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21.03.2003 - 

Plattner hätte gern Microsoft gegründet

Realtime statt Lochkarte

MÜNCHEN (fn) - SAP-Mitgründer Hasso Plattner hat mit der Client-Server-Software R/3 das Walldorfer Unternehmen zum Weltkonzern gemacht. Bei der Firmengründung hatte er gehofft, einmal 50 Millionen Euro pro Jahr mit Standardsoftware umsetzen zu können.

"Wir müssen uns erst daran gewöhnen, dass kein Firmengründer im Vorstand sitzt", bemerkt ein Angestellter des Unternehmens, der die Nachricht vom Rückzug Plattners in den Aufsichtsrat noch nicht ganz verdaut hat. Dieser und vier weitere Ex-Angestellte der IBM - Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira und Dietmar Hopp - läuteten vor 31 Jahren im verträumten Walldorf bei Heidelberg das Zeitalter der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware ein. Als Alternative zu den damals üblichen Batch- und Lochkartensystemen entwickelte die Firma Systemanalyse-Programmentwicklung (kurz SAP) mit dem Programm "Realtime" (R/1) eine auf Online-Betrieb basierende Software. Hatten Firmen bis dato Anwendungen vorwiegend selbst programmiert, goss SAP Buchhaltungsfunktionen in vorgefertigte Programmbausteine, die an das jeweilige Kundenunternehmen angepasst wurden. Damals hatte Plattner gehofft, sein Unternehmen werde einmal einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro erwirtschaften. Das vergangene Geschäftsjahr schloss die Firma mit 7,4 Milliarden Euro ab.

Plattners Handschrift trägt vor allem die dritte Produktgeneration SAP R/3, die nach dem Client-Server-Prinzip arbeitet. Mit R/3 konnte SAP verschiedene Computerplattformen bedienen, die preisgünstiger waren als Großrechner. Diese Standardsoftware ließ SAP zu einem der größten Softwarekonzerne der Welt werden.

Mit dem Aufkommen des Internets drohte SAP ins Hintertreffen zu geraten. Händeringend suchten die Walldorfer nach einem Konzept, um nicht als schwerfälliger Client-Server-Veteran dazustehen. Heraus kam schließlich "Mysap.com", eine Art Internet-Marktplatz, den Plattner im Mai 1999 der Öffentlichkeit präsentierte. Sowohl Analysten als auch Kunden waren zunächst skeptisch, nicht zuletzt deshalb, weil SAP eine Weile benötigte, um Mysap.com mit Inhalt zu füllen. Schließlich vermarktete der Hersteller unter dem Label eine Sammlung von Softwareprodukten, die das Kernprodukt R/3 ergänzen sollten.

Auf die Frage, was er aus heutiger Sicht anders gemacht hätte, äußert Plattner: "Ich wäre gern der Gründer von Microsoft gewesen und hätte deren Produkte entwickelt. Das wäre in mancher Hinsicht einfacher gewesen, als komplexe Unternehmenssoftware zu schreiben." Den Firmengründer nur als Aufsichtsratschef können sich nur wenige vorstellen. Schon wird vermutet, Plattner werde nach dem Rückzug aus dem Tagesgeschäft wieder mehr Zeit haben und dann erst recht neue Ideen ausbrüten.