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28.06.1991 - 

Druckersoftware-Bereich restrukturiert und umbenannt

Rätselraten um die Zukunft von Microsofts " True-Image "

MÜNCHEN (CW) - Unbestätigten Gerüchten zufolge hat die Microsoft Corp. ihr ehrgeiziges Ziel auf Eis gelegt, gegen den Quasi-Stantard "Postscript" eine eigene Seitenbeschreibungs-Sprache durchzusetzen. Der Software-Anbieter holte seine "True-Image"-Entwickler von Taipeh zurück in die Firmenzentrale nach Redmond/Washington und akzeptierte die von Cal Bauer, dem Chef der Abteilung, eingereichte Kündigung.

In Umlauf gebracht wurden Spekulationen über die unsichere Weiterentwicklung des Druckersoftware-Produktes von dem New Yorker Finanzblatt "Wall Street Journal", das sich seinerseits auf Äußerungen des Marktbeobachters Craig Cline sowie des Microsoft-Mitarbeiters Steve Shaiman beruft. Demnach habe der Softwareriese seinen "heiligen Krieg" gegen den Desktop-Publishing-Spezialisten Adobe Systems aufgegeben und die mit der Entwicklung von Druckersoftware beschäftigten Mitarbeiter ausschließlich auf die Verbesserung des Microcomputer-Betriebssystems Windows angesetzt.

Im Herbst 1989 hatte die Microsoft Corp. ihre Absicht erklärt, statt der weitverbreiteten Adobe-Fonts das "Royal"-Format von Apple in ihr Betriebssystem OS/2 zu integrieren. Das nahm die Branche zum Anlaß, eine Offensive gegen den Anbieter der zum Standard avancierten Seitenbeschreibungs-Sprache "Postscript" heraufzubeschwören - um so mehr, als Apple kurz zuvor seine Anteile an der in Mountain View/Kalifornien ansässigen Softwareschmiede verkauft hatte.

Den Mund zu voll genommen?

Tatsächlich kündigte Microsoft denn auch die Entwicklung eines Produktes an, das als Postscript-Konkurrent positioniert werden sollte. Mittlerweile ist ein erstes Release von "True-Image" freigegeben, und mit dem "Truelaser" von Microtek existiert auch bereits ein Drukker, der die Microsoft-Ware unterstützt.

Die großen Hardwarehersteller schrecken jedoch davor zurück, ihren Kunden eine alternative Seitenbeschreibungs-Sprache aufzudrängen. So wollte beispielsweise die IBM ihrem OS/2-Partner nicht auf seinem Sonderweg folgen. Wie von Adobe-Seite mitgeteilt wurde, kehrte sogar Apple in den Kreis der Postscript-Lizenzenten zurück; allerdings habe Adobe "Federn lassen" müssen, "um diesen Vertrag zu bekommen".

Möglicherweise hat Microsoft also den Mund zu voll genommen. "Wir waren wohl etwas naiv in bezug auf den erforderlichen Aufwand", zitiert das "Wall Street Journal" den für den Microsoft-Bereich Peripherie und Zubehör verantwortlichen Steve Shaiman. "Nur weil wir Microsoft sind, heißt das noch lange nicht, daß wir jedesmal gewinnen."

Der Softwarekonzern reagierte auf die Mutmaßungen der Wirtschaftszeitung bislang mit hartnäckigem Schweigen. Auch die bei der deutschen Microsoft-Niederlassung in München eingeholte Stellungnahme trägt wenig dazu bei, den Schleier zu lüften: Microsoft habe den für Drucker zuständigen Geschäftsbereich in "Windows Printing Group" umbenannt; daraus den Schluß zu ziehen, das Software-Unternehmen würde sich aus dem Druckergeschäft zurückziehen, sei falsch.