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DV-Strategie erfordert kartografisches Konzept:


05.10.1984 - 

Rastersystem verdeutlicht Status und Ziele

Die "SW-Krise" scheint durch einen Technologieschub bei Projekt-Planung, -realisierung und -steuerung überwunden. Dafür entwickelt sich auf schon Erreichtem, durch scheinbar unbegrenzt wachsende DV-Möglichkeiten und noch schneller kletternde Wünsche und Forderungen eine neue DV-Krise, die Anwender-Systemkrise.

Unerwartete Abhängigkeiten aus bereits fortgeschrittener Integration sowie steigende "Entwicklungshöhe" und Komplexität der neuen Vorhaben erschweren die strategischen Kernfragen welche Funktionen und Systeme im Unternehmen am dringendsten oder am lohnendsten weiterzuentwickeln sind, ob organisatorisch völlige Neugestaltung oder ein DV-Redesign der bisherigen Systemgeneration besser ist, und welche Prämissen und Umgebungs-Rückwirkungen beim Projektstart in Zielbündel und Ablösungsstufen eingehen.

Für die langfristige ORG-DV-Strategie - abgeleitet aus den Unternehmenszielen - gibt es meist viele schöne, unterschiedlich präzise Wünsche - aber kaum eine ausreichende Standortbestimmung: denn zur "Orientierung" fehlt die systematische Landkarte der eigenen Systemwelt.

Ausschnitte stufenweise verfeinert

Ansätze zur Darstellung dieser abstrakten Landschaft befriedigten bisher nicht: Die "Karte" sollte ja sowohl statisch-hierarchisch den "Aufbau" abbilden, zugleich aber Ausdruck und Modell der Datenflüsse sein.

Erster Schritt ist die Anordnung der Systeme in ein Raster von Arbeitsdurchlauf und Leitebenen:

Waagerecht die Datenflüsse ("Längengrad): sie folgen ja weitgehend dem Arbeitsfluß - ihn begleitend, beziehungsweise gegenläufig ihn auslösend - was immer das nehmen "produziert" und verkauft; senkrecht dazu ("Breitengrad") die Arbeitsfluß stützenden beziehungsweise kontrollierenden Funktionen: übereinandergeschichtet nach dem Grad ihrer "Kopplung" zur Arbeitsstufe - unabhängig, ob sie personell, halbmaschinell vollelektronisch erfolgen: es sind "so oder so" zu erbringende Funktionen!

Im Bild von "oben nach unten" sind das im "Jahres-Bereich" gesamt-strategische Vorgaben/Kontrollen im "Monats-Bereich" zusammenfassend zu planende Ziele/Ergebnisse im "Tages-Bereich" dispositive Steuerung und Überwachung.

Im "Stunden-Bereich" zählen dazu operativ-steuernde Arbeitsfolgen/ Schichtpläne "wie viel von was" im "Minuten-Bereich" unmittelbare Hantierungsvorhaben (Handgriff-Folge/NC-Steuerung) und im "Sekunden-Bereich" die Handhabung im Detail/Roboter... also im Prinzip eine logarithmische Zeitachse, nach gewohnten s/m/h/T/M/J-Begriffen gestuft.

Wie bei einem Atlas wird ergänzend zur Unternehmens-Gesamtsystemkarte mit gleicher Orientierung jeder interessierende Ausschnitt erstellt - stufenweise verfeinert mit mehr Details, aber top-down abgeleitet und ohne Widerspruch zur "höheren" Karte.

Eine solche exakte prozessualsystemtechnische DV-Katasterung bringt bereits aus den Anforderungsbeziehungen wertvollste Erkenntnisse:

- aus der Lage folgern Gattung und Eigenschaften (Überdeckung, Kopplung, Kompetenzen, Sicherheitsbedürfnisse/Ausfallfolgen...)

- aus der "Nachbarschaft" folgern zum Beispiel Abhängigkeiten, Datenversorgung, Daten-Hol-/Bringschuld, Steuerungsbedarf der Versorgungskette (siehe Grafik).

Nächster Schritt mit ebenfalls ins Auge springenden direkten entscheidungsrelevanten Erkenntnissen ist die Eintragung von Kriterien, Kenngrößen, Bewertungen für jedes System in "sein" Rasterfeld: zum Beispiel jährliche Kosten, Nutzenrelation, DV-Gemeinkostenanteil, Durchlaufzeit/Reaktionszeit, Vollständigkeit der Vorgangsabdeckung, sw- und RZ-technische "Qualität", jährlicher Pflegeaufwand, Neuentwicklungsaufwand oder -termin...

Aus der Gesamtschau dieser Kenngrößen (als Symbole, Farben, Schraffuren in Kopien der Grundlandkarte einzutragen - wie in Spezialkarten verschiedenster Aspekte im Atlas ergeben sich im Umfeld-Vergleich deutlich Minimumfaktoren und Risikopunkte, aus denen die nötige DV-Strategie erarbeitet werden kann: schwachstellen- und ratiopotential-orientiert und Org/DV-Engpaß-konzentriert .

- An vorderster Stelle muß dabei Ordnung in Klarheit des Gesamtsystems stehen ("Gesamtsystem ist mehr als die Summe der Teile")

- dann vor allem weitgehende Absicherung des Vorhandenen = produktiv "laufenden" und daher für das Unternehmen lebensnotwendigen Gesamtsystems: abschotten, Schnittstellen absolut fixieren, Redaktionsschlüsse, Alternativ-/Notprogramme für Einzelsystemausfälle, Datensicherungs- und Systemsicherheitsaspekte ...

- Erst danach sind einzelne Systeme zu optimieren, zu tunen, organisatorisch oder datentechnisch neu zu gestalten - und das mit aller Vorsicht gegenüber Vorhandenem, um das Risiko des Abenteuers "Neuentwicklungsprojekt" stets im Griff zu haben.

- Schließlich kann man aus dem einmal fixierten Systemraster eine Vielzahl weiterer Erkenntnisse, Entscheidungs- und Durchführungshilfen, sowie von Argumenten für die betriebliche Durchsetzung der OD-Strategie gewinnen.

Eine umgehende Aufstellung der DV-Strategie ist das Wichtigste - sie muß erarbeitet, durchgesetzt und durchgeführt werden, bevor die OD das nächste Projekt startet. Und vor allem, bevor eine neue Welt von weiteren Abenteuern beginnt: elektronische Bürokommunikation, neue öffentliche Dienste und Netze, CAD/ CAM/CIM, "Org vor DV" durch quality circles, Organisationsentwicklung, Japan-Kopien von Kanban und Ähnlichem. Erst muß die DV auf Linie gebracht werden - sonst ersäuft die Org/DV.

Robert Pusch ist Organisationsfachmann aus München