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15.08.1997 - 

PPS-System von Marcam erhält den Vorzug

R/3 allein bringt BASF nicht weiter

Die Prozeßfertigung stellt hohe Anforderungen an die unterstützende Software (siehe Kasten auf Seite 3). Ein Produktionsplanungs- und -steuerungssystem, das für die Serienproduktion entwickelt wurde, kann hier nicht mithalten. Deshalb bildet die chemische und pharmazeutische Industrie diese Funktionen häufig noch mit eigenen Systemen ab.

Auch der BASF-Bereich CZ nutzt bislang ein selbstentwickeltes Bestandsführungs-System. Doch seit geraumer Zeit sucht das Qualitäts-Management nach Alternativen, um die Dispositionsmöglichkeiten zu verbessern und die Lagerbestände zu verringern.

Da die langfristige Strategie des Gesamtkonzerns auf den Einsatz der SAP-Software R/3 abzielt, startete CZ vor rund einem Jahr ein Pilotprojekt mit dem R/3-Modul PP/PI, das die SAP AG, Walldorf, speziell für die Prozeßindustrie entwickelt hat - unter tatkräftiger Mithilfe von namhaften Chemiebetrieben wie Wacker, Henkel und Hoechst.

Doch offenbar ist PP/PI in seiner derzeitigen Form noch nicht in der Lage, allen Bedürfnissen der Prozeßfertiger zu genügen. Darüber hinaus stellten die BASF-Mitarbeiter fest, daß die Einführung der R/3-Moduls wohl länger dauern würde, als anfangs erwartet. Folglich brachen sie den Pilotversuch nach neun Monaten ab und machten sich erneut auf die Suche nach einer Software, die die alte Bestandsführung ablösen könnte.

Sie wurden gleich zweimal fündig: bei der Marcam Corp., Newton, Massachusetts, und im eigenen Hause. Das Rennen machte schließlich die objektorientierte Standardsoftware Protean von Marcam. Auf der Strecke blieb ein Produkt, das die BASF-Abteilung Zentrale Informatik entwickelt und bereits an einigen Stellen im Konzern eingeführt hat: "Distributed Production for Technical Plastics" (Duplis) war die erste Anwendung, die auf der Grundlage der BASF-eigenen Objektklassen-Bibliothek erstellt wurde.

Doch wie in anderen Unternehmen müssen auch bei der BASF die internen Informatiker mit den externen Anbietern konkurrieren. Und der CZ-Bereich entschied sich gegen das selbsterstellte System. Die ausschlaggebenden Gründe waren anscheinend weder im funktionalen noch im finanziellen, sondern vor allem im politischen Bereich zu suchen. Dem Vernehmen nach hofft CZ, daß bei einem Fertigprodukt der Druck der Kunden auf die Entwickler größer sei als bei einer Eigenentwicklung. Die BASF-Abteilung selbst wollte zu diesem Thema keine Stellung nehmen.

Die Protean-Komponenten Inventory Management, Planning, Quick Scheduler, Process Definition und Resource Accounting sollen bis zum Ende des Jahres in zwei Betrieben eingeführt werden. Laut Zeitplan werden die anderen 16 Fertigungsstätten bis Mitte 2000 folgen.

Einen ähnlichen Weg wie BASF schlug vor etwas mehr als zwei Jahren die Henkel KGaA, Düsseldorf, ein. Obschon der vor allem als Waschmittelproduzent bekannte Konzern in anderen Anwendungsbereichen ein guter SAP-Kunde ist, arbeitet er bereits in zweien seiner Chemiebetriebe (Fettsäuren und Fettalkohol) mit Protean. Einige andere sind gerade mit der Einführung der Marcam-Software beschäftigt.

Wie der zuständige Chefinformatiker und Direktor für Materialwirtschaft, Wulf Wenke, ausführt, verfügt das R/3-Modul PP/PI bislang nur "in Ansätzen" über die notwendigen Funktionen für die Bedürfnisse der chemischen Industrie. So sei es beispielsweise noch nicht möglich, die Materialplanungs-Algorithmen gleichzeitig für die Kostenrechnung zu nutzen.

Eine Mixed-Software-Umgebung, wie die Düsseldorfer sie betreiben, schafft, so Wenke, allerdings ein paar Probleme, die nur ein Betrieb mit guter Informatikabteilung lösen könne - nicht aber eine der kleineren ausländischen Henkel-Niederlassungen. Ihretwegen sind die Rheinländer der SAP seit dem vergangenen Herbst bei der Weiterentwicklung von PP/PI behilflich. Sie haben nicht nur maßgeblich an der Anforderungsdefinition mitgearbeitet, sondern stellen sich auch als Testanwender zur Verfügung. Ende des kommenden Jahres soll das Prozeßfertiger-Modul um die fehlende Funktionalität ergänzt sein.

Die Vermutung, danach werde die Henkel-Chemie Protean ad acta legen, weist Wenke allerdings von sich. Ein System wie Protean, das das Arbeitsumfeld der Belegschaft so nachhaltig beeinflusse, könne frühestens in sieben Jahren abgelöst werden - zumal sich die Einführungskosten ja auch amortisieren müßten.

a + b = F

Der Unterschied zwischen einem Serien- und einem Prozeßfertiger springt selten so deutlich ins Auge wie in der Abteilung Chemische Zwischenprodukte der BASF AG. Die 1200 Mitarbeiter in den 18 verschiedenen Betrieben stellen im Jahr mehr als zwei Millionen Tonnen Halbfertigchemikalien (Diole und Amine) her, die zu zwei Fünfteln im BASF-Konzern weiterverarbeitet und zu 60 Prozent an externe Kunden veräußert werden. Diese Stoffe entstehen in komplizierten Produktionsvorgängen, bei denen A plus B nur selten C ergibt. Vielmehr ist es bei dieser "Kuppelproduktion" eher die Regel als die Ausnahme, daß sich die Ausgangssubstanzen in diverse Zwischenprodukte aufspalten und/ oder zu unterschiedlichen neuen Stoffen fusionieren.