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24.06.1994

Raus aus dem Abseits

Besser haette der Zeitpunkt kaum gewaehlt sein koennen. Puenktlich zum Anpfiff der Fussball-WM in den USA, zum Treffen Clinton-Kohl, gaben Telekom und France Telecom die Verpflichtung des amerikanischen TK-Players Sprint - offizieller Sponsor der WM - fuer ihr Team bekannt. Zweifellos war dies ein geschickter und raumgreifender Spielzug, mit dem vor allem Gegenspieler AT&T ausgetrickst wurde. Bisher fielen die Defensivkuenstler von Seine und Rhein in der Weltliga naemlich nur durch ihre monotonen Querpaesse zwischen Paris und Bonn auf - von kreativem Doppelpass keine Spur.

Das soll sich jetzt aendern. Mit Sprint haben sich die deutsch- franzoesischen Busenfreunde naemlich die Dienste eines Unternehmens gesichert, das im US-Markt zwar "nur" die Nummer drei traegt, als einziger Carrier aber landesweit ueber ein digitales Glasfasernetz verfuegt. Somit ist im US-Feld ein Anbieter am Ball, der praedestiniert ist, Raeume schnell zu oeffnen.

Die Entscheidung fuer den vermeintlichen Nobody hinter AT&T und MCI koennte sich auch aus einem anderen Grund als taktische Meisterleistung erweisen. Aus dem Fussballalltag wissen wir nur zu gut: Zwei Spielmacher in einer Mannschaft sind einer zuviel. Mit Sicherheit haette aber die Kombination aus Telekom und einem der anderen Major Players wie AT&T, MCI oder BT zu einem Gerangel um die interne Hackordnung gefuehrt.

Waehrend MCI der Flankenschlag nach Europa zu BT und Sprint der zu den Deutschen sowie Franzosen gelungen ist, hat US-Primus AT&T die Position am Euro-Fluegel noch nicht besetzt. Vieles spricht nun fuer einen Abschluss der Amerikaner mit dem Konsortium Unisource, um dann mit den Telcos aus Holland, der Schweiz und Schweden drei Sturmspitzen in der Alten Welt einzusetzen.

Wie hart die Gangart in diesem Geschaeft ist, beweist auch der Konter, den AT&T nun gegen die neue TK-Allianz faehrt. Der Netzbetreiber appelliert an Schiedsrichter Clinton, Telekom und France Telecom die rote Karte zu zeigen, weil beide hartnaeckig das Sprachmonopol in ihren heimischen Maerkten verteidigen. Die Absicht ist klar: AT&T setzt mit der Forderung nach einem Platzverweis des Tandems vom US-Markt nicht nur das Schiedsgericht unter Druck, es spielt darueber hinaus auf Zeit und versucht, ein Aufbrechen des Monopols hierzulande vor 1998 zu bewirken.

Diese Taktik koennte aufgehen. BT erhielt vom US-Justizministerium die Freigabe zum Einstieg bei MCI erst, als Grossbritannien den amerikanischen Anbietern einen ungehinderten Zutritt zum britischen TK-Business signalisierte. Gleiches duerfte fuer das deutsch-franzoesische Duo gelten, Liberalisierung im Mobilfunk hin oder her.

Trotz all dieser Ruppigkeiten steht jedoch fest: Selbst wenn BT und MCI durch ihren zeitlichen Vorsprung jetzt in der Weltliga in Fuehrung gehen, selbst wenn AT&T Zeit fuer eine eigene Allianz schindet und der Anstoss fuer das Trio Telekom, France Telecom und Sprint in den USA noch fern ist, die beiden europaeischen Carrier haben sich mit ihrem Einkauf international aus dem Abseits manoevriert.