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13.12.1996 - 

Für und Wider des NC-Konzepts

Rätselraten um Kosten des Network Computers

Im Mittelpunkt der Debatte steht zum einen die Frage, ob dem schlanken oder dem "fetten" Endgerät die Zukunft gehört. Für Verwirrung sorgen auch die unterschiedlichen Thin-Client-Konzepte der NC-Allianz um Oracle, IBM, Sun und Apple und der "Net-PC"-Initiative von Microsoft und Intel. Vor allem aber geht es darum, ob NCs nun den Unternehmen Kosten einsparen oder nicht.

Als ein Hauptargument für den Einsatz von Network Computern werden stets die günstigen Betriebskosten angeführt, die solche Geräte den Unternehmen bringen sollen. Einer aktuellen Umfrage der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" unter 200 mittleren und größeren Unternehmen und Organisationen zufolge ist die Mehrheit der befragten IT-Manager der Ansicht, NCs seien für den Einsatz in ihrem Unternehmen geeignet und könnten helfen, Kosten zu sparen. Fast die Hälfte der Auskunftgebenden glaubt auch, entsprechende Investitionen beim Management durchsetzen zu können. 30 Prozent wollen bereits innerhalb der kommenden zwölf Monate NCs anschaffen.

Zwar differieren die Einschätzungen der verschiedenen Marktforschungsinstitute in bezug auf die Höhe der möglichen Einsparungen. Die Gartner Group etwa beziffert in ihrer sogenannten Total-Cost-of-Ownership-Rechnung die jährlichen Aufwendungen für einen durchschnittlichen vernetzten PC mit rund 20000 Mark, davon entfallen nur 20 Prozent auf die reine Hard- und Software.

Grundsätzlich herrscht Einigkeit darüber, daß der NC Kosten einsparen kann weniger durch seine niedrigeren Anschaffungskosten als vielmehr durch die Vorteile, die sich durch die zentrale Verwaltung und Pflege der im Unternehmen genutzten Software und den geringeren Schulungsaufwand ergeben.

Das Marktforschungsinstitut Zona Research hat die Kosten für den Betrieb von NCs denen einer PC-Lösung mit gleicher Funktionalität gegenübergestellt. Den Ergebnissen zufolge liegen die Kosten für den Betrieb von 15 NCs, auf denen mit Hilfe von Citrix' NT-Erweiterung "Win- frame" auch Windows-Applikationen lauffähig sind, in einem Zeitraum von fünf Jahren 57 Prozent unter einer vergleichbaren PC-Lösung in einem NT-Netz.

Für die PC-Arbeitsplätze ermittelten die Marktforscher Gesamtausgaben von 325000 Mark, die Winframe-basierte Lösung kostete hingegen nur 140000 Mark.

Allerdings mehren sich schon die Stimmen, die davor warnen, daß durch stärkere Netzbelastung so hohe Investitionen in die Netzwerkinfrastruktur nötig werden, daß die Kostenersparnis dadurch aufgefressen werden könnte (siehe CW Nr. 49 vom 29. November 1996, Seite 3: "Experten bezweifeln..."). Aus Sicht zahlreicher Experten werden ohnehin viele Fragen außer acht gelassen, wenn es um die Betrachtung der Gesamtkosten geht.

Ungeklärte Fragen

John Gallant warnt etwa in der "Network World": "Verkraftet Ihr Netz die durch die NCs verursachte Datenlast? Schwer zu sagen, denn bis heute vermag niemand zu prognostizieren, wie stark sich die Traffic-Muster ändern werden. Was kostet die Schulung der Endanwender? Auch hier sind Veränderungen gegenüber der PC-Welt nicht präzise vorherzusagen. Was kosten Schulung oder Neueinstellung von Entwicklern, die neue Server-basierte Anwendungen schreiben und pflegen können? Haben Sie schon ein Team von Java-Entwicklern im Haus?" Außerdem sind nach Ansicht von Gallant die Schulung der User-Support- und Netzwerk-Management-Abteilungen und die Kosten für neue Server-Hardware und Software zusätzliche Faktoren, die die Kostensituation undurchsichtig gestalten. Er rät dringend dazu, abzuwarten, bis konkretere Informationen zu diesen Problemen vorliegen.

