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10.01.1986 - 

Gegner des Gütesiegels Software sind mit jetzigem Prüfverfahren nicht einverstanden:

RAL-Zeichen wird zum Zankapfel der Branche

MÜNCHEN (mer) - Die heftige Diskussion um das RAL-Gütezeichen Software reißt nicht ab: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks, Bonn. meldete bei der Frankfurter Gütegemeinschaft Software e. V. ernste Bedenken gegen das neue Qualitätssiegel an. Jetzt verhärten sich die Fronten.

"Das derzeitige Prüfverfahren steht anscheinend unter dem Motto , Wie kommt dein Geld in meine Tasche", entrüstet sich Kurt Pauli Leiter der Abteilung EDV und Informatik beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Bonn. In der jetzigen Form werden beim Anwender Hoffnungen geweckt, die das Gütezeichen nicht erfüllt . "

Gefordert wird eine branchenadäquate Prüfung von Anwendungsprogrammen, die jedoch in den von der Gütegemeinschaft Software e. V (GGS) erarbeiteten Güte- und Prüfbe stimmungen derzeit nicht vorgesehen ist (siehe CW Nr. 43 vom 25. Oktober 1985, Seite 7). Im Abschnitt 2. 3 der GGS-Richtlinien ist zwar verankert, daß bei der Prüfung bestehende Empfehlungen und Verordnungen von Branchen berücksichtigt werden müssen, doch das allein scheint den Zentralverbänden bereits zu hochgegriffen. Die GGS sei nicht in der Lage, so tönt es aus dem Lager der Kontrahenten, einen übergreifenden Programm-Check für alle Branchen durchzuführen. Kommentiert Pauli: "Branchensoftware kann nur von Fachleuten aus den entsprechenden Bereichen geprüft werden. "

Als Beispiel führt der Abteilungsleiter die vielen Baunormen an, die zwar in den Programmverzeichnissen der Anbieter aufgelistet würden, aber dann im einzelnen durch die GGS ungeprüft blieben. Die Zentralverbände fordern deshalb im RAL-Zeichen den Zusatz "Formal - aber nicht inhaltlich geprüft".

Schützenhilfe erhalten die Verbände zum Teil auch aus den Reihen der Softwarehersteller. "Die Vergabe des RAL-Gütesiegels müßte etwa bei einem Finanzbuchhaltungspaket eine Detailprüfung hinsichtlich der Ordnungsmäßigkeit mit einschließen", erläutert Benno Hilmer, Geschäftsführer der Holland Automation International GmbH, Mönchengladbach. "Fehlt diese, kann es dem Benutzer passieren, daß die Steuerprüfer - eventuell erst bei einer Kontrolle nach einigen Jahren - die Buchführung verwerfen. Dann stehen unter Umständen Riesennachzahlungen ins Haus. "

Solche Tests würden aber derzeit bei der "sogenannten Güteprüfung" nicht vorgenommen, bemängelt der Holland-Manager, der bereits ein SW-Produkt seines Unternehmens von der Gütegemeinschaft auf Qualität prüfen ließ. Allerdings könne man kaum erwarten, daß die Prüfinstitute dafür Spezialisten zur Verfügung hätten.

Die Vorwürfe seiner "Widersacher" wischt der Vorstandsvorsitzende der Gütegemeinschaft Software Werner Schmid, indes mit einem Satz vom Tisch: "Wenn die Verbände oder Softwarehersteller einem Programmierer zutrauen, branchenspezifische Vorgaben in die Anwendungspakete einzuarbeiten, müssen sie auch uns die Prüfung zutrauen, ob diese Funktion richtig umgesetzt wurde. "

Ein Gespräch mit dem GGS-Vorstand, zu dem der Bonner Zentralverband des deutschen Handwerks kürzlich geladen hatte, verlief denn auch wie das Hornberger Schießen. "Die hatten nicht nur nasses Pulver in der Diskussionskanone, es ist ihnen zudem auch noch ausgegangen", kommentierte Schmid das nach seinen Worten "von emotionalen Reaktionen gekennzeichnete Treffen". Jedoch hätten die Vertreter der Berufs- und Branchenverbände seinen Vorschlag, künftig an der Fortschreibung der Güte- und Prüfbestimmungen aktiv mitzuarbeiten, positiv aufgenommen.

Dies wird allerdings von den Verbänden dementiert. Dazu Kurt Pauli: "Bei dem Vorschlag machen wir nicht mit. Darüber hinaus sind wir nach wie vor der Meinung, daß Programme auch inhaltlich geprüft werden müssen. Da das die GGS nicht will und nicht kann, hat das RAL-Zeichen für uns in dieser Form keinen Wert. "