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Fällt die Marke My-World?

Rätselraten um Web-Strategie des Karstadt-Quelle-Konzerns

05.05.2000
MÜNCHEN (CW) - Mit dem Gerücht, das Internet-Kaufhaus My-World der Essener Karstadt AG werde geschlossen und zu einem Internet-Service-Provider umgebaut, hat die Online-Ausgabe des "Manager Magazins" für Aufregung gesorgt.

Das Wirtschaftsmagazin schrieb, der Karstadt-Quelle-Konzern erwäge, sein 1996 gegründetes virtuelles Kaufhaus nach schwacher Umsatzentwicklung zu einem Internet-Provider umzubauen. Ein solcher könne als "Türöffner" für alle möglichen Shopping-Angebote des fusionierten Karstadt-Quelle-Konzerns dienen.

Der Beitrag, der schon nach kurzer Zeit wieder von der Website des Magazins verschwunden war, löste ein großes Echo im Internet aus und bestätigte so die Medienkritiker, die behaupten, im Web schreibe ein Nachrichtendienst vom anderen ab. Armgard von Burgsdorff, Direktorin Unternehmenskommunikation bei Karstadt-Quelle, erklärte gegenüber der CW, das Unternehmen plane derzeit nicht, als Internet-Provider aufzutreten. Auch werde My-World keineswegs eingestellt, sondern "dynamisch weiterentwickelt". Noch nicht entschieden sei allerdings, ob der Markenname erhalten bleibe. Grundsätzliche Politik des Hauses sei es, die einzelnen zum Konzern gehörigen "starken Marken" für deren jeweiligen Online-Auftritt zu nutzen. Auf dieser Basis würden die Marktauftritte und Sortimente ausgeweitet.

My-World, der "Pionier im Warenhaus-Shopping", wie von Burgsdorff die virtuelle Shopping-Zeile bezeichnet, hat es im vergangenen Jahr lediglich auf einen Umsatz von 15 Millionen Mark gebracht. Die seit 1996 aufgelaufenen Kosten liegen aber bei zirka 20 Millionen Mark. Insgesamt nahm der Karstadt-Quelle-Konzern im vergangenen Jahr 214 Millionen Mark im Internet ein. Während sich der Versandhandel von Quelle und Neckermann erfolgreich durchboxte, kamen die anderen Geschäftsbereiche online nur langsam vom Fleck.

Insiderberichten zufolge wird My-World Karstadt-intern längst als Groschengrab bezeichnet. Urheber Klaus Eierhoff ist inzwischen Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG, sein Weggefährte Ragnar Nilsson steht seit Anfang Februar als Chief Technology Officer in Diensten des Chemiekonzerns Aventis.

Die beiden Schöpfer des größten deutschen Online-Warenhauses mussten sich viele Vorwürfe gefallen lassen. In ihrer ersten My-World-Version hatten sie wenig Rücksicht auf die Besonderheiten des Internet genommen und ein reales Kaufhaus bis hin zu den Rolltreppen eins zu eins im Netz abgebildet. Es folgten kostspielige Relaunches, doch trotz der inzwischen mehr als 5000 täglichen Besucher hält sich der Umsatz in Grenzen.

Dennoch halten Marktbeobachter den Konzern generell für gut positioniert, wenn es um den virtuellen Einkauf geht. Harald Summa, Chef des Internet-Verbandes Eco. e.V., sieht in der Beherrschung der Prozesskosten inklusive Lagerhaltung und Logistik einen unschätzbaren Vorteil der sogenannten Brick-and-Mortar-Unternehmen gegenüber den reinen Dotcoms. "Es werden sich die durchsetzen, die nicht nur das Geschäftsmodell des Electronic Business beherrschen, sondern auch das notwendige Logistik-Know-how haben", prophezeit der Verbandssprecher. Zudem würden die traditionellen Unternehmen ihre Kunden besser kennen als es die meisten Herausforderer aus dem Internet-Lager tun. Obwohl alle nötigen Daten digital vorlägen, geschehe in Sachen Kundenbindung nicht genug.