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19.11.1998 - 

Zurück in die Zukunft

Re-Hosting heißt das stille Motto organisierter IBM-Anwender

MÜNCHEN (ua) - Es war eine Tagung alter Männer: Etwa 300 von insgesamt 650 deutschen Mitglieder der IBM-Anwendervereinigung Guide Share Europe (GSE), trafen sich kürzlich in Hamburg zum Meinungsaustausch auf ihrer Jahrestagung. "E-Business" lautete das offizielle Motto für das Zusammentreffen, doch eigentlich ging es um Rezentralisierung und das Comeback des Hosts.

Die Botschaft der Keynote von Val Rahmani, europäische IBM-Vice-President High End System Sales, war unmißverständlich. Erstens: E-Business ist die treibende Wirtschaftskraft, und zweitens: der Mainframe ist die Plattform, die Web-basierte Geschäftstätigkeit erlaubt. Nur der Großrechner sei robust genug, um einen 24-Stunden-Betrieb zu gewährleisten. Er sei schnell genug, um ungeduldige Internet-User nicht von der Web-Site zu vergraulen, und er allein schaffe den Datendurchsatz, den Back-end-Systeme wie R/3 oder Kommunikationssysteme wie Lotus Notes verlangen. Die Anwendungsumgebung, die E-Business mit dem Host ermöglicht, sei das Komponentenmodell Javabeans und Corba-Technik ê la "Component Broker". Das Zusammenspiel dieser Ansätze erlöse den Mainframe von der Großrechnerprogrammierung, sagte die IBM-Managerin.

Mit der Einladung von Rahmani habe die 35 Jahre alte GSE die Erwartungen ihrer Mitglieder erfüllt, erläutert Wolfgang Auer, GSE-Vice-President, Director of Regions. Die Managerin habe das gesagt, was die Leute hören wollten. Der Fokus der Anwendervereinigung richte sich auf die DV-Anlagen, die das Geschäft der Unternehmen erfolgreich tragen (siehe Grafiken).

Unix-Lösungen wandern auf auf den Host

Die Anwender hätten feststellen müssen, daß "billige DV-Netze" keine Alternative zum Mainframe darstellten, so daß "große Ablösungen" der Hosts nicht mehr stattfänden. Auer spricht von "Ressourcenbündelung" und "Rechnerkonsolidierung" - eine Entwicklung, die sich seit zwei Jahren vollziehe.

Den Gesprächen der Konferenzteilnehmer war zu entnehmen, daß Anwender insbesondere ihre Unix-Anwendungen auf die kompatiblen OS/390-Systeme verfrachten. Als Gründe nennen sie stets die leichtere Administrierbarkeit des Großrechners und den Wunsch, die Kosten zu reduzieren. Client-Server-Computing sei zu teuer.

Ins Bild paßt auch, daß sich eine Gruppe zusammenfand, die die SAP AG verstärkt dazu drängen möchte, die R/3-Anwendungen endlich auf OS/390 zu portieren. Bislang ist es nur möglich, die Datenhaltung von R/3-Applikationen auf dem MVS-Nachfolgesystem zu installieren. Die Gruppe zählt derzeit 15 Mitglieder.

Viele GSE-Mitglieder betrachten Client-Server offenbar nur als einen unglücklichen Ausrutscher der DV-Geschichte. Man erinnerte sich mit Glanz in den Augen an gemeisterte Wagnisse wie anno 1972, als ein IBM-Host mit einem Siemens-Koloß via Strippe verknüpft werden mußte.

In diesem Umfeld scheint Re-Hosting für Computing wie vor 20 Jahren zu stehen. Den an Disziplin gewöhnten Host-Experten ist Genugtuung anzumerken, wenn die sie anarchisch anmutenden PC-Freaks und Unixler etwa wegen Sicherheitsfragen bei ihnen anklopfen. In den Client-Server-Niederungen würden nicht einmal DV-Grundlagen verstanden, heißt es. So zeigten sich diese Kollegen uneinsichtig, wenn ihnen Master-Rechte auf die Rechenanlage vorenthalten würden.

Die in vielen Köpfen zementierten Ansichten zum Mainframe-Computing beschert der GSE ersichtlich Nachwuchsprobleme. Der Altersdurchschnitt der Tagungsteilnehmer lag vermutlich über 50 Jahre, der Männeranteil bei mehr als 90 Prozent. Sprecher Auer sucht die Schuld bei der IBM. Der Hersteller zeige an den Ausbildungsstätten zuwenig Präsenz. Ein Student könne nicht erfahren, daß es noch etwas anderes als Intel-CPUs gebe. Für die GSE machte Auer geltend, daß sich nicht alle ihre 64 Arbeitsgruppen mit Mainframe-Computing beschäftigten. In den Gruppen, in denen es etwa um Internet, um Groupware und Workflow, um Netz-Management und um Java gehe, sei auch IT-Nachwuchs eingebunden.

Bedauerlicherweise gebe es jedoch noch das Jahr 2000, das laut Auer neue DV-Projekte blockiere, insbesondere Vorhaben wie "Applikationen ins Netz". Das korrigiert den Eindruck, die DV könne sich zurückentwickeln. Die Jahrhundertumstellung rückt die Probleme ins Bewußtsein, die Monolithen und Legacy in sich tragen. Mit Web-Applikationen verläßt die DV nicht nur das Rechenzentrum, sondern wagt sich aus dem Unternehmen heraus und auf den Schreibtisch der Kunden und Geschäftspartner vor. Die Computerei ist trotz des Trends zum Re-Hosting nicht mehr dieselbe wie vor 20 Jahren.