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24.07.1981

Rauchzeichen aus Perlach

Da kämpfte Siemens vergangenen Jahr bis zum Umfallen um den Auftrag für den neuen Großflughafen München (CW 47 vom 21. November 1980), erhielt auch gegen Univac und Honeywell Bull den Zuschlag - jetzt würde man, so ist durchgesickert, das Mandat am liebsten zurückgeben. Seit Dr. Claus Kessler in München-Perlach regiert, weht ein neuer Wind im Unternehmensbereich Daten- und Informationssysteme."

Zwar ist bisher geheim geblieben, welche Kur der neue Siemens-DV-Chef dem leicht abgeschlafften Unternehmensbereich verordnen will, doch wäre, es verwunderlich, wenn Kessler nicht ein Selbsthilfe-Programm durchsetzte, das offenkundige Pannen vermeidet. Und der finanzielle Mißerfolg ist im Fall "Neuer Rechner für den Münchner Flughafen" programmiert.

Fest steht, daß Siemens die von der Flughafen GmbH geforderte Betriebssicherheit für Hardware und Systemsoftware - wenn überhaupt - nur mit Klimmzügen realisieren kann. Vorsorglich ließen sich die Flughafen-Planer gegen das Risiko durch eine Siemens-Garantie absichern: Wenn´s schief geht zahlen die Perlacher eine saftige Vertragsstrafe.

Die Skeptiker, die bereits kurz nach der Aufrtragsvergabe von einem Pyrrhussieg sprachen, könnten recht behalten. Kapitalster Vorwurf: Siemens habe kein Konzept für einen ausfallsicheren Mehrprozessorenbetrieb, wie er im zeitkritischen Geschäft "Luftverkehr" gefordert wird. Als Software-Basis für ein Realtime-orientiertes Online-System sei überdies BS2000 zu schwach.

Nun muß man den Münchnern zugute halten, daß sie ihre TP-Schwäche erkannt haben. Das Ergebnis: Von der Londoner Flughafengesellschaft wurde ein realtime- und joborientierter TP-Monitor gekauft. Die Transaktionssoftware "Laces" sitzt auf der nackten Hardware auf.

Gegenwärtig gibt es jedoch noch keine Anzeichen dafür, daß Siemens die generelle BS2000 Problematik lösen kann. Das von RCA stammende Betriebssystem hat mittlerweile fünfzehn Jahre auf dem Buckel. Ein Schnittstellenproblem besteht sowohl nach unten als auch nach oben.

So hält eine Reihe von Großkunden nach wie vor an BS1000 fest, einer Eigenentwicklung der Münchner, deren Software-Life-Cycle sich unaufhaltsam zu schließen beginnt. Der Lieblingsplan einiger Siemens-Betriebssystem-Entwickler soll es folgerichtig sein, BS1000 auf den 7800er Systemen von Fujitsu laufen zu lassen.

Auf der anderen Seite ist auch eine Umstellung von BS2000 auf BS3000, das die Japan-Jumbos unterstützt, nicht ohne Hardware-Änderungen möglich.

Man sollte also meinen, daß Siemens die Vereinheitlichung des Betriebssystem-Angebotes mit Nachdruck vorantreibt. Doch weit gefehlt. Selbst Eingeweihte wissen nur, daß es eine solide Brücke zwischen BS2000 und dem an IMBs MVS angenäherten BS3000 in absehbarer Zeit nicht geben wird.

Einst hatte Siemens die Entwicklung eines neuen Betriebssystems geplant, intern bekannt als "Y-Linie". Offenbar auf Betreiben der Anhänger einer "Follow-IBM-Philosophie" kam dann 1978 das OEM Abkommen mit der japanischen Fujitsu zustande - die "Y-Linie" verschwand in der Versenkung.

Heute, so lästern Software-Spezialisten aus dem Umfeld der Münchner, gäbe es nicht einmal eine Planung für ein neues Betriebsystem.

Die Frage muß erlaubt sein, ob die Siemens Verantwortlichen richtig beraten waren, als sie sich vor drei Jahren auf den "Folow-IBM-Kurs" festlegten. Jetzt hätten sie es gern, wenn das "Y-Projekt" weiterverfolgt worden wäre. Denn die nächste Realtime-Panne kommt bestimmt.