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14.05.1999 - 

Speicherkonzepte/Zeitersparnis durch Archivierung

R/3-Datenbank auf den Euro vorbereiten

Von Reinhard Unterstein* Die Umstellung auf den Euro in einem R/3-gesteuerten Unternehmen bedarf einer ausgeklügelten Zeitplanung. Hilfreich dabei sind die Auslagerung und Archivierung von Belegen.

Welcher R/3-Anwender kennt das nicht: Der Zugriff auf einen Datensatz in seinem SAP-R/3- System dauert deutlich länger, als dies anfangs der Fall war; der Systemadministrator klagt, daß die Sicherungszeit der Datenbank deutlich angewachsen sei und überhaupt wird freier Plattenspeicher bedrohlich knapp. Zu allem Unglück müssen demnächst sämtliche finanzrelevanten Datensätze von Mark auf Euro konvertiert werden - ein Vorgang, der viel Zeit kostet. Zeit, in der das R/3-System den Anwendern nicht zur Verfügung steht.

Systembedingt ist es nämlich nicht möglich, nur Datensätze eines bestimmten Zeitraums zu konvertieren, sondern es gilt das Prinzip "Alles oder nichts". Die Umsetzung ist jedoch ein zeitaufwendiger Vorgang. Um Inkonsistenzen zu vermeiden, muß die R/3-Datenbank dazu offline gesetzt werden. Währenddessen können die Anwender also nicht damit arbeiten. Um die Konvertierung auf einen möglichst kurzen Zeitraum zu beschränken, ist es dringend ratsam, zuvor sämtliche nicht mehr aktuellen SAP-Belege zu archivieren.

Die Lösung des Problems besteht darin, die R/3-Datenbank zu reorganisieren, also "schlanker" zu machen. SAP bietet dazu ein Tool mit dem Namen Archive Development Kit (ADK) an. ADK ist in der Lage, über eine benutzerfreundliche grafische Bedienoberfläche abgeschlossene Vorgänge (SAP-Belege) aus einer R/3-Datenbank zu extrahieren. Zurück bleibt lediglich ein kurzer Verweis, so daß ähnlich wie bei der Dateimigration durch ein HSM-Tool (Hierarchical Storage Management) völlige Transparenz gegenüber dem R/3-Anwender gewahrt bleibt.

ADK läßt sich so konfigurieren, daß die aus der Datenbank entfernten Datensätze in einem frei wählbaren File-System in einer sequentiell fortgeschriebenen Archivierungsdatei abgelegt werden. Die Größe dieser Datei kann dabei beträchtliche Ausmaße annehmen und liegt nicht selten im Gigabyte-Bereich. Da die archivierten Datensätze in der Regel nicht mehr in die R/3-Datenbank zurückgeladen, aus verschiedenen Gründen aber noch für längere Zeit aufgehoben werden müssen, liegt es nahe, diese Daten auf ein kostengünstiges Medium, beispielsweise eine Magnetbandkassette, auszulagern.

Da ADK seine Daten in einem File-System, also normalerweise nur auf Platte, ablegt, wäre es für eine Archivierung außerordentlich vorteilhaft, dessen Konzept auf einen Nearline-Speicher auszudehnen. So hat sich die Firma Siemens nach umfangreichen Integrationstests mit R/3 zu diesem Zweck für "Amass", ein Produkt ihres Partners Adic/Grau, entschieden. Diese Lösung (siehe Abbildung) kombiniert die Eigenschaft von SAP-ADK und Amass, bei der das File-System die klar definierte Schnittstelle darstellt.

Amass bewirkt also im Prinzip, daß sich aus Sicht der Anwendung der gesamte Nearline-Speicher wie eine einzige Festplatte verhält. Das bedeutet: Eine Datei, die im Amass-File-System abgelegt wird, wandert durch entsprechende Mechanismen auf ein festgelegtes Medium (etwa eine Magnetbandkassette oder eine optische Platte), das sich typischerweise in einem Roboterarchiv oder einer optischen Jukebox befindet. Für den Fall, daß ein bestimmter Datensatz aus dem Archiv geholt und gelesen werden muß, bewirkt Amass, daß nur die benötigten Blöcke und nicht die gesamte Datei eingelesen werden. Auf diese Weise wird die Wartezeit, die durch den Retrieval-Vorgang entsteht, auf ein Minimum reduziert.

