobei die Erstellung eines Programmes im wesentlichen noch so abläuft, wie zu der Zeit, als noch Löcher in Karten gestanzt wurden. Die technischen Möglichkeiten - der direkten Kommunikation können mit den gegebenen Mitteln nicht effektiv genutzt werden.

Wunschtraum: "problemorientiert"

Keine der bestehenden "höheren" Programmiersprachen hat die neueren Entwicklungen der Datenverarbeitung wie Datenbanktechnik und direkte Datenfernverarbeitung adaptiert, so daß ein Anwendungsproblem zur Gänze in einer "problemorientierten" Sprache formuliert werden könnte.

Es scheint vielmehr so, daß für die Bearbeitung eines wesentlichen Teils des Anwendungsproblems, wie beispielsweise der Bildschirmformatierung, die "Bitfummlerqualitäten" aus der Gründerzeit für einen Programmierer wieder sehr gefragt sind. Die Beherrschung neuerer Techniken,wie Datenbankverarbeitung und Terminalkommunikation, liegt zur Zeit in den Händen von "Brahmaputras der Steuerblöcke und Systemgenerierungen", die die Kommunikation mit dem Rechner nur wenigen Eingeweihten erlauben.

Ein Anwendungsprogrammierer sieht sich bei der Implementierung seines Anwendungsproblems mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Werkzeugen konfrontiert, wie Compiler, Betriebssystem, Masken-Generatoren, Datenbanksystem, interaktiven Testhilfen, Job-Control, kompatibilitätserzwingende Schnittstellen, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Beherrschung aller dieser Werkzeuge lenkt ihn dabei unvermeidlich von der eigentlichen Aufgabe, dem Anwendungsproblem ab.

Es scheint deshalb angebracht, alle heute bekannten Lösungstechniken und Softwarewerkzeuge lkonstruktiv) in Frage zu stellen.

Es kann nicht wahr sein, daß die höheren Programmiersprachen von 1962 heute noch zur Beherrschung aller verfügbarer technischer Möglichkeiten anwendbar sind und eine wirtschaftliche Ausnutzung der technisch so leistungsfähig gewordenen Hardware zulassen. Die Zukunft muß daher für den Anwendungsprogrammierer neue "problemorientierte" Sprachen bringen.

Diese Systeme, die heute schon ohne den Stempel der Normierung eine hohe Akzeptanz bei Anwendern gefunden haben, bilden eine richtungsweisende Basis für eine neue Generation von Programmiersprachen, die dem Anwendungsprogrammierer wieder die Möglichkeiten bieten, problemorientiert oder eventuell auch schon in natürlicher Sprache mit dem Rechner zu kommunizieren.

Ein Großteil der Arbeiten, die heute noch als Programmierung bezeichnet werden, können mit der Verfügbarkeit dieser Arbeitswerkzeuge direkt in die Fachabteilungen verlegt werden. Einem Sachbearbeiter wird es möglich sein, statt Programmvorgaben sein Anwendungsproblem direkt für den Rechner zur Verarbeitung zu formulieren.

Dabei wird die Integration von verschiedenen Software-Komponenten wie den oben erwähnten System-/ Dienstprogrammen in einem einheitlichen System die "Mechanik", die heute zur Beherrschung der Werkzeuge nötig ist, in den Hintergrund drängen. Anwendungsprogrammierer werden von der Routinearbeit von Ad hoc-Anfragen und Trivialtransaktionen befreit und können sich mit 100 Prozent ihrer Kapazität darauf konzentrieren, komplexere Systeme mit der zugehörigen Datenverwaltung zu implementieren.

Der Beruf des Programmierers wird dadurch aufgewertet werden, daß er mehr und mehr die Rolle des versierten Beraters für die Endbenutzer übernimmt und nicht mehr als Handlanger Listenbilder nach Vorgabe implementiert. Durch den direkten Kontakt der Fachabteilungen mit den Rechner wird das Verständnis für die Datenverarbeitung wachsen.

Die Datenverarbeitungsspezialisten auf der anderen Seite werden sich mehr dem Endbenutzer zuwenden müssen und ihm die neuen Handwerkzeuge der Datenverarbeitung näherbringen.

Soll in der kommerziellen Datenverarbeitung der technische Fortschritt in Form von erhöhter Rechnerleistung und stark sinkenden Preisen für Hardware nutzbar gemacht werden, so ist die Schaffung neuer Softwarewerkzeuge ein Muß, denn es fehlt am Markt an qualifizierten Programmierern und Köpfe lassen sich nicht kopieren oder in Masse herstellen.

*Dipl.-Ing, Peter Page ist Vorstandsmitglied der Software AC, Darmstadt.