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03.03.1995

Rahmenkonzepte sind vorerst nicht kompatibel "Workplace-Unix" tritt jetzt bei Big Blue in Konkurrenz zu AIX

MUENCHEN (IDG/CW) - IBM wird ihr Unix-Derivat AIX entgegen urspruenglichen Plaenen nicht als Personality auf dem OS/2- Microkernel anbieten. Statt dessen unterstuetzt das Microkernel- Konzept - Big Blue redet heute nicht mehr vom "Workplace OS", sondern von "OS/2 fuer den Power-PC" - kuenftig nur noch einen bestimmten Satz an Unix-Programmier-Schnittstellen (APIs), der den Spec-1170-Normen entspricht. AIX-Anwendungen laufen in dieser Umgebung nicht ohne weiteres.

In einer Erklaerung gegenueber Kunden und Pressevertretern kuendigte Vice-President Donna van Fleet an, statt einer binaerkompatiblen AIX-Version auf Basis des Mikrokernels werde es nun lediglich eine API-Implementation geben - inoffiziell ist vom "Workplace Unix" die Rede. Man begnuege sich dabei mit einer reinen Anwendungsumgebung, die zunaechst nicht kompatibel zu AIX sei, fuehrte die fuer die AIX-Systementwicklung verantwortliche Managerin aus. Deutlicher wird IBM-Manager Jeff Mason, der gegenueber dem britischen Branchendienst "Computergram" von einem "Spec-1170- kompatiblen AIX-Subset" spricht.

Noch in diesem Jahr sollen die erforderlichen APIs herauskommen. Kunden werden nur solche Unix-Anwendungen unter dem neuen OS/2 laufen lassen koennen, die auf Basis der Spec-1170-Spezifikationen entwickelt wurden. Van Fleet deutete allerdings an, IBM werde moeglicherweise spaeter die notwendigen zusaetzlichen APIs anbieten, mit denen auch AIX-Anwendungen auf der OS/2-Version liefen. Auch fuer die Betriebssysteme MVS und OS/400 will die IBM nach Angaben eines Topmanagers aus der RS/6000-Division, langfristig die Spec- 1170-APIs zur Verfuegung stellen.

Korrektur der Microkernel-Strategie

Bisher laeuft allein das Unix-Derivat AIX auf der Power-PC- Architektur - und dieses laesst in puncto Portabilitaet und Skalierbarkeit keine Wuensche offen, versichert van Fleet. Die Korrektur der Microkernel-Strategie kommentiert sie mit der Feststellung, es sei sehr kostspielig und aus Kundensicht wenig ergiebig, jetzt einen "chirurgischen Eingriff" am Betriebssystem AIX vorzunehmen.

Diese Aussage ueberrascht insofern, als Big Blue mehr als zwei Jahre unter dem Stichwort "Workplace OS" standfest das Microkernel-Evangelium verkuendet hatte. Saemtlichen Plattformen sollte derselbe Kernel zur Verfuegung stehen. Ueber sogenannte Personalities wollte man die einzelnen Systemauspraegungen abbilden. Wie Insider berichten, ist Big Blue von diesem Vorhaben abgewichen, weil es aus technischen Gruenden nicht praktikabel war. Van Fleet betont jedoch, IBM halte generell an der Microkernel- Strategie fest. Die Modifikationen der jeweiligen Betriebssystem- Umgebungen erfolgten mit dieser Technik schneller und einfacher.

Fuer ein wichtigeres Argument haelt der Muenchner IBM-Chefdesigner Joseph Reger dagegen die Idee der sogenannten Common Services, die das Konzept impliziere: Fuer saemtliche Betriebssystem-Auspraegungen stuenden dieselben Services in so wichtigen Bereichen wie File- System, Sicherheit und Networking zur Verfuegung. Anwender koennten ihre Entwicklungskosten erheblich reduzieren.

Um die gemeinsamen Services nutzen zu koennen, werde das AIX-Team eng mit der Microkernel-Gruppe zusammenarbeiten, betonte van Fleet. Fuer den Einsatz des alten AIX spricht nach Ansicht der Managerin neben den ausgefeilten System-Management-Funktionen die Tatsache, dass das Unix-Derivat fuer ein monolithisches System ungewoehnlich modular aufgebaut sei und daher leichter optimiert werden koenne als andere Systeme.