Infolge der von Amass unterstützten Vielfalt an Nearline-Peripherie läßt sich mit dieser Lösung ein abgestuftes Archivierungsmodell realisieren: Demnach wird eine Archivierungsdatei zu Beginn auf optische Medien verlagert (beispielsweise für einen Zeitraum von zwei Jahren), um sie anschließend auf Dauer auf preisgünstige Magnetbandkassetten abzulegen.

R/3-Archivierung früh planen

Neben dem bereits erwähnten Performance-Gewinn durch einen deutlich schnelleren Zugriff auf die gewünschten SAP-Belege lassen sich mit dieser Lösung also zusätzlich teurer Plattenspeicher einsparen und die Datensicherung auf einen Bruchteil der ursprünglichen Zeit reduzieren.

Die gewissenhafte Reorganisation einer R/3-Datenbank ist insgesamt kein Vorgang, den man so nebenbei erledigen kann. Grob betrachtet dauern das Anlegen wie auch die Archivierung eines SAP-Belegs ähnlich lang. Folglich die Empfehlung, sich schon frühzeitig mit dem Thema R/3-Archivierung zu beschäftigen und nicht erst dann, wenn die Performance merklich schlechter oder die Ressourcen deutlich knapper geworden sind.

Abkürzungen

ANSI American National Standard InstituteAPI Application Programming InterfaceATM Asynchronous Transfer ModeCMU Carnegie-Mellon UniversityDT Disasten TolerantDWDM Dense Wavelength Division MulitplexingEIA Electronics Industry AssociationANSA Enterprise Network Storage Architecture (Compaq)ESCON Enterprise Systems CONnection (IBM)ESN Enterprise Storage Network (EMC)FC Fibre ChannelFC - AL Fibre Channel - Arbitrated LoopFCSI Fibre Channel Systems InitiativeFICON Fibre Channel CONnection (IBM)FR Failure ResistantFT Failure TolerantHiPPI High Performance Parallel InterfaceHPSS High Performance Storage SystemHSM Hierarchical Storage ManagementIEEE Institute of Electronical and Electronical EngineersIP Internet ProtocolIPI Intelligent Periphal InterfaceIPI Industry Technology Information CouncilISA Intelligent Storage ArchitectureIT Information TechnologyJBOD Just a Bunch Of DisksJVM Java Virtual MachineLAN Local Area NetworkLMP Library Management ProtocolMIB Management Information BaseMMIP Media Manager Interchange ProtocolMMP Media Management ProtocolNAB Nation Association of BroadcastersNAS Network Attached StorageNASD Network Attached Secure Disks (Terminologie der CMU)NCITS Nation Committee for Informa- tion Technologies and ServicesOOD Object Oriented DevicesRAG RAID Advisory BoardRAID Redundant Array of Independent DisksRAS Reliability, Availability, ServiceabilitySAN Storage Area NetzworkSBCCS Single Byte Command Code Set (für ESCON, IBM)SCSI Small Computer System InterfaceSES SCSI Enclosure ServicesSFF Small Form Factor CommitteeSNMP Simple Networking Management ProgramSNMWG Storage Network Management Working GroupSSAIP Session Security, Authentication, Initialization ProtocolTCP Transmission Control ProtocolVISTA Virtual Intelligent Storage ArchitectureWDM Wavelength Division Multiplexing

Angeklickt

Die Konvertierung der Datensätze von Mark in Euro belastet R/3-Systeme zusätzlich zur permanent steigenden Anzahl von Datensätzen. Es empfiehlt sich deshalb, nicht mehr aktuelle SAP-Belege vor der Umsetzung zu archivieren. Mit Tools lassen sich entsprechende abgeschlossene Vorgänge extrahieren und in Nearline-Speichern ablegen. Auch ein mehrstufiges Verlagern ist möglich.

*Reinhard Unterstein ist Senior Consultant Storage, Bereich Systemintegration der Siemens AG, Computer Systems in München.