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01.06.1990 - 

Die Hersteller müssen helfen

R Z-Automation: Allein ist der Anwender überfordert

Wann und wo automatisieren? Vor dieser Frage stehen heute immer mehr Unternehmen. Sie erkennen, daß die Automation ihrer Rechenzentren erhebliche Produktivitätssteigerungen einbringen kann. Bei der Realisierung solcher Projekte sind die Anwender laut IDC-Infodienst* allerdings auf Hilfe von Herstellerseite angewiesen.

*Dieser Beitrag ist der Ausgabe 8/90 des Branchen-lnformationsdiensts "Softwaremarkt" vom 2. Mai 1990 entnommen, den die IDC Deutschland GmbH, Kronbach, herausgibt.

Automatisierungsprozesse verursachen zunächst einmal Kosten in Form von Investitionen, die gerechtfertigt werden müssen. Mit einfachem "Herumexperimentieren" können die benötigten Antworten sicher nicht gefunden werden. Im Gegenteil: Beim Kunden wird früher oder später Unzufriedenheit erzeugt, weil die angestrebten Ziele auf diese Weise meistens nicht verwirklicht werden können. Wie also kann man erfolgversprechend an die Automatisierung eines Rechenzentrums herangehen? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit sich die RZ-Automatisierung lohnt?

Vor der Automations-Planung steht prinzipiell die Frage der organisatorischen Durchführbarkeit dieses Schrittes. Durch die Beantwortung der folgenden acht Fragen kann festgestellt werden, inwieweit die gegenwärtige Situation eines DV-Mitarbeiterstabs die Automatisierung erlaubt:

- Sind der DV-Bereich beziehungsweise die derzeit zu bewältigenden Aufgaben noch relativ neu?

- Wächst der DV-Bereich?

- Zeichnet die DV-Abteilung für die Entwicklung und Implementierung neuer Systeme und Prozeduren verantwortlich?

- Haben die DV-Mitarbeiter eine positive Grundeinstellung und ist das Betriebsklima gut?

- Setzen die Operatoren derzeit besondere Werkzeuge ein, um die Produktivität zu erhöhen?

- Steht das Management hinter dem Plan, die Produktivität durch eine Automatisierurg des RZ-Betriebes zu steigern?

- Sind die Mitarbeiter in der DV-Abteilung stark motiviert?

- Gibt es derzeit einen Verarbeitungsrückstand, der mit der Implementierung von Automatisierungs- oder Produktivitätssteigerungs-Tools zusammenhängt?

Werden die ersten vier Fragen überwiegend mit ,Ja" beantwortet, so sollte der Anwender zunächst von einer Einführung neuer Automatisierungstools und -methoden absehen. Diese Ernpfehlung steht im Gegensatz zur gängigen Praxis: Zu Beginn neuer Projekte werden häufig auch neue Tools integriert. Dieses Verfahren führt aber aus den nachstehend geschilderten Gründen nicht zu einer Verbesserung.

Zu wenig Zeit für eine gründliche Vorbereitung

Anwendungsentwickler treffen sich vor Beginn eines neuen Projektes mehrfach mit den Anwendern, um sich über deren zeitliche und personelle Ressourcen zu informieren. Wird eine neue Entwicklungsumgebung eingeführt, so wollen die Programmierer erst einmal damit experimentieren. Für Planung und Realisierung von Optimierungen ist der zeitliche Rahmen gewöhnlich zu knapp.

In gleicher Weise beginnen die Operatoren in einer RZ-Umgebung mit dem Ausprobieren neuer Produkte oder Leistungsmerkmale. Sie haben nicht die Zeit, ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Planung der RZ-Automatisierung zu richten. Hierbei ist aber jeder Planungsschritt - vom ersten bis zum letzten - von enormer Bedeutung.

Konnten die letzten vier unserer acht Fragen mehrheitlich positiv beantwortet werden, so ist der Zeitpunkt für eine Automatisierung des RZ-Betriebes oder für eine Implementierung von Tools zur Produktivitätssteigerung gekommen. Die Mitarbeiter des jeweiligen Anwenderunternehmens kennen das System, die Prozeduren und deren Schwachstellen und können damit die Optimierung unterstützen.

Falls die DV-Mitarbeiter des Anwenders bereit sind, an der RZ-Automatisierung mitzuarbeiten, kann die Aufstellung von Richtlinien beginnen, mit deren Hilfe Ziele abgesteckt und Resultate gemessen werden können. Ein ausführlicher Projektplan wird erstellt.

Da die Materie komplex ist, wird das Thema RZ-Automatisierung hier beispielhaft anhand der Luftfahrtabteilung von Northrop behandelt. Dieser Fall zeigt, wie sich durch eine sorgfältige Planung Produktivitätssteigerungen erzielen sowie Kosten einsparen lassen. Dort wurde vor nunmehr vier Jahren die Automatisierung der Datenverarbeitung damit begonnen, sich einen Standpunkt zu erarbeiten und daraus folgende Zielvorstellungen zu entwickeln. Dazu gehört an erster Stelle die Automatisierung der RZ-Aktivitäten.

