Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.08.1986 - 

Projektarbeit verlangt den richtigen Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort:

Realitätsferne Ausbildung rächt sich im Alltag

Die tägliche Praxis zeigt große Qualitätsunterschiede bei Projektarbeiten im Unternehmen. Dabei Ist die sachliche Komponente durch die Theorie des Projektmanagements weitgehend geebnet, anders sieht es mit den personellen Faktoren aus. Manfred Bundschuh* und Wafi Al-Baghdadi* beschäftigen sich in ihrem Beitrag besonders mit Aspekten der Projektmanagement-Ausbildung.

Der Durchführung von Projekten zur Bewältigung komplexer Vorhaben muß eine fundierte Planung zugrunde liegen. Diese Planung, die als wesentlicher Bestandteil des Projektmanagement gilt, ist bis zu den einzelnen Aufgaben hinunter zu strukturieren. Den detaillierten Aktivitäten werden anschließend Mitarbeiter und Hilfsmittel eindeutig zugeordnet. Je komplexer ein Vorhaben ist, desto notwendiger wird eine gezielte Ressourcenallokation.

Die anschließende Realisierung der einzelnen Aufgaben durch das Projekt-Team initiiert einen Prozeß zwischenmenschlicher Beziehungen. Wechselseitige Abhängigkeiten

treten auf, die häufig mit Interessenkonflikten verbunden sind - ein Kennzeichen gruppendynamischer Prozesse. Gerade hierin liegt die Aufgabe des Projektmanagements: Nicht nur entstehende Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich zu bewältigen, sondern potentielle zu antizipieren.

Probleme können ferner entstehen, wenn im Rahmen der Ressourcenallokation nicht der "richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort" eingesetzt wird. Dies ist umso schwerwiegender, je weniger ein Projektmanager es vermag, die Fähigkeiten seines Projektteams zu erkennen, sie entsprechend zu koordinieren und zu nutzen.

Erfolgreiche Projektarbeit setzt demnach eine entsprechend hohe Qualität der Projektleitung voraus. Nur diese bietet die Gewähr, neben den unterschiedlichen Aufgaben des Projektmanagements auch unterschiedliche Krisensituationen im Verlaufe eines Projektes zu bewältigen. Darin spiegeln sich die Fähigkeiten der Projektführung wider, die durch die persönlichen Eigenschaften und Erfahrungen des jeweiligen Projektleiters geprägt werden.

Auf dieser Überlegung basierend läßt sich feststellen, daß ein idealtypischer Projektmanager über vielfältige Fähigkeiten verfügen müßte. Er hätte die Planung, Steuerung und Kontrolle der einzelnen Aktivitäten innerhalb des Projektes, des Krisenmanagements und die Behandlung juristischer Fragen auf der einen Seite zu beherrschen. Auf der anderen Seite sollte er als Führungspersönlichkeit sowohl Psychologe und Motivator als auch Soziologe sein.

Der Einzelne ist hier sicher überfordert. Eine geringe Anzahl von Projektmanagern hat das angeborene Talent, über die Kombination mehrerer dieser Fähigkeiten zu verfügen und ist auch in der Lage, die fehlenden Eigenschaften und entstehende Mängelerscheinungen durch ihre Stärken zu kompensieren.

Die Wechselwirkungen zwischen ihren Stärken und ihrer Erfahrung bringt einen zusätzlichen Vorsprung gegenüber den Kollegen, die nicht über ähnliche Qualifikationen verfügen. Diese müssen sich um den Ausgleich der fehlenden Fähigkeiten und Eigenschaften bemühen, um ihrem Berufsbild gerecht zu werden. Die interdisziplinären Anforderungen an einen solchen Beruf, für den noch kein eigenständiger Ausbildungsweg existiert, vervielfachen die Schwierigkeiten bei der Projektleitung.

Um diese Schwierigkeiten zu beheben beziehungsweise zu verringern, muß zum einen ein abgeschlossenes Berufsbild entwickelt werden, das die oben aufgeführten Anforderungen weitgehend berücksichtigt. Zum anderen sind Mittel und Wege aufzuzeigen, diesen Beruf zu erlernen; die praxisorientierte Projektmanagement-Ausbildung bildet hierbei den wichtigsten Eckpfeiler.

