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23.03.1984 - 

Bayerische Sparkassen mit flächendeckendem Leitungsnetz:

Rationalisierung zum Nutzen der Sparkassenkunden

Mehr denn je ist die Organisation der Kreditwirtschaft von einem Unstrukturierungsprozeß erfaßt. Die Philosophien und Zielsetzungen sind jedoch unterschiedlich: Während die einen in der Automatisierung vor allem Rationalisierungsmöglichkeiten bis hin zum Ersatz von Geschäftsstellen durch "kundenselbstbediente Geräte" und durch die Beratungsmöglichkeit vom häuslichen/firmeneigenen Bildschirmtextterminal aus für die längerfristige Zukunft sehen, glauben die anderen, durch Automatisierung der reinen Routinetätigkeiten mehr Zeit für die Ausdehnung der persönlichen Beratung auch in den kleinsten Niederlassungen zu haben und denken nicht daran, ihr Filialnetz reduzieren.

"Der Kontakt zum Kunden muß trotz oder besser, mit Hilfe der Technik eher noch intensiviert werden", meint Branchenexperte Hermann Faust, Direktor der Betriebswirtschaftlichen Abteilung des Bayerischen Sparkassen- und Giroverbandes und Geschäftsführer der Buchungszentrale Bayerischer Sparkassen (BBS) in Personalunion.

Nach seiner Meinung hat die Datenverarbeitung die Probleme des Massenverkehrs, das Rechnungswesen und die Statistik sowie die sonstigen damit zusammenhängenden Organisationsprobleme schon lange gelöst. Danach wandte man sich - wie allgemein üblich - den anspruchsvolleren Datenverarbeitungsanwendungen zu. Im Vordergrund stand dabei im wesentlichen die Steigerung der betrieblichen Leistungsfähigkeit. Bedingt durch den harten Wettbewerb im Kreditgewerbe konzentriert sich heute das Schwergewicht der Rationalisierungsbestrebungen im wesentlichen auf Aktivitäten, die unmittelbar auf den Markt, auf den Kunden wirken.

Geldautomaten, Point of Sale (POS), Bildschirmtext, Kartensysteme, Kontoauszugdrucker, Selbstbedienungsstellen und Home-Banking sind dabei Schlagworte, die auch für die bayerischen Sparkassen nicht mehr nur futuristischen Charakter haben, sondern teilweise bereits praktisch erprobt werden oder gar schon im Einsatz sind. Auch wenn sich mittelfristig kaum ein Kreditinstitut diesem "Zwang der Technik" entziehen kann, so ist s wohl gerade Aufgabe der Erstanwender, dem Kunden die Vorteile der neuen Medien klarzumachen. Andererseits erfordert wohl gerade der Kundenkreis der Sparkassen ein eher behutsames, evolutionäres Vorgehen.

Pionierrolle bei der Datenübertragung

Das heutige, zentral aufgebaute Datenfernverarbeitungsnetz der Buchungszentrale Bayerischer Sparkassen (111 angeschlossene Sparkassen mit einer Bilanzsumme von 79 Milliarden Mark, 4,8 Millionen Giro- und Sachkonten, 8,9 Millionen Sparkonten; eine Million Darlehenskonten und 32 000 Mitarbeitern) hat sich historisch über zwei Jahrzehnte entwickelt und erfüllt in seiner Strukturausrichtung auf zwei Netzknoten in Nürnberg und München auch in Zukunft die Anforderungen an eine rationelle Datenverarbeitung.

Anfang der sechziger Jahre begann in der bayerischen Sparkassenorganisation der Umbruch von der weitgehend manuellen Belegverarbeitung über die Fakturiermaschine zur Datenverarbeitung. Damals setzten 25 von 180 Sparkassen Lochkartenanlagen der zweiten Generation ein. Die obersten Großcomputer, etwa vom Typ IBM /360, konnten sich die meisten damals nicht leisten. Deshalb entstanden bereits ab 1964 zwölf regionale Buchungsgemeinhaften jeweils in "Kurierdienst-Entfernung". Für die bis dahin autonom arbeitenden, Sparkassen war die Aufgabe der Selbständigkeit im Rechnungswesen nicht einfach, aber notwendig.

Nachdem die Bundespost die ersten fest gemieteten Datenfernverarbeitungsleitungen bereitstellte, wurde bereits 1968 die erste europäische Zweiweg-Datenübertragung im Kreditgewerbe zwischen Bad Reichenhall und Rosenheim eingerichtet.

1975 wurde die Entscheidung getroffen, die zwölf Rechenzentren auf zwei Standorte, für Nordbayern in Nürnberg und für Südbayern in München, zu konzentrieren und mit IBM/370- 158 auszustatten. Im Jahre 1978 folgte die nächste Rechnergeneration in Form von IBM 3033 und Amdahl V6/2 und im vergangenen Jahr schließlich wurde - dem Turnus im Hardwarebereich folgend - auf zwei IBM 3081 und zwei Amdahl 5860 umgestellt.

Am Online-Verkehr nehmen heute fast 100 Sparkassen mit rund 3000 Terminals teil.

Schnelle Abwicklung des Remote-Batch-Verkehrs

Die Entwicklung der Ausstattung mit RJE-Stationen verlief ebenfalls in Stufen. Nachdem ursprünglich mit IBM-Datenstationen gearbeitet wurde, stellte man Anfang der siebziger Jahre auf Siemens 8416 und später auf Siemens ST310 um. Als im Jahr 1982 eine Erneuerung und Erweiterung des RJE-Netzes anstand, machte Transdata von Siemens aus Gründen eines "günstigen Preis-/Leistungsverhältnisses" das Rennen.

