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13.02.1998 - 

IBM, Sun, Oracle und AOL sollen an Übernahme interessiert sein

Rätselraten um die Zukunft von Netscape

Innerhalb von zwei Tagen stieg der Aktienkurs des Internet-Spezialisten um 37 Prozent. Zuvor hatte er ein Rekordtief von 16 Dollar erreicht, nachdem die Geschäftsergebnisse von Netscape im vierten Quartal weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren (siehe CW Nr. 6 vom 6. Februar 1998, Seite 6). Da weder von Netscape noch von den zur Debatte stehenden Unternehmen Dementis kamen, halten sich die Verkaufsgerüchte weiter. De facto ist jedoch durch den rasanten Kursanstieg der letzten Tage eine Übernahme wieder unwahrscheinlicher geworden.

Netscape hätte für potentielle Interessenten einiges zu bieten - allein 65 Millionen Kopien des Web-Browsers "Navigator" sind derzeit im Umlauf. Keinem der Interessenten ist es bisher gelungen, in den Browser-Markt einzusteigen und sich damit eine vergleichbare Präsenz auf den Bildschirmen der Endbenutzer zu sichern. Auch bei den Internet-Server-Produkten hat sich Netscape ein gutes Stück vom Markt einverleibt - nicht zuletzt auf Kosten von Oracle und Sun.

Marktbeobachter in aller Welt rätseln derzeit, wer den Zuschlag für eine Übernahme erhalten wird. Das größte Interesse scheint Sun zu haben. "Netscape könnte sehr wichtig für Sun werden, weil man dort auf einen Browser angewiesen ist, der 100 Prozent Java-kompatibel ist", urteilt C.B. Lee, Analyst bei Sutro & Co. in San Franzisko.

Er war es, der die Insider-Information aus Netscape-Kreisen erfahren und die Spekulationen in Gang gebracht hatte. Auch John Oltsik von Forrester Research hält die Verbindung für interessant, da sich Sun so zu einem echten Spezialisten für Business-Anwendungen mausern könne. Netscape lasse sich ideal mit der Javasoft-Division zusammenlegen. Allerdings warnt der For- rester-Mann vor den Risiken: "Mit einer Übernahme würde sich Sun voll auf das Softwaregeschäft einlassen und seine Zukunft auf Java verwetten."

Das ist jedoch kaum zu erwarten, denn Suns Workstation- und Server-Geschäft ist konkurrenzfähig und profitabel. Gegen eine Akquisition sprechen auch Aussagen des Managements auf einem Analystentreffen vor wenigen Wochen. Dort hieß es, man werde seine Schlüsselprodukte weiter intern entwickeln und auf Übernahmen verzichten.

Für IBM ist ein 100 Prozent Java-kompatibler Browser ebenfalls von Interesse - nicht zuletzt als Integrationsbasis für die diversen Betriebssysteme und Hardwareplattformen im eigenen Haus. "IBM hat wahrscheinlich mehr Java-Programmierer als Sun Microsystems selbst", vermutet der Analyst Lee.

Außerdem hätte Netscape eine Reihe von Technologien im Angebot, die IBM Schützenhilfe beim Ausbau der Electronic-Commerce-Produktpalette bieten könnten. Andererseits gäbe es eine Reihe von redundanten Lösungen, die vor allem die IBM-Tochter Lotus und Netscape betreffen - die doppelte Palette reicht vom E-Mail-System bis hin zum Web-Server-Angebot.

Weniger Redundanzen entstünden im Falle einer Übernahme durch Oracle. Der Datenbank- und Applikationsspezialist könnte mit Netscape-Hilfe einen Schritt in Richtung Office-Anwendungen machen. Auch würden Netscapes Enterprise-Produkte gut in Oracles Strategie passen. Zur Zeit steht die Softwareschmiede jedoch aufgrund der schleppenden Entwicklung im Stammgeschäft unter Druck, so daß eine Übernahme als eher unwahrscheinlich angesehen wird.

AOL schließlich soll nach Informationen des "Wall Street Journal" schon einmal versucht haben, in Netscape zu investieren - zu einem Zeitpunkt, als der Browser-Spezialist noch nicht an der Börse notiert war. Eine Übernahme wird von den meisten Analysten heute ausgeschlossen, zumal sich AOL primär auf den Consumer-Markt ausrichtet. Dagegen scheint eine Unternehmensbeteiligung durchaus denkbar.

Forrester-Analyst Oltsik warnt generell vor einem Engagement bei Netscape: "Wer dort einsteigt, kauft zu 90 Prozent Image. Die Produkte waren bisher nicht wirklich erfolgreich und brachten viele technische Probleme für die Anwender mit sich."

Neben der Produktpalette, die durchaus nicht von allen Beobachtern so negativ beurteilt wird, wäre Netscape jedoch auch als strategischer Kauf interessant. Das Unternehmen hält mit seiner Basis an installierten Browsern und seiner Web-Server-Palette die Fahnen im Kampf gegen Microsoft hoch - dem erklärten Gegner von Firmen wie Oracle, Sun oder IBM. Insider schließen daher nicht aus, daß Netscape schon deswegen von einem dieser Anbieter eine Finanzspritze beziehen könnte, um das Gleichgewicht im Internet-Markt aufrechtzuerhalten.