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23.09.1994

Ray Lane: Dramatische Dinge gehen vor sich Die Oracle-Metamorphose: Vom Datenbanker zum Tausendsassa

Fast jede Woche ist die kalifornische Oracle Corp. in den Schlagzeilen: neue Maerkte, Strategien und Produkte, aber auch verspaetete Auslieferungen und Fehler im Detail. Ob Paralleltechnik und Multimedia oder Management-Tools und Applikationssoftware - das nach eigenen Angaben zwei Milliarden Dollar schwere Unternehmen praesentiert sich innovativ in vielen, vielleicht zu vielen Richtungen? Mit Ray Lane, Executive Vice-President des Softwaremultis sprach CW-Redakteurin Ulrike Litzba.

CW: Geschaeftigkeit dient haeufig dazu, hereinbrechende Krisen zu ueberdecken . . .

Lane: Rechtzeitige Veraenderung bedeutet, Fuehrungsqualitaet zu beweisen. Wird diese Chance verpasst, landet man dort, wo sich Digital und IBM heute befinden.

CW: Was fuer eine Art von Firma moechte Oracle eigentlich sein?

Lane: Unser Job ist das Daten-Management - die Verwaltung jeglicher Art von Information. Alles, was wir anbieten, ist eigentlich nur eine logische Erweiterung der Datenbank. Mit den Tools bauen wir Applikationen, die auf unserer Datenbank aufsetzen, und die Consulting-Services bieten die ergaenzende Unterstuetzung zu unseren Produkten. Auch Multimedia ist im wesentlichen Datenbanktechnologie.

CW: Demnach wird in den Datenbankbereich am meisten investiert?

Lane: Im Bereich Datenbanken und Applikationen arbeiten jeweils ungefaehr 350 Entwickler, bei den Tools zirka 250. 175 Programmierer beschaeftigen sich mit Multimedia und 100 mit der Networking-Software.

CW: Alle Oracle-Aktivitaeten und technischen Veraenderungen gruppieren sich somit um die hauseigene Datenbank. Nach Ihren eigenen Aussagen streben sie jedoch eine Fuehrungsrolle im offenen Client-Server-Markt an. Was bedeutet dann Offenheit? Heisst das, die fuenf Hardwareplattformen (HP, Sun, IBM, Intel-PCs und DEC) zu unterstuetzen, mit denen Sie insgesamt 85 Prozent Ihres Umsatzes machen?

Lane: Nein, wir portieren auf hundert Plattformen. Es gibt weltweit kein anderes Unternehmen, das derartig viele Plattformen unterstuetzt oder jemals unterstuetzen wird. Natuerlich kann die Betreuung nicht fuer jedes System perfekt sein.

CW: Die Anwender scheinen jedoch unter offenen Systemen etwas anderes zu verstehen als lediglich die Verfuegbarkeit auf unterschiedlichen Plattformen, etwa eine nahtlose Integration von Fremdsystemen. Eine Entscheidung fuer eine Datenbank, heisst es, sei mit einer Eheschliessung zu vergleichen: ein Leben lang aneinander gebunden. Seitenspruenge mit anderen Anbietern haben in der Regel unangenehme Folgen - eine Scheidung bringt den finanziellen Knockout.

Lane: Es ist jederzeit moeglich, eine weitere Plattform einzubinden. Deswegen ist unsere Software teuer. Wollen Sie, dass wir sie verschenken?

CW: Auf der europaeischen Benutzer-Konferenz haben Sie dieses Jahr angekuendigt, Oracle werde die Datenbankpreise im High-end-Bereich senken.

Lane: Auf lange Sicht wird das sicher auch passieren. Aber warum sollte ich, solange die Konkurrenz und die Anwender keinen Druck ausueben, freiwillig mit dem Preis heruntergehen und meinen Profit beschneiden? Ausserdem ist die Client-Server-Technologie teuer - denn sie ist neu, und es treten noch eine Menge Probleme auf. Aber das liegt nicht an Oracle. Die groessten Schwierigkeiten verursachen die Integrationskosten und der Mangel an System-Management- Werkzeugen. Denn fehlen die Management-Tools, muessen sie durch teure Entwicklungsarbeiten ersetzt werden. Der Markt hat die Margen im Hardwaregeschaeft schmelzen lassen. Was soll daran gut sein? Die Folge ist doch, dass Anwender nicht mehr auf einen guten Support zaehlen koennen und letztlich nur einige wenige Hersteller uebrigbleiben.