Die Anforderungen an dieses neue Netz bestanden in einer schnelleren und sicheren Abwicklung des Remote-Batch-Verkehrs, der vermehrten Serviceleistungen für andere (Einlesen von Offline-Datenträgern und weitere Dienste für Kunden) sowie der komfortablen Datenerfassung mit Prüf- und Vorverarbeitungsmöglichkeiten.

Der Einsatz der Transdata-Systeme 9600 (ein Auftrag über 100 Einheiten mit 300 Bildschirmgeräten und 140 Druckern im Wert von 17 Millionen Mark) wird zur Zeit sukzessive bis Ende 1984 realisiert. Zum Einsatz kommen die Modelle 9662-41/-42, 9663-42/-43 und 9665-46, die sich in der Prozessor- und Hauptspeicherleistung (512 KB - 1 MB) sowie in der Anzahl der Terminalanschlüsse unterscheiden. Die meisten Systeme betreiben gemischt Datenerfassung und Remote Job Entry. Die Datenübertragung erfolgt über Standleitungen mit Geschwindigkeiten von 2400 - 9600 Bits. Das gesamte Leitungsnetz für die Stationen beträgt dabei 15 000 Kilometer, wofür die bayerischen Sparkassen pro Jahr neun Millionen Mark aufwenden müssen.

An den technischen Merkmalen der RJE-Systeme sind vor allem das Betriebssystem PI)N mit den Funktionen Transit-SNA (Kopplung an IBM-Hostrechner unter SNA/SDLC). Bermuda (Formaterstellung und -steuerung, Maskengenerator, feldweise Datenerfassung mit Plausibilitätsprüfungen) und Trinidad (ein komfortables Datenerfassungs-"Werkzeug" mit Wiedergewinnungs- und Korrekturfunktionen) zu nennen. Dem komfortablen (operatorlosen) Belegdruck dient außerdem ein Spoolsystem. In Zukunft wird mit Transit-SSU die Netzadministration vom zentralen Rechner unter dem Betriebssystem MVS aus der Kommunikation mit Acut, dem Administrationszentrum im Transdata-System möglich. Dies bringt dann den Erfolg, daß beliebige Programmund Dateitransfers vorgenommen werden können (z. B. ein Dump zum zentralen Rechner).

Wenn die Basisdatenverarbeitung gut ist, entwickeln sich die Grundlagen für komplexe Informationssysteme quasi von selbst. Aus der reichhaltigen Palette von Organisationsangeboten für die angeschlossenen Institute sind insbesondere zwei Eigenentwicklungen zu nennen, bei welchen die Buchungszentrale Bayerischer Sparkassen eine führende Position im deutschen Kreditgewerbe einnimmt.

Finanzplanung wird simuliert

Ein Finanzplanungssystem erlaubt es, monatlich in bezug auf das Jahresende (rollierend) die Bestände hochzurechnen und so durch Soll-/Ist-Vergleich eine gute Dispositionsgrundlage zu gewinnen. Mit diesem Instrument hat das Rechnungswesen das Zinsrisiko besser im Griff und kann riskante Geschäfte vermeiden. Als Simulationssystem eingesetzt, lassen sich Auswirkungen und Veränderungen durchspielen, bevor sie Realität werden. Die Vorteile werden inzwischen per Lizenz von den Sparkassen in Deutschland und Österreich und den Schweizer Kantonalbanken genutzt.

Die zweite interessante Eigenentwicklung, die mit den aus dem Terminalnetz gewonnenen Daten arbeitet, ist das Kostenrechnungssystem. Schon bei der Datenerfassung werden die Daten Kostenstellen zugeordnet. Im Vergleich mit den Ergebnissen aus der Finanzbuchhaltung können später jedes einzelne Konto beziehungsweise mehrere Konten eines Inhabers kalkuliert werden. Die Ergebnisse werden als Umsatzspiegel festgehalten und dienen dem Personal als Anhaltspunkt für Beratungsgespräche.

Betrachtung der Zukunftstrends

Hermann Faust und seine Mitarbeiter gehen davon aus, daß die neuen Techniken wie Geldautomaten, Bildschirmtext etc. schon in naher Zukunft zum normalen Leistungsangebot eines jeden Kreditinstitutes gehören werden. Sie sind sich jedoch auch darüber im klaren, daß diese neuen Medien das Verhältnis zwischen Sparkasse und Kunden verändern werden. So werden sicher die Kundenhallen nicht mehr so stark frequentiert sein wie bisher, was Auswirkungen auf die Kundenbeziehungen haben kann. Dieser Tatsache gilt vorzubeugen, wobei zum Beispiel die personelle Verstärkung der Beratung, die Erweiterung der Angebotspalette oder der Ausbau der Außendienstorganisation entsprechende Maßnahmen wären.

Eine schlechtere Lösung wäre es für die Sparkassenorganisation, die durch das umfangreiche Zweigstellennetz vorhandene gute Marktpräsenz durch den Abbau von Geschäftsstellen aufzugeben. Auch hier kann lediglich innerbetrieblich eine Verlagerung von Aktivitäten aus dem Routinebereich hin zur Beratung erfolgen.