Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Nach wie vor ist Windows die erste Wahl bei SAP

R/3 auf Linux: Vollmundiges Marketing, halbherziger Support

27.08.1999
MÜNCHEN - Nachdem die SAP AG noch im letzten Jahr eine Portierung des betriebswirtschaftlichen Standardpakets R/3 auf Linux ausgeschlossen hatte, sorgte eben diese Ankündigung auf der diesjährigen CeBIT für Furore. Ein durchgängiger Einsatz des Open-Source-Systems vom Server bis zum Frontend ist jedoch lediglich mit Abstrichen möglich. Axel Braun* beschreibt die Probleme beim Einsatz von R/3 unter dem Betriebssystem von Linus Torvalds.

Als strategische Plattform in heterogenen Umgebungen ist Linux immer häufiger die erste Wahl. Durch die offene Architektur bietet es sich als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Welten geradezu an. Die freie Verfügbarkeit führt - anders als bei anderen Betriebssystemen wie Windows - zu keinerlei Problemen mit Lizenzbestimmungen. Kein Wunder, daß immer häufiger Unternehmen auf die Idee kommen, Linux durchgängig bis zum Frontend einzusetzen. Dies belegt das immense Interesse am Pinguin-Betriebssystem: Allein Corel konnte mehr als eine Million Downloads der Textverarbeitung "Wordperfect für Linux" registrieren.

Front-end mit einigen Abstrichen

Wer unter SAP etwas anderes als Windows im Front-end-Bereich einsetzen will, muß allerdings Abstriche machen: Zwar existiert ein Frontend für Linux, doch dieses wird nicht offiziell unterstützt und basiert noch dazu auf der Eigeninitiative von SAP-Mitarbeitern. Entsprechend findet es sich denn auch im abgelegenen Bereich "Unsupported" auf dem SAP-Server. Die Front-end-Strategie von SAP ist auch nach den vollmundigen Versprechen der Marketiers stark von Microsoft-Produkten geprägt: Während das Win-32-GUI separat weiterentwickelt wird, sollten die Front-ends für andere Plattformen ursprünglich in einem Java-Applet (Sapgui in Java) gebündelt werden. Diese Entwicklung wurde abgebrochen. Statt dessen stellt man für Release 4.x von R/3 zusätzlich spezielle Front-ends für Windows 3.x, IBMs OS/2, Apple Macintosh und "OSF/Motif" zur Verfügung.

Ab Release 4.6 "Enjoy SAP" werden die Entwicklungslinien für Front-ends auf Mac-OS, Motif und OS/2 mit einer gemeinsamen Codebasis in Java als "Platform Independent GUI" realisiert. Damit sollen Verfügbarkeit und Funktionsumfang vereinheitlicht und verbessert werden. Separat wird es weiter ein Win-32-GUI geben, das nun auch Browser-basiert ist. Wahrscheinlich wird der Internet-Explorer dieses GUI sein, wie er auch jetzt als Grundlage der 4.x-Online-Dokumentation dient.

Für das neue Java-GUI werden die unter Win-32 benutzten-Ac- tive-X-Controls als Javabeans reimplementiert. Um die Abwärtskompatibilität zu gewährleisten, plant SAP die Verwendung bereits vorhandener Bibliotheken auf den jeweiligen Plattformen, um Funktionen wie Netzwerkkommunikation, File Transfer und Business-Grafiken zu realisieren. Damit stehen Funktionen auf dem Einsatz von Controls zur Verfügung, die bisher den Win-32-Usern vorbehalten waren. Das neue Platform Independent GUI wird zudem unabhängig von einem GUI-Server lokal installiert.

Ein weiterer ungeklärter Bereich sind die Front-ends der "New-Dimension"-Produkte wie "Business Warehouse" (BW) oder dem "Advanced Planner and Optimizer" (APO): Deren Front-ends sind heute ausschließlich als Windows-Versionen erhältlich. Ein Einsatz unter Linux oder anderen Systemen ist damit zum momentanen Zeitpunkt nicht möglich.

Neben der Front-end-Problematik ist die Integration mit Office-Produkten ein kritischer Punkt beim Einsatz von Linux auf R/3. Auch hier gilt die Regel "Wer SAP sagt, muß auch Microsoft sagen": Viele Schnittstellen sind hart mit Microsoft-Office-Produkten verdrahtet, die Anbindung anderer Produkte wurde eher mäßig implementiert. Zumindest eine bessere Kompatibilität mit "Staroffice" aus Hamburg wäre wünschenswert, da dieses Produkt auch plattformübergreifend verfügbar ist und es in puncto Funktionalität und Integration durchaus mit dem Rivalen aus Redmond aufnehmen kann.

Die Online-Dokumentation von Linux für R/3 wurde inzwischen von Winhelp auf Hypertext Markup Language (HTML) umgestellt. Wird diese auf einen Server installiert, kann die allgemeine HTML-Version mit einem beliebigen Browser angesehen werden. Um die Dokumentation auf einer lokalen Installation, etwa auf einem Notebook, lesen zu können, ist jedoch Microsofts "Internet Explorer" zusammen mit einem SAP-Programm notwendig, da die direkt lesbare Hilfeversion auf der CD im kompilierten HTML-Format vorliegt. Alternativ könnte auch die übliche, 500 MB umfassende HTML-Hilfe auf der Festplatte installiert werden. Deren Löschung hat sich übrigens als sichere Methode erwiesen, eine Windows-NT-Installation zu zerstören: Das NTFS-Dateisystem kommt durch die Vielzahl an Einträgen auf Rootlevel in Schwierigkeiten.

Mit der Unterstützung von Linux als R/3-Plattform ist der reibungslose Betrieb bis zum Front- 0end unter Linux noch nicht sichergestellt. Microsoft-Produkte dominieren die SAP-Welt noch stark. Daß dies nicht nur Vorteile bietet, bekommt SAP gerade selbst zu spüren: Die Pilotablösung des R/3-basierten internen Mail-Systems auf Microsofts "Exchange" und "Outlook" ist in- offiziellen Aussagen zufolge mit mehrstündigen Systemausfällen und Datenverlusten verbunden.

*Axel Braun ist Unternehmensberater in Düsseldorf.