Der Lernprozeß und das darauf aufbauende "Führungs"-Verhalten bilden den wesentlichen Teil der Ausbildung. Neben dem vermittelten theoretischen Inhalt stellt das aktive Umsetzen des Gelernten den eigentlichen Erfolg sicher.

Hierbei entspricht die praktische Anwendung (Verhalten und Projektdurchführung) weitgehend der während des Lernprozesses erlebten Ausbildung. Je praxisnäher also die Ausbildung ist, desto besser gelingt der Transfer - eine wichtige Erkenntnis aus der Lerntheorie.

Eine praxisgerechte Ausbildung muß Mittel besitzen, das Wissen der Teilnehmer zu aktivieren und ihren Lernprozeß zu steuern. Ein probates Instrument ist die Moderationsmethode, die alle den Lernprozeß begünstigenden Elemente einbindet.

Bei der Moderation wird neben der optischen Sprache - Visualisierung - sowie Lesen und Hören von Informationen durch die aktive Mitarbeit der Teilnehmer das Lernen erlebt. Damit wird die Merkfähigkeit sowohl unterstützt als auch gesteuert. Je intensiver das Lernen im "hier und jetzt" erfolgt, desto fundierter sind die Erfahrungen der Teilnehmer, so daß ein konkreter Transfer gelingt.

Hierbei wird ein hohes Motivationspotential freigesetzt. Die am Lernprozeß Beteiligten entfalten eine hohe Kreativität und lernen konstruktive Zusammenarbeit.

Mit der Moderations-Methode sollen Projektleiter das Management ihrer Produkte praxisnah erleben, indem sie das Training unter Projektbedingungen erfahren. Diese initiierte Projektteamsituation löst gruppendynamische Prozesse aus, so daß Zeitdruck, Organisationsprobleme, Terminüberschreitung und zwischenmenschliche Probleme und Interessenkonflikte entstehen. Solche sachlichen und menschlichen Effekte spiegeln die in Unternehmen alltäglich auftretenden gruppendynamischen Prozesse wider.

Die Steuerung derartiger emotionaler Situationen und organisatorischer Vorgänge innerhalb eines Projektes ist bekanntlich ein wesentliches "Qualitätsmerkmal" guter Projektleitung; eine positive Bewältigung solcher Krisen beziehungsweise ihre Vorwegnahme gewährleisten die "angestrebte Effizienz". Die im Training erlebte Projektsituation liefert den Teilnehmern Schlüsselerlebnisse, die eine praxisgerechte Übertragung erleichtern, so daß die Steuerung projektbezogener gruppendynamischer Prozesse besser gelingt.

Die Teilnehmer eines derartig aufgebauten Projektleiterkurses tragen selbst zum Erfolg ihrer Erlebnisse bei, sie müssen aktiv diesen gruppendynamischen Prozeß mitgestalten. Entsprechende Akzeptanz gemeinschaftlich erarbeiteter Projektteile und Lösungen sowie eine hohe Identifikation mit dem Projekt werden erreicht. Die Umsetzung des Erlebten in die Praxis der täglichen Projektarbeit liegt in der Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Teilnehmer. Eine Abkehr vom "alten Trott" kann dadurch erreicht werden.

Eine positive Gestaltung dieses Prozesses beziehungsweise der Garant des Erfolges einer solchen praxisorientierten Projektmanagement-Ausbildung ist das Verhalten des Moderators. Es muß die Spannungsfelder für die themenorientierte Diskussion und den Erfahrungsaustausch dem Teilnehmer aufbereiten. Der Überblick über den Stand der Diskussion ist jederzeit durch die verschiedenen Visualisierungstechniken festzuhalten.

Auftretende Störungen können dabei durch ständige Rückkoppelung zwischen Lerngruppe und Trainer behoben werden. Dieser stellt den Lernerfolg sicher, indem er mit der Prozeßanalyse (Selbstreflexion) bewußt den Lerntransfer steuert. Eine Solche praxisorientierte Projektmanagement-Ausbildung findet in der Praxis eine beachtliche Akzeptanz. Die Unternehmen sehen heute mehr denn je die Notwendigkeit, ihre Projektleiter entsprechend auszubilden.