CW: Jedes Unternehmen verwertet bereits mindestens eine Datenbank und die Lebensdauer solcher Produkte wird auf 20 Jahre geschaetzt. Sind Datenbanken noch ein eintraegliches Geschaeft?

Lane: Unser Datenbankbereich waechst jaehrlich um 40 Prozent - im US-Markt sogar um 60 Prozent und der von Sybase um 50 Prozent. Das sieht fuer mich nach einem dicken Gewinn aus. Nicht umsonst unternimmt Microsoft enorme Anstrengungen, um hier einzusteigen.

CW: Doch wahrscheinlich geht es Microsoft nicht hauptsaechlich ums Geld, sondern vielmehr um ein Standbein in diesem Markt.

Lane: Natuerlich.

CW: Sie bemuehen sich mit grossem Marketing-Aufwand, ein europaeisches Applikationsgeschaeft aufzubauen. Die Installationszahlen bleiben aber sehr bescheiden.

Lane: Weltweit gesehen haben die SAP und unser Unternehmen nahezu gleich grosse Marktanteile.

CW: Aber die SAP kann ein rasantes Wachstum verzeichnen.

Lane: Sie duerfen Deutschland nicht als Massstab nehmen; denn hier gibt es ein Monopol, und das heisst SAP.

CW: Nun uebertrifft aber der diesjaehrige US-Umsatz von SAP-Software sogar noch den europaeischen . . .

Lane: Zugegeben, das Wachstum ist beachtlich. Das Unternehmen brauchte nur etwa ein Jahr, um in den USA auf unsere Groesse anzuwachsen. Vermutlich wird sich sein Wachstum noch beschleunigen. Allerdings hat SAP nicht einmal eine Produktionssoftware, die mit unserer vergleichbar waere. Die Finanzapplikation ist so gut wie die von Oracle. Das Vertriebsmodul ist allerdings besser. Das muss ich zugeben.

CW: Nahezu 90 Prozent aller R/3-Installationen fussen auf einer Oracle-Datenbank . . .

Lane: Jahrelang wollte die deutsche Niederlassung ihren groessten Kunden SAP nicht vergraulen und vermied den Wettbewerb. Ich aber will den Konkurrenzkampf. - Obschon ich nicht damit rechne, dass wir in Deutschland jemals so erfolgreich sein koennen wie SAP.

CW: Darueber hinaus scheinen die Absatzprobleme fuer die Oracle- Applikationssoftware auch ganz handfeste Gruende zu haben. So berichten Anwender von Schwierigkeiten bei der Einfuehrung von Version 10.

Lane: Es gibt ein Migrationsproblem. Wir haben das Produkt einfach zu spaet ausgeliefert.

CW: Und wie erklaeren Sie die Schwierigkeiten, die Anwender mit "Forms 4.0" haben?

Lane: Auch hier haben wir nicht frueh genug geliefert. Das Release kam im August 1993 auf den Markt. Es sollte aber bereits ein Jahr frueher fertig sein. Speziell in den USA wurde ein ungeheurer Druck auf uns ausgeuebt, weshalb wir Forms 4.0 zu frueh herausbrachten. Es hat dann ungefaehr vier Monate gedauert, bis wir die Fehler beseitigt hatten. Jetzt sollte das Produkt stabil sein. Jedenfalls hoere ich inzwischen kaum noch Beschwerden, - es sei denn, jemand benutzt unser High-end-Tool auf PCs. Diese sind haeufig schlicht zu klein.

CW: Das Lieblingsthema von Oracle-CEO Larry Ellison ist derzeit Multimedia, doch welches Unternehmen kauft einen Multimedia- Server?

Lane: Unter Multimedia verstehe ich Text-, Audio- und Video-Server sowie Automation von Dokumentationen. Multimedia ist so eine Art Lotus-Notes - nur eben fuer hunderte oder tausende von Anwendern. Firmen wie General Motors oder Daimler Benz interessieren sich dafuer.

CW: Mit der Digital-Datenbank Rdb hat Oracle viele neue Kunden, vor allem aus dem technisch-wissenschaftlichen Bereich erworben. Muessen diese Anwender nun auf eine andere Datenbank wechseln?

Lane: Rdb basiert auf einer zuverlaessigen Technologie. Bleiben die Kunden bei diesem Produkt, ist das gut. Wollen sie zu Oracle wechseln, so ist das auch gut. Sollte Rdb jemals keinen Gewinn mehr abwerfen, stelle ich das Produkt garantiert ein.