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12.12.1997 - 

Die Zukunft der Rechenzentren/Comeback zentraler Systeme

Re-Integration: Neue Chancen für den RZ-Leiter

Die Renaissance zentraler IT-Konzepte wirft auf die Rechenzentren ein neues Licht - mit unerwarteten Chancen und Verantwortungen. "Thick Server, Thin Client" könnte das Rezept in Kurzform genannt werden, auf das dabei immer mehr RZ-Leiter setzen. Zunehmend machen sich die IT-Strategen Gedanken darüber, einen Weg aus der hohen Belastung im System-Management zu finden, die in großen Unternehmen durch heterogene Welten mit mehreren hundert oder tausend Servern unterschiedlicher Plattformen verursacht wird. Mancher entdeckt dabei die klassischen Stärken einer zentralisierten IT-Konzeption neu und überträgt sie auf ein verändertes Umfeld. Als Triebfeder dienen dabei Total-cost-of-ownership-Ansätze, System-Management-Vorteile, verschärftes IT-Controlling, einhergehend mit einem höheren Rechtfertigungsdruck. Ebenso die technologische Aufholjagd der Großrechner, die sich mittlerweile für Unix, NT, Internet und E-Business fit gemacht haben. Die alten Stärken blieben jedoch und werden jetzt revitalisiert. An diesem Punkt setzt das Konzept der Server-Re-Integration an: Große, zentrale und plattformoffene Server mit nahezu unbegrenzter Rechenleistung können die Rolle vieler kleiner Server in heterogenen Client-Server-Umgebungen übernehmen. RZ-Lei- ter haben damit die Chance, in der Weiterentwicklung der Unternehmens-IT wieder mehr Initiative und Steuerungsmöglichkeiten zurückzugewinnen, die in den vergangenen Jahren gerade in neuen Wachstumsfeldern an Fachabteilungen verlorengegangen waren - und damit ihre eigene Stellung zu festigen.

Niels Diemer, S/390-Projektleiter bei der Commerzbank AG in Frankfurt, meint: "Die Großrechnerplattform schafft durch die einfachere Administration und Verwaltung im Vergleich zu verteilten Umgebungen für große Rechenzentren gute Voraussetzungen, mit wenig Personal ein Maximum an IT-Leistung für die End-User zu bieten. Der Aufwand dafür wurde in der Unix-Welt unterschätzt. Auf der anderen Seite haben sich die hohen Kosten der Vergangenheit durch die Einführung der CMOS-Technologie (CMOS = Complementary Metal Oxid Semiconductor) relativiert."

Ein weiterer gravierender Punkt ist nach Diemers Worten die Verfügbarkeit der Rechenleistung, die die Benutzer von den Rechenzentren als zentra- ler IT-Serviceinstanz fordern. "Großsysteme sind von Haus aus für den unterbrechungsfreien Betrieb ausgelegt. Im Gegensatz dazu sind Unix-Server eher für einen Neustart nach einem Systemausfall konzipiert. Natürlich entspricht auch im Mainframe-Bereich noch nicht alles den Wünschen der Anwender, aber das Konzept dafür liegt mit Parallel Sysplex bereit. Die eigentliche Anforderung an die RZ-Verantwortlichen besteht nun für die nächste Zukunft darin, diese Konzepte umzusetzen. Das ist eine gemeinsame Anstrengung, die Hersteller wie Anwender künftig gemeinsam erbringen müssen."

Die Konsolidierung der Server-Landschaften in Unternehmen setzt nicht zuletzt auch eine enge Abstimmung zwischen Unternehmensleitung und IT-Ressort voraus. Michael Schlensok, RZ-Leiter der Karstadt AG in Essen: "Wir betreiben den Mainframe heute als zentralen Server im Bereich der Datenverarbeitung. Die Tendenz, die Aufgaben dezentral betriebener kleinerer Rechner auf zentralisierte größere Server und den Mainframe zurückzuführen, ist bei uns deutlich ausgeprägt. Davon werden Unix-, NT- und OS/2-Server betroffen sein."

Bei Karstadt ist der Bereich Technik/Produktion sowohl für die Betreuung der Hosts als auch für die dezentralen Server-Ressourcen verantwortlich, so daß beide Aufgabenbereiche bereits heute in einer Hand liegen. "Der hardwaretechnische Part der Server-Konsolidierung wird innerhalb der eigenen Reihen durchgeführt. Bei den Anwendungen werden natürlich Abstimmungsprozesse und Überführungsmaßnahmen notwendig sein, um Anwendungen zentral abbilden zu können. Wir sehen einen deutlichen Trend, Anwendungen wieder zentralisiert zu bedienen."