Für die Benutzer beziehungsweise Kunden strebte das Unternehmen die Erstellung einer Self-Service-Umgebung an, in die die TQM-Philosophie (Total Quality Management) von Northrop integriert ist. In diesem Zusammenhang wurden auch verschiedene Vereinbarungen auf der Serviceebene ausgearbeitet.

Geplant war auch die Zusammenstellung eines Command-Centers mit Gruppen für übergeordnete Konsoloperationen, für die Steueung der Computerproduktion und für den Benutzer- und Kundenservice.

Diese Vorstellungen wurden dann in konkrete Ziele übertragen:

- Verbesserung der System-verfügbarkeit von 98 auf 99 Prozent und zwar 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche,

- statt 90 sollten künftig 95 Prozent der einzelnen Teilsysteme (CICS, TSO, IMS und VM-PROFS) mit Antwortzeiten von unter 5 Sekunden aufwarten können,

- Reduzierung der Wiederholungsläufe aufgrund von Operatorfehlern um 50 Prozent,

- Abbau des Mitarbeiterstabes für den direkten Support,

- Verringerung der Meldungsbearbeitung durch den Operator um 50 Prozent,

- Automatisierung der Bandverwaltung, um den Aufwand für Tape-Mounts um 30 Prozent zu senken,

- Reduzierung der benutzerspezifischen Formulare um 50 Prozent und

- Halbierung der Netzwerkbefehle.

Bei der Evaluierung der aktuellen Umgebung wurden eine Vielzahl potentieller Verbesserungen entdeckt, die sich allein durch die Anpassung und Optimierung existierender Prozeduren ergaben. So wurde ermittelt, welche der angeschlossenen Terminals unnötig Meldungen erhielten.

Durch die Begrenzung der Meldungsübergabe an die Zielterminals konnte der "Meldungsverkehr" im System drastisch reduziert werden. Diese Verbesserung wurde weder als Produktivitätssteigerung noch als Kostenreduzierung gemessen, da es hierbei nur von Bedeutung war, daß sich die Effektivität bereits ohne RZ-Automatisierung erhöhte.

Außerdem entschied sich Northrop für das Rechenzentrums-Werkzeug "AF/Operator" von Candle.

Die Implementierung begann Mitte 1988 unter Verwendung von Clist-ähnlichen Prozeduren und Traps zur Unterdrückung von WTOs (Write To Operator) und zur Beantwortung von WTOR-Anfragen (Write To Operator with a Reply), der Initiierung von tageszeitabhängigen Operationen und AF/Operator-Befehlen.

Bis heute existieren etwa 400 solcher Prozeduren. Daß sich der Aufwand gelohnt hat, beweisen die Ergebnisse.

Bereits früh wurde klar, daß die Art und Weise, in der Regeln und Traps angelegt sind, von großer Bedeutung ist. Die Erstimplementierung führte zu nicht erwartetem CPU-Overhead. Die Auswirkungen neuer Regeln und Traps auf die CPU müssen daher in jedem Fall ausführlich untersucht werden. Hier kann der Anbieter mit seinen Erfahrungen bei der Optimierung des Ablaufverhaltens helfen.

75 Prozent weniger Meldungsverkehr

Nützlich war auch, daß Northrop über eine Routine zur Überwachung der Auswirkungen neuer Implementationen auf die CPU verfügte. Mit der Zeit agierten die RZ-Mitarbeiter bei der Entwicklung neuer Regeln und Traps immer geschickter. Ein Vergleich der Meldungshäufigkeit vor und nach der Optimierung zeigte, daß der Meldungsverkehr auf einzelnen Terminals um bis zu 75 Prozent eingeschränkt werden konnte.

Bis dahin war allerdings ein zeitaufwendiges Training nötig, das neben der Wissensteigerung auch noch andere positiver Nebeneffekte hatte. So erfuhren die Mitarbeiter, daß das Unternehmen auf ihre Fort- und Weiterbildung Wert legt und ihnen mehr Aufstiegschancen bietet, als sie vermuteten.

Eine weitere Investitionsentscheidung gilt der Automatisierung für das Magnetbandwechseln. Nach eingehenden Untersuchungen wurde festgestellt, daß die Installation von ACLs (Automatic Cartridge Loader) für einen Teil der 3480-Laufwerke Produktivitätssteigerungen ermöglichen könnte. Der Zeitaufwand läßt sich beim Einsatz von ACLs - im Gegensatz zum Handbetrieb per Operator - um 50 Prozent und mehr verkürzen.

Dabei wurde das ACS 4400 (Automatic Cartridge System) von Storagetek "unter die Lupe" genommen. In naher Zukunft soll nun eine Installation dieses Systems erfolgen. Eine Analyse ergab - wie übrigens auch andere Anwender dieses Systems bestätigen -, daß die hierbei entstehenden Kosten gerechtfertigt werden können.