Ebenfalls ungeklärt ist die Frage, wie stark durch den Einsatz von NCs der Massenspeicherbedarf zunehmen wird. Dies betont etwa Rob Enderle, Analyst der Giga Information Group aus dem kalifornischen Santa Clara: "Das große Problem ist die möglicherweise unkontrollierbare Zunahme des Speicherbedarfs. Einer der Vorteile lokaler Speicherung war, daß der Mensch am Desktop seine Sachen selbst wieder loswerden mußte. Wenn demnächst jeder Seite um Seite aus dem Web herunter lädt, sind die Server schnell am Ende." Kalman Shor, der für sein Unternehmen die Anschaffung von 150 IBM-NCs plant, erwartet pro Gerät einen zusätzlichen Speicherbedarf von 1 GB. Bruce Anthony, der Chefentwickler von IBMs "Network Station", rechnet dagegen damit, daß sich der Speicherbedarf von NCs von dem vernetzter PCs nicht wesentlich unterscheidet.

Auch Erfahrungen damit, wie viele NCs ein Server überhaupt verkraftet, gibt es bis heute noch nicht. Neqiniso Abdullah, der für seine Firma ebenfalls die Anschaffung von Network Stations plant, sorgt sich vor allem um die Server-Kosten: "Die IBM sagt mir, ich könne 50 NCs pro NT-Server anschließen. Bisher konnte ich 500 User an einem Novell-Server unterbringen."

Weniger pessimistisch ist William Phelan, der die DV des Händlernetzes bei Florists' Transworld Delivery mit Hauptsitz in Detroit auf Suns Javastations umstellt. Er geht davon aus, daß er pro Sun-Server 1000 Clients versorgen kann: "Die höheren Server-Kosten werden beim günstigen Preis der NCs nicht relevant sein. Bei dieser ökonomischen Dynamik können wir nur gewinnen."

Andere Auguren erwarten einen Erfolg des NC zunächst nur dort, wo die "Dummheit" der Geräte wichtig ist. David Moschella, Senior Vice-President Research bei der "Computerworld", führt als Beispiele Bibliotheken, Schulen, Flughäfen, Hotels, Banken und andere öffentliche Bereiche an, in denen NCs "der Gesellschaft auf ihrem langen Weg hin zu einem universellen Internet-Dienst helfen werden".

Für den Einsatz der Geräte in der Unternehmens-DV beurteilt der Analyst die Entwicklung skeptischer: "Welche Rolle NCs in bestimmten festgelegten Funktionen in Unternehmensanwendungen spielen, wird sich erst nach und nach herausstellen - und diese Entwicklung wird viel Zeit brauchen."

Thin Client nicht überall sinnvoll

Der Übergang zur netzzentrierten DV wird sich Moschellas Ansicht nach zunächst viel weniger an der Wahl der Clients, sondern statt dessen an Investitionen in die Netzwerke selbst manifestieren.

Linda Musthaler, Vice-President of Research bei der Houstoner Unternehmensberatung Currid & Co., empfiehlt: "Wenn Sie sich für den Thin Client entscheiden, dann setzen Sie ihn nur dort ein, wo es Sinn macht. Wählen Sie dafür vertikale Applikationen, wo die Anwender nur begrenzte Funktionen verwenden. Und vergessen Sie nicht Ihre Investitionen in Inter- und Intranet-Technologie als Schlüsseltechnik für den Einsatz von Applikationen auf dem NC. Aber zwingen Sie nicht jeden auf einen abgespeckten PC, wenn Sie Leute oder Anwendungen haben, die eine vollwertige Lösung benötigen."

Net-PC stößt auf Ablehnung

Die allgemeine Haltung gegenüber dem von Microsoft als NC-Gegenstück propagierten Net-PC ist ziemlich eindeutig: Die Kritik überwiegt. "Computerworld"-Redakteur Paul Gillin warnt etwa: "Vorsicht ist angebracht. Beim Network Computer geht es um weniger Software, nicht um mehr. Es geht darum, für Software zu bezahlen, die man benutzt, und nicht für Software, die installiert ist. Und es geht um Applikationen, die unabhängig vom darunterliegenden Betriebssystem sind. Es geht um alles, was Microsoft nicht ist."

Gillin kritisiert vor allem die Abhängigkeit des Net-PCs von Microsofts Windows. Ohnehin sei das Bekenntnis der Gates-Company bestenfalls theoretisch. Das zeige etwa die Ankündigung eines 121 MB großen Office-Pakets, das wohl schwerlich zum Laden über das Firmennetz tauge.