Die Aufgaben der RZ-Leiter in der nahen Zukunft werden aus seiner Sicht demnach "in der Zentralisierung verteilter Systeme durch die Rückführung auf die großen Server liegen. Hier bringt die Offenheit von OS/390 für die Abbildung unter anderem von Unix- und Windows NT-Anwendungen für die Konsolidierung erhebliche Vorteile. Wir sind momentan noch in der Testphase, Web-Services in Unix unter OS/390 auf dem Mainframe abzubilden. Hierzu sind natürlich Skills im Bereich Internet-Technologien notwendig, die wir in unserem Arbeitsbereich ausbauen müssen."

Neue Dienstleistungsfunktionen im Bereich Document Workflow stehen für das Rechenzentrum der schweizerischen Knight-Ridder Information AG mit der Einführung von Lotus Domino auf S/390 auf dem Plan. "Wir haben nach einem Weg gesucht, den bisher für Lotus Notes betriebenen Server-Park aus rund zehn Maschinen zu ersetzen, da sich Systemadministration und Verwaltung als zu komplex erwiesen", erläutert Erich Siffert, verantwortlich für die Einführung der Groupware.

"Die Anbindung von OS/390 über TCP/IP setzte zunächst einmal zusätzliches Know-how voraus, das nach dem Learning-by-doing-Prinzip geschaffen wurde. Mit dem zentralisierten Betrieb von Domino auf dem Host erbringen wir nun wieder die Dienstleistung, Daten und Informationen vorzuhalten und ständig zu aktualisieren. Der Mainframe ist dafür nach unserer Meinung auch die richtige Plattform, da selbst eine große Zahl von Anfragen bedient werden kann. Auf der Client-Seite lösen wir die Notes-Clients mehr und mehr durch Browser-basierten Zugriff ab." Neue Aufgaben also, die mit der Nutzung der Internet-Technologie gleichzeitig neue Profilierungschancen für die Verantwortlichen in den Rechenzentren bringen.

Verkaufte Rechenleistung pusht Entwicklung

Der Trend zur Server-Konsolidierung wird auch durch verschiedene Prognosen der einschlägigen Marktforscher unterstützt. So prophezeit die Meta Group Großrechnern sogar "eine glänzende Zukunft" und geht von einem Anteil der S/390-Plattform in den Unternehmen von 44 Prozent im Jahr 2004 aus. Einen der Gründe für diese Entwicklung sehen die Meta-Consultants vor allem in der großen Zahl von Anwendungen, die inzwischen für die großen Server unter OS/390 verfügbar sind. Hersteller betriebswirtschaftlicher Standardsoftware wie SAP, Baan, J.D. Edwards und Oracle bieten seit einiger Zeit großrechnerkonforme Versionen ihrer Produkte an. Deutlich wird die positive Entwicklung dieses Marktes durch die Entwicklung der verkauften Rechenleistung. Mit jeweils konstant rund 50 Prozent Zuwachs in den letzten drei Jahren wurden nicht nur bestehende Systeme ausgebaut, es kamen vor allem mit der dritten und der nun aktuellen vierten Generation von CMOS-Prozessoren neue Anwender hinzu.

Und noch ein Aspekt dürfte in Zukunft den Rang der "großen Eisen" wieder erhöhen: die steigende Bedeutung des Web für die Abwicklung kommerzieller Transaktionen. Vor diesem Hintergrund wurden die Einsatzmöglichkeiten der großen Server im Electronic Business mit einem erweiterten Betriebssystem-Release und aufbauenden Web-Server-Funktionen ausgedehnt..

Angeklickt

Wie steht es mit der Rückkehr der zentralen IT? Gibt es wirklich neue Aufgaben für Rechenzentren? Einige Beispiele zeigen, wie sich RZ-Verantwortliche mit den klassischen Stärken der "großen Eisen" und der vorhandenen IT-Kompetenz in neuen Aufgabenfeldern bewegen, etwa dem Electronic Commerce. Sie zeigen sinnigerweise ein Anforderungsprofil, in das die Kompetenz des zentralen IT-Ansatzes - Sicherheit, Verfügbarkeit, hohe Leistungsreserven, Wirtschaftlichkeit - wie ein Schlüssel ins Schloß paßt. Hier gilt offenbar "Revival of the fittest" für Mensch und Maschine.

*Simone Mronga ist freie Fachjournalistin in Bremen.