Eine Analyse des Formularausdrucks verdeutlichte, daß durch die Verwendung eines Laserdrucksystems, bei dem sich jeder gedruckte Punkt ansteuern läßt, die Kosten nochmals deutlich gesenkt werden können. Die Entscheidung fiel zugunsten eines IBM-Systems 3800. Die AFP-Option für die 3800 wurde ebenfalls installiert, wodurch der Bedarf an teuren Spezialformularen gesenkt werden konnte. Innerhalb nur eines Jahres ergab sich allein in diesem Bereich eine Kostenersparnis von immerhin 1,2 Millionen Mark.

Kosteneinsparungen ohne Entlassungen

Im Jahr 1985 waren bei Northrop 145 Mitarbeiter im DV-Bereich beschäftigt. Im Verlauf des geschilderten Projektes konnte diese Zahl um 31 Prozent auf 100 gesenkt werden.

Diese immensen Kosteneinsparungen wurden ohne Entlassungen realisiert, da es gelang, die "überflüssigen" Mitarbeiter im Verlauf der Umstrukturierung in andere Teile des Unternehmens zu integrieren. Gleichzeitig sind im DV-Bereich die Routinearbeiten weitgehend automatisiert, so daß sich die Mitarbeiter dort anspruchsvolleren Aufgaben widmen können.

Überstunden waren bei Northrop - wie auch in den DV-Abteilungen anderer Unternehmen - an der Tagesordnung. Durch das Projekt sanken die Anzahl der monatlich anfallenden Überstunden und damit die Lohnkosten. Mehrarbeit gibt es heute nur noch zu Spitzen-Belastungszeiten wie am Jahresende oder bei vorrübergehend hoher Personalfluktuation.

Die Ergebnisse haben dazu geführt, daß der Betrieb die Ausweitung der Automatisierung auf andere Abteilungen plant.

Hierbei sollen die jetzt gemachten Erfahrungen in Form von Modellen weitergegeben und weitere Anbieter als Partner einbezogen werden. Die Automatisierung wird dabei in kurz- (ein bis zwei Jahre) und langfristige Ziele (drei bis fünf Jahre) unterteilt.

Für das gesamte Projekt werden ausführlich dokumentierte Vorgehenspläne und später regelmäßige Statusberichte angefertigt, um darin die Erfolge ebenso wie die Mißerfolge zu verzeichnen. Letzteres ist besonders für den Kunden wertvoll - der die Fehler ja sowieso entdeckt. Dies hat Northrop wohl erkannt und richtet sich auch danach.

Das RZ als Einstieg in die Automatisierung

Vor einer Entscheidung für oder gegen ein Automatisierungsprojekt sollten Anbieter und Anwender die acht zu Beginn dieses Beitrags aufgeführten Fragen gemeinsam beantwortet.

Stellt sich dabei heraus, daß der Beginn eines solchen Projektes zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist, dann greifen folgende Richtlinien.

Aus dem Northrop-Beispiel geht hervor, wie wichtig die Bestimmung eines festen Standpunktes ist, der als Meßlatte für Erfolg und Mißerfolg dient. Anbieter und Anwender müssen

- die derzeitigen und künftigen Performance-Kennzahlen für alle Systeme und die wichtigsten Komponenten bestimmen beziehungsweise festlegen,

- sich mit den Benutzern und deren Abteilungen absprechen, um geeignete und realistische Serviceleistungen festzulegen,

- einen Plan entwickeln, der die wichtigsten Operationen des Rechenzentrums aufführt, an denen Änderungen zum Zwecke der Automatisierung vorgenommen werden sollen.

Mit dieser Informationsgrundlage ist es dem Anwender möglich, bestimrnte Ziele und

Richtlinien für das Projekt festzulegen. Dieser Arbeitsschritt kann wie folgt umrissen werden:

- Festlegung des geforderten Antwortverhaltens auf der Grundlage der Benutzerforderungen und der Serviceleistungen für die wichtigsten Systemkomponenten,

- Nachverfolgung operationaler Prozeduren zur Aufdeckung von Schwachstellen und Modifikation der Dokumentation,

- Bereitstellung des erforderlichen Personals für die einzelnen operationalen Aufgaben,

- Festlegung spezifischer Ziele zur Reduzierung der Systembelastung und der Belastung der Operatoren,

- Durchführung organisatorischer Änderungen und Ausführung von Trainingsprogramm, um die aktive Teilnahme der Operatoren an der Automatisierung zu fördern.

Unter Berücksichtigung dieser Punkte gestalten sich die ersten Schritte in Richtung RZ-Automatisierung relativ einfach. Dem Anbieter ermöglichen sie eine logisch konsequente Planung und Verwirklichung des Projektes und bewahren seine Kunden - und damit auch ihn - vor oftmals folgenschweren Enttäuschungen.